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Die erste Studentin am Dartmouth College

Bevor es richtig losgehen konnte, musste allerdings ein großes Problem gelöst werden: Damals gab es keine Studentinnen am Dartmouth College, entsprechend musste der dort zuständige Professor für Mary Keller erst eine Unterkunft organisieren. Das gelang schließlich und so konnte sie als erste Frau am dortigen LGP-30 arbeiten.

Eines der damaligen Lernziele war es, ein Tic-Tac-Toe-Spiel zu programmieren. Mit der Entwicklung der 1964 veröffentlichten Programmiersprache Basic, die in dieser Zeit in Dartmouth entstand, hatte Schwester Kenneth entgegen anderslautender Annahmen allerdings nichts zu tun. Stattdessen wurde sie schon 1962 von ihrem Orden an die University of Wisconsin-Madison entsandt, um sich mit einer Promotion auf den Aufbau der Informatik-Abteilung an dem vom BVM-Orden betriebenem Clarke College in Iowa vorzubereiten.

Obwohl sie formal zwischen 1962 und 1965 in Wisconsin eingeschrieben war, musste sie ihre Lehrtätigkeit nur für ein Jahr unterbrechen; ein großer Teil des Studiums fand daher erneut in den Sommermonaten statt. Zeitzeugen erinnern sich an ihre große Arbeitsdisziplin: Sie arbeitete häufig bis spät in die Nacht und blieb dabei zugleich humorvoll und pragmatisch.

Finanziert wurde ihr Studium zunächst durch ein Stipendium der National Science Foundation, später durch ein Universitätsstipendium. Betreut wurde sie von Preston Hammer, einem führenden Vertreter der numerischen Analysis, der eine frühe Nähe zwischen Mathematik und Computing vertrat.

Die erste Frau, die in den USA in Informatik promovierte

Falls sich einer ihrer Kommilitonen daran gestört hatte, dass sich hier nicht nur eine Frau, sondern auch eine Nonne im Ornat in die Männerdomäne Computer gewagt hatte, schreckte das Schwester Kenneth offenkundig nicht ab. Sie machte sich vielmehr an ihre Promotion.

In ihrer Dissertation mit dem Titel Inductive Inference on Computer Generated Patterns widmete sie sich dem induktiven Schließen – also der Frage, ob ein Computer aus einzelnen Beispielen wiederkehrende Strukturen erkennt und daraus allgemeine Regeln ableitet, mit denen er fehlende oder zukünftige Fälle vorhersagen kann. Konkret ging es darum, aus den ersten mathematischen Ausdrücken einer Folge automatisch den n-ten Ausdruck zu erzeugen.

Als Demonstration entwickelte sie ein Fortran-Programm, das aus einer Reihe bekannter Ableitungen die jeweils nächste Ableitung einer Funktion berechnen konnte. Ihr Ansatz unterschied sich bewusst von regelbasierten Verfahren: Statt feste Ableitungsregeln anzuwenden, sollte das Programm aus Beispielen lernen.

Damit verfolgte sie früh ein Prinzip, das heute als "learning by example" bekannt ist. Sie selbst betonte, dass ihre Ergebnisse nicht wegen der konkreten Ableitungen wichtig seien, sondern weil sie zeigten, dass Maschinen durch induktives Lernen Aufgaben bewältigen können, für die man sonst explizite Regeln erwartet hätte.

Kellers Ansatz blieb lange Zeit wenig beachtet. Jahrzehnte später wurde er mit dem Aufkommen moderner KI-Verfahren wie dem Machine Learning und dem Deep Learning relevant – und nicht nur das: In ihrer Arbeit hatte Schwester Kenneth zudem bereits das Verhältnis zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz reflektiert und betont, dass trotz vorhandener Parallelen menschliches und maschinelles Denken nur begrenzt vergleichbar seien. Ihre im Fach Informatik angesiedelte Dissertation schloss sie 1965 ab(öffnet im neuen Fenster) .


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