Zum Tod von Sir Clive Sinclair: Der ewige Optimist

Mit Clive Sinclair ist einer der IT-Pioniere Europas gestorben. Der Brite war viel mehr als nur der Unternehmer, der mit den preiswerten ZX-Heimrechnern die Mikrocomputer-Revolution vorantrieb.

Ein Nachruf von Martin Wolf veröffentlicht am
Mit Radios und Hifi-Komponenten fing alles an
Mit Radios und Hifi-Komponenten fing alles an (Bild: Sinclair Radionics)

Ein kompletter Computer für unter 100 britische Pfund? Das war 1980 ein unerhört günstiges Angebot. Eine monatelange Warteliste für Vorbesteller und gute Rezensionen in der IT-Presse zeigten, dass das Unternehmen Science of Cambridge Ltd. einen Hit gelandet hatte. Das war umso überraschender, als zu dieser Zeit neue Rechner meist aus den USA kamen. Zudem war Firmenchef Clive Sinclair von der Idee, Computer seien etwas für ein breites Publikum, anfangs gar nicht recht überzeugt.

Inhalt:
  1. Zum Tod von Sir Clive Sinclair: Der ewige Optimist
  2. Sinclairs Elektro-Liegerad war ein kolossaler Flop

Angefangen hatte Sinclair im Jahr 1958 mit einem Entwurf für ein Miniaturradio - da war er noch mitten in seinem Abitur. Seit seiner Kindheit bastelte er an Audiotechnik und hatte den Traum, Ingenieur oder zumindest Erfinder zu werden. Er war, was man heute wohl einen Nerd nennen würde: An Sport und Spiel mit Gleichaltrigen zeigte er kein großes Interesse, er sog begierig alles Wissen auf, das ihm Bücher und seine technikaffine Familie boten. Für einen Universitätsbesuch reichte die Zeit nicht, Sinclair wollte alles - und er wollte es sofort. Diese kreative Ungeduld sollte sein ganzes Leben prägen und ihm sowohl seine größten Erfolge als auch seine schlimmsten Flops bescheren.

Zunächst verdingte er sich als technischer Autor bei englischen Fachzeitschriften für Hi-Fi-Technik, aber schon in den frühen 1960er Jahren gründete er im Alter von 21 Jahren mit Sinclair Radionics seine erste Firma. Das Unternehmen hatte 50 geborgte Pfund als Grundkapital und vertrieb zunächst Radiobausätze per Post. Sinclair war fasziniert von den Möglichkeiten der Miniaturisierung der Komponenten und baute ab 1965 Taschenradios. Deren Verkauf bescherte ihm beträchtliche Gewinne und ermöglichte ihm die Ausweitung seines Produkportfolios um Stereoverstärker und Lautsprecher. Dass die Geräte mitunter von zweifelhafter Qualität waren und einiges an Bastelei verlangten, erschien ihm nebensächlich, denn er hatte inzwischen seinen Fokus schon auf ein neues Feld der Miniatur-Elektronik gelegt: Rechner.

Der erste batteriebetriebene Taschenrechner des Unternehmens hieß Executive und wäre in der heutigen Zeit wohl ein typisches Apple-Produkt. Sein schlankes, schickes Äußeres und die auf das Wichtigste reduzierten Funktionen ließen für die Zeitschrift New Scientist damals nur einen Schluss zu: Es handele sich weniger um einen professionellen Rechner als vielmehr um ein persönliches Schmuckstück. Als solches landete es sogar im Museum of Modern Art und machte Sinclair mit einem Profit von fast zwei Millionen Pfund endgültig zum reichen Mann. Da machte es auch wenig aus, dass eines der Geräte in der Tasche eines sowjetischen Diplomaten explodierte und fast eine Krise im Kalten Krieg ausgelöst hätte.

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Frei von finanziellen Sorgen konnte sich Clive Sinclair auf das konzentrieren, was ihm am meisten Spaß machte: die Entwicklung von immer neuen, faszinierenden Gadgets.

Zum Beispiel einer schicken Digitaluhr, die die Zeit nur auf Knopfdruck anzeigte, und eines Minifernsehers. Beide waren jedoch weit weniger erfolgreich als erhofft, was dazu führte, dass Sinclair die Unternehmensführung von Sinclair Radionics 1979 abgeben musste. Dieser Rückschlag spornte ihn aber umso mehr an, sich in seiner nächsten Firma Sinclair Research neuen Technologien zu widmen. Sein wichtigstes Kapital dafür war der Ingenieur Chris Curry, den er noch kurz vor seinem Abgang bei Radionics davon überzeugen konnte, in sein neues Unternehmen einzusteigen.

Curry war maßgeblich an der Entwicklung des MK-14 beteiligt, eines Bausatzes für einen Heimcomputer für den Preis von nur 39 britischen Pfund. Clive Sinclair war aber noch nicht ganz von der Idee eines so universell einsetzbaren Gerätes überzeugt. Es ist bemerkenswert: Ausgerechnet der Mann, der wie kaum ein anderer die europäische Heimcomputerkultur geprägt hat, hielt eigentlich nicht viel von Computern, er benutzte nicht einmal welche. In einem Interview mit dem Guardian sagte er 2010: "Ich finde sie lästig. Ich mag es eher, wenn mich jemand anruft, wenn er mit mir kommunizieren möchte. Es ist nicht nur Faulheit, ich möchte von diesem ganzen Prozess nicht abgelenkt werden - das ist ein Albtraum."

Diese Vorbehalte gegenüber Computern führten zum Zerwürfnis zwischen Curry und Sinclair. Der Ingenieur verließ das Unternehmen und widmete sich fortan beim Konkurrenten Acorn sehr erfolgreich der Entwicklung des BBC Micro. Nun trat ein anderer Charakterzug von Clive Sinclair zum Vorschein: Er versuchte, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln das Konkurrenzprodukt zu torpedieren, es machte sogar die Geschichte über Handgreiflichkeiten zwischen Sinclair und Curry die Runde. Dieser ungleiche Kampf zwischen dem weltbekannten Erfinder und dem kleinen Startup wurde in der BBC-Serie Micro Men im Jahr 2009 anschaulich dargestellt. Eine Mischung aus Albert Einstein und Willy Wonka sei Sinclair gewesen, sagte der Schauspieler Alexander Armstrong, der ihn auf dem Fernsehschirm verkörperte.

Auch wenn er den lukrativen Auftrag, einen Kleincomputer für die BBC und Schulen in Großbritannien zu produzieren, nicht ergattern konnte, entwickelten sich seine Produkte prächtig. Der ZX 80 und der ZX 81 machten ihn Anfang der 1980er Jahre zum Superstar der britischen Elektronikbranche. Sinclair schätzte den eingefahrenen Profit in dieser Zeit auf 14 Millionen Pfund. Pro Jahr.

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Sinclairs Elektro-Liegerad war ein kolossaler Flop 
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