• IT-Karriere:
  • Services:

Wie lange braucht der Mensch, um das Steuer zu übernehmen?

Kritische Situationen dürften aber auch bei einem Autobahnpiloten unvermeidlich sein. In solchen Fällen könnte das System entscheiden, dass der Fahrer wieder das Steuer übernehmen müsse. Dabei gibt es seit längeren eine Debatte, wie viele Sekunden für diese Übergabe der Fahrverantwortung mindestens erforderlich seien. Denn der Fahrer darf sich künftig "vom Verkehrsgeschehen und der Fahrzeugsteuerung abwenden", wie es im 2017 geänderten Straßenverkehrsgesetz heißt. Doch um sicher das Lenkrad zu übernehmen, muss er sich zunächst einmal ausreichend mit der Situation vertraut machen.

Stellenmarkt
  1. Hessisches Ministerium des Innern und für Sport, Wiesbaden
  2. über duerenhoff GmbH, Wiener Neustadt (Österreich)

Auf die Frage nach den Sekunden, die für die Übergabe an den Fahrer mindestens erforderlich sind, konnte das Projekt keine einfache Antwort liefern. "Es gibt nicht DIE eine Zahl, es ist sehr stark situationsabhängig", sagte Köster. Experten gingen in vielen Situationen heute von einem Zeitfenster von 7 bis 14 Sekunden aus. Daraus werde der extrem hohe Anspruch an eine Fahrzeugautomation offensichtlich: "Wenn die Automation merkt, dass sie eigentlich übergeben will, weil sie nicht mehr weiter weiß, und sie aber dann mindestens noch sieben Sekunden überbrücken muss, ist bereits ein extrem hohes Qualitätsniveau für Level-3-Funktionen notwendig." Das bedeute, dass ein solches Fahrzeug eigentlich schon vollautomatisiert fahren müsse, wie es der Stufe 4 entspricht.

Gleich auf Level 4 umsteigen?

Daher müssten Hersteller stets sehr gut abwägen, inwieweit es für eine Fahrfunktion sinnvoll ist, sie auf dem Niveau von Stufe 3 umzusetzen, oder ob man gleich versuche, "Fahrfunktionen zu realisieren, die eigentlich das Niveau von Level 4 umsetzen. Das heißt, adäquate Handlungen durchführen, wenn Funktionsgrenzbereiche erreicht werden." Letzteres könnte bedeuten, dass Funktionen wie der Autobahnpilot noch etwas mehr Zeit zur Entwicklung benötigen. Beim Level 4, dem vollautomatisierten Fahren, kann der Fahrer die Fahrzeugführung komplett abgeben und wird zum Passagier. Die Passagiere dürfen laut ADAC sogar schlafen, ihr Smartphone verwenden oder Zeitung lesen. Allerdings können die Fahrer jederzeit wieder das Steuer übernehmen.

  • Golem.de testete im Sommer 2015 hochautomatisierten A7 "Jack" im Juli auf der Autobahn bei Wolfsburg. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Wird der Autobahnpilot aktiviert, kann der Fahrer die Hände in den Schoß legen. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der Prototyp gilt als "hochautomatisiert". Solche Fahrzeuge sind in Deutschland seit 2017 rechtlich erlaubt. Allerdings gibt es noch keine Zulassungskriterien. (Grafik: Audi)
  • Daher sind hochautomatisierte Funktionen wie der Staupilot noch immer nicht zugelassen. (Grafik: Audi)
  • Zahlreiche Sensoren sorgen für einen 360-Grad-Rundumblick. (Grafik: Audi)
  • Die Prototypen sind im Kofferraum vollgestopft mit Elektronik, die vor allem zu Auswertungszwecken gebraucht wird. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Hersteller nutzen verschiedene Bussysteme wie CAN oder Flexray und eine echtzeitfähige Ethernet-Version. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Das zentrale Steuergerät (zFas) ist bei Audi etwa so groß wie ein Tablet-Rechner. (Foto: Audi)
  • Eine hochauflösende 3D-Videokamera blickt in einem weiten Winkel nach vorne und vier kleine Kameras an der Front und am Heck beobachten die nahe Umgebung. (Foto: Manuel Hollenbach/Right Light Media GmbH)
  • Sehr schnell gewöhnt man sich daran, dass Jack das Überholen übernimmt. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der Laserscanner deckt einen Bereich von 80 Metern vor dem Fahrzeug ab. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Im Display wird der Pilotmodus angezeigt.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • In München testete Golem.de einen Prototypen von BMW und fuhr damit hochautomatisiert über die Autobahn zum Flughafen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der sogenannte Versuchsträger verfügt ebenso wie Jack über viel Steuerungs- und Auswertungstechnik. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Auf einem Bildschirm ist zu sehen, wie die Sensoren die Umgebung wahrnehmen.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
Golem.de testete im Sommer 2015 hochautomatisierten A7 "Jack" im Juli auf der Autobahn bei Wolfsburg. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)

Sollte sich die Auffassung Kösters durchsetzen, könnte dies bedeuten, dass Funktionen wie der Autobahnpilot noch einige Zeit auf sich warten lassen. Möglicherweise werden sie vorerst nur in eingeschränkter Funktion angeboten, wie Audi es mit dem Staupilot plant. Doch selbst für diese Funktion gibt es bislang keine international festgelegten Zulassungskriterien.

Großer Anteil an Simulation möglich

Nach Angaben von Audi sind die Tests mit erheblichem Aufwand verbunden, schließlich gebe es keinen "Stau-on-Demand". Ein Problem, das die Industrie mit vermehrten Simulationen lösen will. Auch Köster hält dies für ein "extrem wichtiges Werkzeug". Hardware, Software und ganze Testfahrzeuge werden inzwischen "in the loop" getestet, bis sie auf Prüfgeländen und "im Feld" real fahren dürfen. In der Branche geht man inzwischen davon aus, dass die Simulation bis zu 90 oder 95 Prozent der Tests übernehmen könne, die restlichen Prozent sollten auf andere Weise getestet werden.

So wies die Google-Schwesterfirma Waymo im vergangenen Jahr darauf hin, dass ihre Testautos zehn Millionen Testmeilen "pro Tag" absolvierten. Allerdings nur in der Simulation. Auf diese Weise seien schon sieben Milliarden Meilen (11,3 Milliarden Kilometer) zusammengekommen - deutlich mehr als die zehn Millionen Meilen (16 Millionen Kilometer), die bis Anfang Oktober 2018 von Waymos Testautos insgesamt gefahren worden waren. Allerdings entsprechen die 16 Millionen Testkilometer nur einem Anteil von 2,2 Prozent, deutlich weniger als die fünf bis zehn Prozent, die Köster veranschlagt. Nimmt man die 13 Milliarden Testkilometer zum Maßstab, die Winner ausrechnete, kämen damit immer noch unrealistische 650 Millionen bis 1,3 Milliarden Testkilometer zusammen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Zulassung autonomer Autos: Der Mensch fährt besser als gedachtEvolutionärer Ansatz könnte sogar schneller sein 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5.  


Anzeige
Top-Angebote
  1. (aktuell u. a. Asus XG248Q LED-Monitor 389,00€ (Bestpreis!), Emtec SSD 120 GB 15,79€, Xiaomi...
  2. (u.a. Samsung Galaxy Tab A für 195,00€, Huawei MediaPad M5 Lite für 189,00€, Lenovo Tab E10...
  3. 899,00€ (Bestpreis!)
  4. 99,99€

quineloe 27. Mai 2019

Beim Sichten meines Videomaterials vergangener Woche habe ich gesehen, dass eine recht...

gfa-g 27. Mai 2019

Das stimmt natürlich alles mit dem unfallfrei fahren, und wie das häufig zufällig ist...

gfa-g 27. Mai 2019

Das wäre trotzdem wichtig zu lernen. Abstände einschätzen zu können und sich...

plutoniumsulfat 24. Mai 2019

Unmöglich, das würde bedeuten, dass für einen kurzen Moment alle grün bekommen.

Hoerli 24. Mai 2019

Wie wahr ....


Folgen Sie uns
       


SSD-Kompendium

Sie werden alle SSDs genannt und doch gibt es gravierende Unterschiede. Golem.de-Hardware-Redakteur Marc Sauter stellt die unterschiedlichen Formfaktoren vor, spricht über Protokolle, die Geschwindigkeit und den Preis.

SSD-Kompendium Video aufrufen
Cloud Gaming im Test: Leise ruckelt der Stream
Cloud Gaming im Test
Leise ruckelt der Stream

Kurz vor Weihnachten werben Dienste wie Google Stadia und Playstation Now um Kunden - mit noch nicht ganz perfekter Technik. Golem.de hat Cloud Gaming bei mehreren Anbietern ausprobiert und stellt Geschäftsmodelle und Besonderheiten vor.
Von Peter Steinlechner

  1. Apple und Google Die wollen nicht nur spielen
  2. Medienbericht Twitch plant Spielestreaming ab 2020
  3. Spielestreaming Wie archiviert man Games ohne Datenträger?

Radeon RX 5500 (4GB) im Test: AMDs beste 200-Euro-Karte seit Jahren
Radeon RX 5500 (4GB) im Test
AMDs beste 200-Euro-Karte seit Jahren

Mit der Radeon RX 5500 hat AMD endlich wieder eine sparsame und moderne Mittelklasse-Grafikkarte im Angebot. Verglichen mit Nvidias Geforce GTX 1650 Super reicht es zum Patt - aber nicht in allen Bereichen.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Workstation-Grafikkarte AMDs Radeon Pro W5700 hat USB-C-Anschluss
  2. Navi-Grafikeinheit Apple bekommt Vollausbau und AMD bringt RX 5300M
  3. Navi-14-Grafikkarte AMD stellt Radeon RX 5500 vor

Mikrocontroller: Sensordaten mit Micro Python und ESP8266 auslesen
Mikrocontroller
Sensordaten mit Micro Python und ESP8266 auslesen

Python gilt als relativ einfach und ist die Sprache der Wahl in der Data Science und beim maschinellen Lernen. Aber die Sprache kann auch anders. Mithilfe von Micro Python können zum Beispiel Sensordaten ausgelesen werden. Ein kleines Elektronikprojekt ganz ohne Löten.
Eine Anleitung von Dirk Koller

  1. Python Trojanisierte Bibliotheken stehlen SSH- und GPG-Schlüssel
  2. Programmiersprache Python verkürzt Release-Zyklus auf ein Jahr
  3. Programmiersprache Anfang 2020 ist endgültig Schluss für Python 2

    •  /