Schmeicheleien beim US-Präsidenten
Nicht nur im Falle Chinas handelte Cook in der Regel zum Wohle von Apple. Bereits während der ersten Trump-Regierung handelte er eine Ausnahme für Apple aus, wonach das Unternehmen weiter Produkte aus China importieren durfte. Dass der US-Präsident ihn 2019 "Tim Apple" nannte, nahm Cook mit Humor.
In der zweiten Amtszeit setzte der Manager stärker auf Schmeicheleien, etwa indem er für die zweite Amtseinführung von Donald Trump spendete. Unvergessen ist zudem der skurrile Auftritt Cooks im Oval Office, bei dem er Trump eine gravierte Glasscheibe samt Sockel aus 24-karätigem Gold überreichte. Verglichen mit anderen Tech-Bossen hielt er sich insgesamt aber eher zurück.
Apple investierte zudem in Milliardenhöhe in seine Operationen in den USA – wohl auch, weil Donald Trump der Meinung ist, dass die USA mehr im Land produzieren müssen. Es ist anzunehmen, dass Tim Cook weiß, dass das unrealistisch ist. Als offen homosexuell lebender Mann dürfte er zudem mit zahlreichen Meinungen innerhalb der Regierung nicht einverstanden sein.
Steve Jobs war charismatisch – Tim Cook machte Apple zum Billionenkonzern
In der Vergangenheit äußerte sich Cook auch negativ zu den strikteren Einwanderungsregeln der US-Regierung. Dass er diese Bedenken zum Wohle Apples offenbar zumindest teilweise zurückstellte, kann ihm als Loyalität gegenüber dem Unternehmen ausgelegt werden – oder auch als Opportunismus.
Tim Cook mag nicht so charismatisch sein, wie Steve Jobs es war. Er geht aber in die Geschichte als der Apple-CEO ein, der das Unternehmen als Wirtschaftsmacht etablierte. Auch seine Bilanz in puncto Hardware ist nicht so schlecht, wie manch einer denken mag – vor allem, wenn man die dahinterstehenden Dienste mit berücksichtigt.
Cooks Nachfolger wird ab September 2026 John Ternus, der einige Parallelen zu Cook aufweist. Als Cook Apple übernahm, war er 51 Jahre alt – Ternus ist ebenfalls 51. Beide sind Ingenieure, und Ternus arbeitet wie Cook bereits lange bei Apple. Tatsächlich kam Tim Cook nur drei Jahre vor Ternus zu Apple; Ternus arbeitete sich seit 2001 vom Product Development Team zum Hardware-Entwicklungs-Chef hoch.
John Ternus ist ein Apple-Urgestein
Im Laufe seiner Karriere war Ternus unter anderem für die Airpods, Macs, iPads und die Apple Watch verantwortlich – er kennt die aktuell wichtigsten Produkte des Unternehmens also gut. Außerdem soll Ternus trotz seines verhältnismäßig jungen Alters den Respekt der älteren Apple-Manager genießen.
Tim Cook dürfte auch daran gelegen sein, dass sein Vermächtnis in den Händen von jemandem liegt, der nicht in wenigen Jahren in den Ruhestand gehen will. Es wird interessant sein zu beobachten, ob Ternus den Weg Cooks weitergeht und auf eine eher langsame, aber in der Regel erfolgreiche Hardwareentwicklung samt Dienstleistungen setzt, oder ob er schon das "next big thing" im Kopf hat. Vor allem muss Ternus zusehen, wie er den verhunzten Start von Apples KI-Anwendungen, Apple Intelligence, rettet.
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