• IT-Karriere:
  • Services:

Zulassung autonomer Autos: Der Mensch fährt besser als gedacht

Mehrere Jahre haben Wissenschaftler und Autokonzerne an Testverfahren für einen Autobahnpiloten geforscht. Die Ergebnisse sprechen für den umfangreichen Einsatz von Simulation. Und gegen den schnellen Einsatz der Technik.

Artikel von veröffentlicht am
Mit Simulationen testet das DLR das hochautomatisierte Fahren.
Mit Simulationen testet das DLR das hochautomatisierte Fahren. (Bild: Golem.de)

Wie lässt sich zuverlässig zeigen, dass automatisierte Autos gut fahren können - und wie gut muss es überhaupt sein? Das Forschungsprojekt Pegasus hat in den vergangenen dreieinhalb Jahren versucht, neuartige Prüfverfahren zu entwickeln, um diese Fragen beantworten zu können. Zu den Ergebnissen, die Projektkoordinator Frank Köster vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig am 13. Mai 2019 vorstellt, gehört die Erkenntnis, dass die Anforderungen an hochautomatisierte Fahrzeuge der Stufe 3 kaum geringer als an vollautomatisierte der Stufe 4 sind. Zudem gehen die Experten inzwischen davon aus, dass 90 bis 95 Prozent der erforderlichen Tests simuliert werden können.

Inhalt:
  1. Zulassung autonomer Autos: Der Mensch fährt besser als gedacht
  2. Wie lange braucht der Mensch, um das Steuer zu übernehmen?
  3. Evolutionärer Ansatz könnte sogar schneller sein

Die selbstfahrenden Autos der Zukunft sollen dabei helfen, die Zahl der Verkehrsunfälle mit Verletzten und Toten deutlich zu reduzieren. Schließlich liegt es meistens am Versagen des menschlichen Fahrers und nicht an der Technik, wenn es zu schweren Unfällen kommt. Doch es ist gar nicht so einfach, die Fahrfähigkeit eines technischen Systems in allen relevanten Situationen nachzuweisen. Wissenschaftler wie der Darmstädter Fahrzeugtechnikexperte Hermann Winner haben dafür astronomisch lange Teststrecken von Hunderten Millionen oder gar Milliarden Testkilometern ausgerechnet. Diese sind realistisch nicht zu absolvieren.

Szenariobasiertes Testen ist möglich

Auch um diese "Freigabefalle" zu vermeiden, wurde im Jahr 2016 das Projekt Pegasus gestartet. Es verfügte über ein Budget von 34,5 Millionen Euro und wurde von 17 Einrichtungen aus Wirtschaft und Wissenschaft getragen (PDF). Das Akronym steht für "Projekt zur Etablierung von generell akzeptierten Gütekriterien, Werkzeugen und Methoden sowie Szenarien und Situationen zur Freigabe hochautomatisierter Fahrfunktionen". Ein Anspruch, den das Projekt nach Ansicht Kösters erfüllt hat. Die Ergebnisse hätten gezeigt, dass ein "szenariobasiertes Testen durchführbar ist", sagte der Informatiker. "Das ist schon cool". Der gesamte Testprozess sei umsetzbar und mit Werkzeugen hinterlegbar.

Doch die möglichen Szenarien von Pegasus waren noch eingeschränkt. Denn es ging lediglich darum, einen sogenannten Autobahnpiloten zu testen. Dieser entspricht einer hochautomatisierten Fahrfunktion der Stufe 3, wie ihn die große Koalition in der vergangenen Legislaturperiode durch eine Änderung des Straßenverkehrsgesetzes prinzipiell möglich gemacht hat. Die untersuchte Funktion beherrscht das Fahren auf der Autobahn bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h. Dazu zählen Spurwechsel, Stop-and-Go-Fahren und automatisiertes Notbremsen, allerdings nicht das Durchfahren von Baustellen und das Auf- und Abfahren von der Autobahn. Bei extremen Wettersituationen muss der Fahrer ebenfalls das Steuer übernehmen.

Mensch fährt besser als gedacht

Stellenmarkt
  1. Schwarz Dienstleistung KG, Raum Neckarsulm
  2. Juice Technology AG, Winkel

Laut Köster wurde zunächst die Frage gestellt: "Was sind tatsächlich die Situationen, auf die automatisierte Fahrzeuge treffen werden, die für sie eine Herausforderung darstellen?" Anschließend wurde aus Expertensicht untersucht, welche neuen Szenarien aufgrund der Automatisierung entstehen könnten. Diese Analyse diente als Grundlage, "um Kataloge aus kritischen Situationen und Szenarien aufzubauen und das als Basis für die Ableitung von Testfällen zu nehmen". Dieses Vorgehen habe sich bewährt, denn nun wisse man genau: "Worüber redet man eigentlich und wogegen misst man dann die Leistungsfähigkeit der Technologie".

  • Mit der kooperativen Simulationsumgebung Mosaic beim DLR können mehrere Fahrer gleichzeitig herkömmliche Fahrassistenzsysteme testen. (Foto: Golem.de)
  • Es wird untersucht, wie sich Fahrassistenzsysteme auf den Verkehr auswirken. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das DLR simuliert die Übergabesituationen zwischen Computer und Fahrer. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Ein echtes Fahrzeug wird dazu in eine virtuelle Umgebung versetzt. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Ähnliche Systeme finden sich bereits in Testfahrzeugen von Audi.  (Foto: DLR)
  • Die Herangehensweise beim Projekt Pegasus zum szenariobasierten Testen. (Grafik: DLR)
  • Ein komplexes Verfahren soll die Sicherheit selbstfahrender Autos garantieren. (Grafik: DLR)
  • Für die Entwickler stellt die Zulassung autonomer Autos eine große Herausforderung dar. (Grafik: DLR)
Mit der kooperativen Simulationsumgebung Mosaic beim DLR können mehrere Fahrer gleichzeitig herkömmliche Fahrassistenzsysteme testen. (Foto: Golem.de)

Dabei stellten die Projektteilnehmer laut Köster unter anderem fest, "dass der Mensch doch verdammt leistungsfähig ist im Verkehrssystem". Es sei in der Diskussion um autonome Autos "nicht unbedingt angemessen, nur mit dem Fehlverhalten des Menschen zu argumentieren". Es habe sich herausgestellt, dass der menschliche Fahrer "in vielen Situationen sehr viel sicherheitsfördernde Dinge tut, obwohl er sich dabei teilweise nicht in vollem Umfang regelkonform verhält. Der Mensch ist aber sehr leistungsfähig und flexibel, was das Verstehen von Situationen sowie deren Antizipation und Vorhersage betrifft. Daher begibt er sich in viele kritische Situationen gar nicht erst hinein."

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Wie lange braucht der Mensch, um das Steuer zu übernehmen? 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Anzeige
Top-Angebote
  1. 94,90€ (Bestpreis!)
  2. (u. a. Alien 1 - 6 Collection inkl. Alien-Ei für 126,99€, Ash vs. Evil Dead 1 - 2 + Figur für...
  3. (u. a. Stronghold Crusader 2 für 2,99€, WoW Gamecard Prepaid 30 Tage für 12,49€, FIFA 20 PC...

quineloe 27. Mai 2019

Beim Sichten meines Videomaterials vergangener Woche habe ich gesehen, dass eine recht...

gfa-g 27. Mai 2019

Das stimmt natürlich alles mit dem unfallfrei fahren, und wie das häufig zufällig ist...

gfa-g 27. Mai 2019

Das wäre trotzdem wichtig zu lernen. Abstände einschätzen zu können und sich...

plutoniumsulfat 24. Mai 2019

Unmöglich, das würde bedeuten, dass für einen kurzen Moment alle grün bekommen.

Hoerli 24. Mai 2019

Wie wahr ....


Folgen Sie uns
       


Cirrus7 Incus A300 - Test

Wir testen den Incus A300 von Cirrus7, einen passiv gekühlten Mini-PC für AMDs Ryzen 2000G/3000G.

Cirrus7 Incus A300 - Test Video aufrufen
Akkutechnik: In Zukunft kommen Akkus mit weniger seltenen Rohstoffen aus
Akkutechnik
In Zukunft kommen Akkus mit weniger seltenen Rohstoffen aus

In unserer Artikelserie zu Akku-FAQs geht es diesmal um bessere Akkus, um mehr Akkus und um Akkus ohne seltene Rohstoffe. Den Wunderakku, der alles kann, den gibt es leider nicht. Mit Energiespeichern ohne Akku beschäftigen wir uns später in Teil 2 dieses Artikels.
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

  1. Elektroautos BASF baut Kathodenfabrik in Brandenburg
  2. Joint Venture Panasonic und Toyota bauen prismatische Zellen für E-Autos
  3. Elektromobilität EU-Kommission genehmigt europäisches Batterieprojekt

Leistungsschutzrecht: Drei Wörter sollen ...
Leistungsschutzrecht
Drei Wörter sollen ...

Der Vorschlag der Bundesregierung für das neue Leistungsschutzrecht stößt auf Widerstand bei den Verlegerverbänden. Überschriften mit mehr als drei Wörtern und Vorschaubilder sollen lizenzpfichtig sein. Dabei wenden die Verlage einen sehr auffälligen Argumentationstrick an.
Eine Analyse von Friedhelm Greis

  1. Leistungsschutzrecht Memes sollen nur noch 128 mal 128 Pixel groß sein
  2. Leistungsschutzrecht Französische Verlage reichen Beschwerde gegen Google ein
  3. Leistungsschutzrecht Französische Medien beschweren sich über Google

Dreams im Test: Bastelwastel im Traumiversum
Dreams im Test
Bastelwastel im Traumiversum

Bereits mit Little Big Planet hat das Entwicklerstudio Media Molecule eine Kombination aus Spiel und Editor produziert, nun geht es mit Dreams noch ein paar Schritte weiter. Mit dem PS4-Titel muss man sich fast schon anstrengen, um nicht schöne Eigenkreationen zu erträumen.
Ein Test von Peter Steinlechner

  1. Ausdiskutiert Sony schließt das Playstation-Forum
  2. Sony Absatz der Playstation 4 geht weiter zurück
  3. PS4-Rücktasten-Ansatzstück im Test Tuning für den Dualshock 4

    •  /