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Zum Rücktritt von Tim Cook: Er ist wahrlich Tim Apple

Tim Cook tritt als Apple-Chef zurück – und mit ihm ein von vielen unterschätzter Manager, der maßgeblich für Apples Erfolg der letzten Jahre verantwortlich war.
/ Tobias Költzsch
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Tim Cook auf dem Weltwirtschaftsforum im Januar 2026 (Bild: Fabrice COFFRINI / AFP via Getty Images)
Tim Cook auf dem Weltwirtschaftsforum im Januar 2026 Bild: Fabrice COFFRINI / AFP via Getty Images

Tim Cook gibt, wie bereits seit einiger Zeit vermutet, im September 2026 seinen Posten als CEO von Apple ab und tritt als Executive Chairman in die zweite Reihe. Damit tritt eine der prägendsten Figuren in der Geschichte von Apple ab: Cook hat Apple zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht und dabei nicht nur auf neue Produkte, sondern auch auf Dienstleistungen und eine straffe Lieferkette gesetzt.

Das klingt zugegebenermaßen erst einmal wesentlich weniger aufregend als die zahlreichen aufsehenerregenden Launches unter Cooks Vorgänger, dem Apple-Gründer Steve Jobs. Und tatsächlich konnte Tim Cook bei seinen Präsentationen nie das Level an Charisma erreichen, das Jobs hatte – manche mögen meinen, dass er im Vergleich langweilig wirkt.

Das mag an Cooks Hintergrund liegen: Als er bei Apple anfing, war der 1960 in Alabama geborene Ingenieur für die weltweiten Operationen zuständig. Im Hintergrund legte er den Grundstein dafür, dass Apple in den darauffolgenden Jahrzehnten relativ unbeschadet durch sämtliche Chip- und Wirtschaftskrisen kam: Er organisierte eine Lieferkette aus Vertragsherstellern, die auf vertraglich gebundene Zulieferer setzen.

Der Organisator Tim Cook

Das ist zugegebenermaßen ein nüchternerer Job als die Entwicklung von spektakulären neuen Produkten wie dem iPhone oder dem Macbook Air, wie sie Steve Jobs verantwortete. Als Team ergänzten sich der nüchterne Cook und der zu Micromanagement neigende kreative Jobs aber offenbar gut: Cook stieg in den 2000ern schnell bei Apple auf und begann ab 2009, Jobs in Krankheitsfällen zu vertreten. Kurz vor seinem Tod bestimmte Jobs ihn als Nachfolger.

Zu diesem Zeitpunkt lag Apples Fokus auf dem iPhone und dem kurz zuvor eingeführten iPad, den Cashcows des Unternehmens. Tim Cook erreichte während seiner Amtszeit, dass sich dies änderte – auf die ihm eigene, unauffällige Art und Weise. Er setzte neben neuer Hardware vor allem auf Dienstleistungen.

Zu den wichtigsten Veröffentlichungen in Cooks Amtszeit zählt sicherlich die Apple Watch, die nicht nur die einzige komplett unterstützte Smartwatch für Apple-Geräte ist. In den Jahren nach der Veröffentlichung 2014 wandelte sie sich von einem Luxusgegenstand (unvergessen die Gold-Version der ersten Apple Watch) zum zentralen Produkt von Apples Fitness-Sparte.

Apple Watch ist nicht nur eine Uhr

Der Fitness-Fan Tim Cook erkannte frühzeitig, dass eine Smartwatch nicht nur zum Anzeigen der Zeit und von Benachrichtigungen taugt, sondern ein Selbstoptimierungswerkzeug ist. Man muss die Kunden nur davon überzeugen, dass man sich auch optimieren will – etwa durch spielerische Elemente wie die berühmten Fitness-Ringe der Apple Watch. Der Schritt zum Fitness-Abo ist dann nur noch ein kleiner.

Dazu kamen über die Jahre weitere Apple-Dienste. Neben dem dank Provisionen und seiner zentralen Stellung im Ökosystem sehr profitablen App Store sind das etwa der Bezahldienst Apple Pay, Apple Music oder auch Apple TV. 2025 war dem Unternehmen zufolge ein Rekordjahr, was die Dienstleistungen angeht.

Tim Cook diversifizierte zudem iPads und iPhones: Mittlerweile gibt es zahlreiche Versionen der Geräte für unterschiedliche Anwendungszwecke und Geldbeutel. Auch vor einem Eingabestift für das iPad schreckte Cook nicht zurück, obwohl Steve Jobs dagegen gewesen war. Im Nachhinein stellte sich das nicht als die schlechteste Idee heraus.

Apple Silicon krempelt den Markt um

Ebenfalls unter Cooks Ägide erfolgte bei den Mac-Rechnern der Umstieg von Intel-Chips auf Apple Silicon. Apples M-Chips gehören seitdem zu den leistungsfähigsten am Markt und haben das Unternehmen weiter von Konkurrenten wie Intel unabhängig gemacht. Mittlerweile hat Apple auch eigene Modem-Chips entwickelt, um sich von Qualcomm zu lösen – ein Schritt, der für viele womöglich unter dem Radar vollzogen wurde.

Apple war nicht das erste Unternehmen, das ARM-basierte SoCs für Computer entwickelte. Dank der Verbindung aus geschlossenem Hardware- und Software-System hatte der Hersteller aber eine andere Ausgangslage als etwa Qualcomm, das immer auf Partner wie Microsoft angewiesen ist (und mit seinen Snapdragon-Elite-Chips immer noch auf der Suche nach Erfolg ist).

Kurz vor der Ankündigung seines Abgangs schlug Tim Cook der Konkurrenz im Laptop-Bereich noch ein letztes Schnippchen: Mit dem Macbook Neo brachte Apple ein preiswertes Notebook mit iPhone-SoC heraus, das nicht nur in Schulen in den USA erfolgreich sein dürfte. Dass das Macbook Neo veröffentlicht werden konnte, lag auch an der Basis, die Cook in den 2000ern mit der Etablierung von festen Lieferketten geschaffen hatte. Apple produziert seit 2010 Smartphones mit eigenen, sehr leistungsstarken Chips.

Tim Cook ist nicht alles gelungen

In den 15 Jahren als CEO gelang Tim Cook aber nicht alles. So verantwortete er auch das VR-Headset Vision Pro, das Apple als Zukunft des Computings bewarb. Am Ende stellte sich heraus, dass die meisten Nutzer keine Lust haben, acht Stunden am Tag mit einem schweren Headset auf dem Kopf zu arbeiten. Auch scheinen viele oft keine Lust zu haben, sich zum Schauen eines Films oder zum Spielen ein Headset aufzusetzen, wenn man doch stattdessen einfach so auf der Couch herumlümmeln kann.

Das waren absehbare Probleme, welche die Konkurrenz im VR-Headset-Markt seit Jahren plagen. Tim Cook dachte womöglich, dass er eine Lösung gefunden habe – was sich am Ende allerdings nicht bestätigte. Auch die Einführung von Apples KI-Werkzeugen, Apple Intelligence, war ein Misserfolg.

Zu Kritik an Cook führten außerdem einige seiner politischen Entscheidungen. 2019 wurde eine App in Hongkong aus dem App Store entfernt, die von pro-demokratischen Aktivisten verwendet wurde. Bereits 2016 wurde unter Cooks Führung eine Abmachung mit der chinesischen Regierung unterzeichnet, die zu Zensur führte. Tim Cook ist nicht als großer Kritiker Chinas bekannt, weil er wusste, dass er bei der Produktion der Apple-Produkte auf China angewiesen ist.

Schmeicheleien beim US-Präsidenten

Nicht nur im Falle Chinas handelte Cook in der Regel zum Wohle von Apple. Bereits während der ersten Trump-Regierung handelte er eine Ausnahme für Apple aus, wonach das Unternehmen weiter Produkte aus China importieren durfte. Dass der US-Präsident ihn 2019 "Tim Apple" nannte, nahm Cook mit Humor.

In der zweiten Amtszeit setzte der Manager stärker auf Schmeicheleien, etwa indem er für die zweite Amtseinführung von Donald Trump spendete. Unvergessen ist zudem der skurrile Auftritt Cooks im Oval Office, bei dem er Trump eine gravierte Glasscheibe samt Sockel aus 24-karätigem Gold überreichte. Verglichen mit anderen Tech-Bossen hielt er sich insgesamt aber eher zurück.

Apple investierte zudem in Milliardenhöhe in seine Operationen in den USA – wohl auch, weil Donald Trump der Meinung ist, dass die USA mehr im Land produzieren müssen. Es ist anzunehmen, dass Tim Cook weiß, dass das unrealistisch ist. Als offen homosexuell lebender Mann dürfte er zudem mit zahlreichen Meinungen innerhalb der Regierung nicht einverstanden sein.

Steve Jobs war charismatisch – Tim Cook machte Apple zum Billionenkonzern

In der Vergangenheit äußerte sich Cook auch negativ zu den strikteren Einwanderungsregeln der US-Regierung. Dass er diese Bedenken zum Wohle Apples offenbar zumindest teilweise zurückstellte, kann ihm als Loyalität gegenüber dem Unternehmen ausgelegt werden – oder auch als Opportunismus.

Tim Cook mag nicht so charismatisch sein, wie Steve Jobs es war. Er geht aber in die Geschichte als der Apple-CEO ein, der das Unternehmen als Wirtschaftsmacht etablierte. Auch seine Bilanz in puncto Hardware ist nicht so schlecht, wie manch einer denken mag – vor allem, wenn man die dahinterstehenden Dienste mit berücksichtigt.

Cooks Nachfolger wird ab September 2026 John Ternus, der einige Parallelen zu Cook aufweist. Als Cook Apple übernahm, war er 51 Jahre alt – Ternus ist ebenfalls 51. Beide sind Ingenieure, und Ternus arbeitet wie Cook bereits lange bei Apple. Tatsächlich kam Tim Cook nur drei Jahre vor Ternus zu Apple; Ternus arbeitete sich seit 2001 vom Product Development Team zum Hardware-Entwicklungs-Chef hoch.

John Ternus ist ein Apple-Urgestein

Im Laufe seiner Karriere war Ternus unter anderem für die Airpods, Macs, iPads und die Apple Watch verantwortlich – er kennt die aktuell wichtigsten Produkte des Unternehmens also gut. Außerdem soll Ternus trotz seines verhältnismäßig jungen Alters den Respekt der älteren Apple-Manager genießen.

Tim Cook dürfte auch daran gelegen sein, dass sein Vermächtnis in den Händen von jemandem liegt, der nicht in wenigen Jahren in den Ruhestand gehen will. Es wird interessant sein zu beobachten, ob Ternus den Weg Cooks weitergeht und auf eine eher langsame, aber in der Regel erfolgreiche Hardwareentwicklung samt Dienstleistungen setzt, oder ob er schon das "next big thing" im Kopf hat. Vor allem muss Ternus zusehen, wie er den verhunzten Start von Apples KI-Anwendungen, Apple Intelligence, rettet.


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