Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Pionierin und Beraterin eines Visionärs

Sie lebte zurückhaltend, arbeitete viel und wohnte als "Ein-Frau-Informatik-Fakultät" in einem kleinen Zimmer auf dem Campus. Keller war in die Hochschulselbstverwaltung eingebunden und prägte Anfang der 1970er Jahre als Vorsitzende des Clarke College Forum auch hochschulpolitische Entscheidungen.

Dazu gehörte auch, den Kindern der am College lehrenden Informatikerin Kathy Decker Raum zum Spielen und Gestilltwerden bereitzustellen. Schwester Kenneth wurde auch außerhalb des Clarke College wahrgenommen. So beeindruckte sie den Designer und Visionär Buckminster Fuller(öffnet im neuen Fenster) , der 1968 nach einer Auszeichnung am College zurückkehrte, um sich zwei Tage lang intensiv von ihr beraten zu lassen.

Fuller, damals 73 Jahre alt, wollte wissen, wie Computer seine Arbeit unterstützen könnten, und sagte später, dass ihm genau dies nach Kenneths Anleitung tatsächlich gelungen sei. Beide teilten die Überzeugung, dass Technologie dem menschlichen Leben dienen müsse und nicht militärischer Macht.

Im Unterricht war Schwester Kenneth gleichermaßen fordernd wie humorvoll. Sie begegnete Studenten auf Augenhöhe und verstand es, ihnen Selbstvertrauen im Umgang mit Computern zu vermitteln. Außerdem nutzte sie Humor als didaktisches Mittel, indem sie zum Beispiel einen Computer so umprogrammierte, dass er zusätzlich zu jeder Fehlermeldung die Botschaft "You are the master, I am the slave" auswarf.

Diese pädagogische Pointe war gleichzeitig ein ernst gemeintes Statement: Technik sollte Menschen befähigen, nicht kleinhalten.

Parallel zu regulären Kursen unterrichtete sie abends Erwachsene in Programmiersprachen wie Fortran und Assembly.

Kunst und Theater liebte sie ebenso wie Technik, und sie scheute sich nicht, Kolleginnen und Kollegen aus künstlerischen Fächern mit sanftem Nachdruck für Computerarbeit zu begeistern. Neue Technologien faszinierten sie so sehr, dass sie Hersteller dazu drängte, kleinere, persönlich nutzbare Rechner zu bauen, statt ausschließlich Großrechner zu produzieren.

Auch praxisnahe Ausbildung war ihr wichtig. Anfang der 1970er Jahre vermittelte sie Studenten in externe Projekte, etwa in ein Krankenhaus, wo an computergestützten Managementsystemen für Ernährung der Patienten gearbeitet wurde. Später wechselte sie vollständig in die Hochschulverwaltung und gestaltete den institutionellen Ausbau der Informatik weiter.

1977 führte sie Informatik und Managementwissenschaften in einem gemeinsamen Department zusammen, um Studenten gezielt auf Tätigkeiten in Wirtschaft und Organisation vorzubereiten, insbesondere Frauen. Anfang der 1980er Jahre übergab sie die Leitung an eine Ordensschwester aus dem eigenen Umfeld.


Relevante Themen