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Uneitel, humorvoll, selbstironisch

Menschen, die sie kannten, berichteten, sie habe "keine Dummköpfe ertragen" , zugleich sei sie großzügig mit ihrer Zeit und Aufmerksamkeit gewesen. Sie galt als neugierig, kreativ und frei von Eitelkeit. Humor und Selbstironie gehörten fest zu ihr. Gern erzählte sie von peinlichen Momenten, etwa als sie sich nachts in einem Hotel aussperrte, weil sie glaubte, sich in ihrem eigenen Schlafzimmer zu befinden.

Großzügigkeit zeigte sie nicht mit großer Geste. Geld spielte für sie ohnehin keine Rolle, wie sie Recruitern gern sagte, wenn die sie mit hohen Summen locken wollten. Schwester Kenneth antwortete dann wahrheitsgemäß, dass sie das Armutsgelübde abgelegt habe und deswegen kein Geld annehmen könne.

Sie lebte sparsam, unterstützte aber Studenten oder andere Menschen in Notsituationen finanziell, ohne Aufhebens darum zu machen. Für die Zeit nach ihrem Tod hatte sie gleichwohl Geld für eine große Feier zurückgelegt – eine Geste, die viel über ihre Lebensfreude verrät, auch wenn dieser Wunsch zum Ärger ihrer vielen Freunde und Freundinnen später nicht erfüllt wurde.

Sprachen waren für sie ein Hobby: Sie konnte Französisch, Deutsch, Italienisch und Russisch lesen. Die Künste spielten in ihrem Leben eine ebenso große Rolle wie die Wissenschaften. Sie sah viele Theaterstücke mehrfach, spielte auch selbst und wurde mit sichtbarer Freude als Gertrude Stein besetzt.

Sie interessierte sich für Literatur, bildende Kunst und Film, hörte klassische Musik, tanzte gern und spielte Geige. Ihre Begeisterung für Technik stand all dem nie im Weg. Einer Weggefährtin zufolge wurde ihr "menschlicher Geist niemals durch ihre wissenschaftliche Beschäftigung mit Maschinen eingeschränkt" .

Bis zuletzt Nonne und Lehrerin

Ihr religiöses Selbstverständnis war ernsthaft, aber nicht demonstrativ. In ihrem Büro hing der Satz: "Mein Leben ist eine sich ständig verändernde Wahrnehmung von Gottes Willen für mich." Zugleich war sie eine private Person. Auf die Frage nach ihrem Gebetskreis antwortete sie lakonisch, dieser bestehe aus "Vater, Sohn und Heiligem Geist" . Sie bewahrte eine handschriftliche Kopie des Predigerbuchs auf: "Alles hat seine Zeit."

Ihre letzten Tage verbrachte Schwester Kenneth im Ordens-Mutterhaus Mount Carmel in Dubuque. Auch dort stand ein Computer in ihrem Zimmer. Sie arbeitete weiter, unterrichtete andere Ordensschwestern und kümmerte sich sogar um Ernährungspläne.

Eine Mitschwester erinnerte sich, Schwester Kenneth habe nicht sterben wollen, denn sie habe das Gefühl gehabt, noch nicht fertig zu sein. Ihre letzten überlieferten Worte lauteten dennoch schlicht: "Ja, ja."

Schwester Kenneth starb am 10. Januar 1985. Ihr Grab ist klein, ebenerdig und wird mit einer weiteren Schwester geteilt. Eingraviert sind nur ihr Name und drei Daten: Geburt, Eintritt in den Orden und Tod.


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