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Zum 41. Todestag von Mary Kenneth Keller: Die Machine-Learning-Nonne

Eine Nonne schrieb mit ihren Grundlagen der Pattern-Recognition ein wichtiges Kapitel in der Geschichte des Machine Learning.
/ Elke Wittich
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Mary Kenneth Keller war eine Pionierin der Informatik. (Bild: KI-generiert mit Dall-E über Chatgpt)
Mary Kenneth Keller war eine Pionierin der Informatik. Bild: KI-generiert mit Dall-E über Chatgpt
Inhalt
  1. Zum 41. Todestag von Mary Kenneth Keller: Die Machine-Learning-Nonne
  2. Aus Mary Kenneth Keller wird Schwester Kenneth
  3. Die erste Studentin am Dartmouth College
  4. Leiterin des Computerzentrums des Clarke College
  5. Pionierin und Beraterin eines Visionärs
  6. Umfangreiche Quelle
  7. Uneitel, humorvoll, selbstironisch

Mary Kenneth Keller, Pionierin der Informatik und erste Frau, die in den USA einen Doktortitel in Computerwissenschaften erhielt, hat mit ihrer Dissertation 1965 mit die Grundlagen für das gelegt, was wir heute als Machine Learning und Deep Learning bezeichnen. Sie war überzeugt, dass Computer ein zentrales Werkzeug für alle Wissenschaften würden, weil sie die Erkenntnisgewinnung beschleunigen und Wissen für mehr Menschen zugänglich machen könnten.

Keller baute am Clarke College, der heutigen Clarke University, den Fachbereich Informatik quasi alleine auf. Und Mary Kenneth Keller war noch etwas Anderes: Sister Mary Kenneth, eine Ordens-Nonne.

Geboren wurde Keller am 17. Dezember 1913 als zweites von vier Kindern des Lithografie-Facharbeiters John und seiner Frau Catherine in Cleveland/Ohio. Ihre von katholischen Nonnen geprägte Schulbildung führte sie über eine von den Sisters of the Humility of Mary geführte Schule in Cleveland auf die St. Gertrude Catholic Elementary School des Ordens der Sisters of Charity of the Blessed Virgin Mary (BVM) in Chicago.

Im Gegensatz zu ihren Eltern, die beide ihre Schulbildung nach der achten Klasse abgeschlossen hatten – das entsprach zu jenen Zeiten dem Standard-Bildungsgrad der Bevölkerungsmehrheit -, ging Mary mit ihrem Eighth Grade Diploma auf die The Immaculata Highschool des BVM-Ordens.

Ein bildungsorientierter Nonnenorden

An dieser Mädchen-Highschool erwies sie sich laut der Jahrbücher als vielseitig interessierte Schülerin, sie spielte als Stürmerin im Basketball-Team sowie Waldhorn in der Schulband und Geige im damals gerade gegründeten schuleigenen Orchester. Eine ihrer Lehrerinnen erinnerte sich jedoch später, dass Mary zwar ihre Instrumente technisch gut beherrschte, aber nicht immer die Töne traf.

Ihre eigentliche Begabung habe im Sprachlichen gelegen. Wozu passt, dass sie als Reporterin für die Schulzeitung schrieb. Sie war sozial engagiert, im Braille-Club beteiligte sie sich an der Übersetzung von Büchern in Blindenschrift. Marys große Leidenschaft war allerdings zeitlebens das Theater.

Der BVM-Orden entstand im 19. Jahrhundert in den USA, verstand sich von Beginn an als Bildungsgemeinschaft. Im Zentrum seiner Arbeit standen Schulgründungen, die Ausbildung von Lehrerinnen und der Zugang von Frauen zu höherer Bildung.

Die Schwestern hatten ein vergleichsweise pragmatisches Ordensverständnis: Sie arbeiteten überwiegend außerhalb geschlossener Klöster, unterrichteten, studierten selbst an Universitäten und passten ihre Bildungsarbeit früh an gesellschaftliche und technologische Entwicklungen an.

Bildung galt im Orden nicht als religiöses Beiwerk, sondern als zentrales Mittel sozialer Teilhabe und Selbstbestimmung.


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