Abo
  • Services:
Anzeige
Zukunftstechnologie oder Technik der 60er
Zukunftstechnologie oder Technik der 60er (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Zukunftstechnologie: Die Technik von gestern in der Raumfahrt von morgen

Zukunftstechnologie oder Technik der 60er
Zukunftstechnologie oder Technik der 60er (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Raumfahrt bemüht sich stets, nach Science-Fiction zu klingen. Dabei ist sie so konservativ wie kaum eine andere Branche. Private Unternehmen könnten da etwas ändern.
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

Kaum eine Industrie ist so konservativ wie das Geschäft der Trägerraketen und Satelliten. Doch nirgends auf der Internationalen Luftfahrtausstellung (Ila) wurde das Wort Zukunft derart überstrapaziert wie im Ausstellungsbereich für Raumfahrt. Aber das immer wieder aufpolierte, glänzende Hightech-Image wird der Raumfahrt immer mehr zur Last.

Anzeige
  • Einfache Satellitentriebwerke. Ein oder zwei Ventile, Brennkammer, Düse. Darunter steht als Überschrift "Satellitentriebwerke - Zukunftstechnologien - Chemischer Antrieb" (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Ein klassisches Ionentriebwerk mit 5 kW Leistung, wie es demnächst in Satelliten verbaut werden soll (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das Vinci-Triebwerk. Ein sehr effizientes Wasserstofftriebwerk, das die Oberstufe der Ariane 6 antreiben soll. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
Einfache Satellitentriebwerke. Ein oder zwei Ventile, Brennkammer, Düse. Darunter steht als Überschrift "Satellitentriebwerke - Zukunftstechnologien - Chemischer Antrieb" (Foto: Werner Pluta/Golem.de)


Wie etwa im Space Pavillon. Dort wird eine Reihe einfacher Satellitentriebwerke und Korrekturdüsen gezeigt - Technik der 60er Jahre. Zwei Ventile werden geöffnet, um den Treibstoff aus dem Tank in die Brennstoffkammer zu lassen. Der hypergolische Treibstoff entzündet sich dort durch bloßen Kontakt, eine Entdeckung der frühen 1930er Jahre. Davor steht stolz geschrieben: "Satellitentriebwerke - Zukunftstechnologien - Chemischer Antrieb".

Ionentriebwerke - keine Science-Fiction

Es ist ein extremes Beispiel, aber symptomatisch für die Branche. Auf das Wort Raumfahrt folgt zwanghaft das Wort Zukunft. Dabei ist die Branche tief in der Vergangenheit verhaftet. Selbst modern wirkende Technologien wie etwa Ionentriebwerke haben eine lange Geschichte hinter sich. Schon der Regisseur George Lucas verarbeitete das Konzept des Ionentriebwerks im Tie-Fighter von Star Wars. Kein Zufall, denn die ersten Ionentriebwerke wurden schon 1964 in einem Satelliten getestet. Sie brauchen je nach Bauart weniger als ein Zehntel des Treibstoffs eines chemischen Triebwerks. Die Technik ermöglicht die Halbierung der Startmasse eines typischen Nachrichtensatelliten. Eine Rakete kann dadurch zwei Satelliten anstatt von einem starten, womit auch die Startkosten halbiert werden.

  • Einfache Satellitentriebwerke. Ein oder zwei Ventile, Brennkammer, Düse. Darunter steht als Überschrift "Satellitentriebwerke - Zukunftstechnologien - Chemischer Antrieb" (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Ein klassisches Ionentriebwerk mit 5 kW Leistung, wie es demnächst in Satelliten verbaut werden soll (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das Vinci-Triebwerk. Ein sehr effizientes Wasserstofftriebwerk, das die Oberstufe der Ariane 6 antreiben soll. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
Ein klassisches Ionentriebwerk mit 5 kW Leistung, wie es demnächst in Satelliten verbaut werden soll (Foto: Werner Pluta/Golem.de)


In den 1990er Jahren wurde das Konzept serienreif gemacht. Triebwerke liefen auf Testständen konstant über Tausende Stunden. Raumsonden wurden seither mit Ionentriebwerken als Haupttriebwerk ausgestattet und sind zuverlässig zum Mond, zu Asteroiden und Kometen geflogen.

Seit den 2000er Jahren werden sie regelmäßig in Satelliten verbaut, aber nur als Korrekturtriebwerke, die den Satelliten ermöglichen, ihre Position im Orbit zu halten. Die Masse von Nachrichtensatelliten besteht aber immer noch zu mehr als der Hälfte aus Treibstoff für chemische Triebwerke. Der wird benötigt, um die Satelliten von einem Übergangsorbit in ihre endgültige Position im geostationären Orbit zu bringen, wo sie dann 10 bis 20 Jahre ihre Arbeit verrichten. Auch das können Ionentriebwerke tun und die Startmasse der Satelliten halbieren.

Aber erst 2015 wurden erstmals zwei kommerzielle Satelliten auf diese Weise in ihren Orbit gebracht, nächste Woche soll ein zweites Paar folgen. Die Zurückhaltung der Unternehmen wird mit der langen Transitzeit begründet. Statt sechs Wochen dauert es sechs Monate, bis der Satellit am Zielort angekommen ist. Dabei dürfte der Anbieter mehrere Monate auf eine passende Startgelegenheit für den zweiten Satelliten warten, von den Startkosten ganz abgesehen. Die zusätzliche Strahlenbelastung beim Durchflug des Van-Allen-Gürtels soll problematisch sein, dabei müssen Satelliten ohnehin der Strahlung von Sonnenstürmen standhalten, womit Satellitenbauer jahrzehntelange Erfahrung haben.

Wer sich mit den Ausstellern und anderen Beschäftigen der Raumfahrt über die Technik unterhält, hört die Frustration über die konservative Branche. Hinter der Hightech-Fassade gilt die Regel: nur kein Risiko. Nur nichts Neues, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt.

Politische Vorgaben machen konservative Technik nicht besser 

eye home zur Startseite
bvdb 07. Jun 2016

Guter Artikel. Die Raumfahrt ist zu einer großen Arbeitsbeschaffungs-Anstalt für (alte...

Moe479 07. Jun 2016

während das eine wenigstens zukunftsträchtig sein soll , war das andere von grund auf als...

tritratrulala 07. Jun 2016

So einfach ist es nicht, IMHO. Bei SpaceX ist es die Kombination von altbewährten...

Bujin 06. Jun 2016

Der Versicherungspreis einer Falcon 9 ist bei unter 6%. http://spacenews.com/spacex-to...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. DIEBOLD NIXDORF, Neu-Isenburg
  2. Allianz Deutschland AG, Stuttgart
  3. Bechtle Onsite Services GmbH, Neckarsulm
  4. A + F Automation + Fördertechnik GmbH, Kirchlengern


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 88,87€ (nur für Prime-Kunden)
  2. 39,99€ (Release am 16. März)
  3. 325,00€

Folgen Sie uns
       


  1. Wochenrückblick

    Früher war nicht alles besser

  2. Raumfahrt

    Falsch abgebogen wegen Eingabefehler

  3. Cloud

    AWS bringt den Appstore für Serverless-Software

  4. Free-to-Play-Strategie

    Total War Arena beginnt den Betabetrieb

  5. Funkchip

    US-Grenzbeamte können Pass-Signaturen nicht prüfen

  6. Telekom-Chef

    "Sorry! Da ist mir der Gaul durchgegangen"

  7. WD20SPZX

    Auch Western Digital bringt flache 2-TByte-HDD

  8. Metal Gear Survive im Test

    Himmelfahrtskommando ohne Solid Snake

  9. Cloud IoT Core

    Googles Cloud verwaltet weltweit IoT-Anlagen

  10. Schweden

    Netzbetreiber bietet 10 GBit/s für 45 Euro



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Freier Media-Player: VLC 3.0 eint alle Plattformen
Freier Media-Player
VLC 3.0 eint alle Plattformen

Fujitsu Lifebook U727 im Test: Kleines, blinkendes Anschlusswunder
Fujitsu Lifebook U727 im Test
Kleines, blinkendes Anschlusswunder
  1. Palmsecure Windows Hello wird bald Fujitsus Venenscanner unterstützen
  2. HP und Fujitsu Mechanischer Docking-Port bleibt bis 2019
  3. Stylistic Q738 Fujitsus 789-Gramm-Tablet kommt mit vielen Anschlüssen

Razer Kiyo und Seiren X im Test: Nicht professionell, aber schnell im Einsatz
Razer Kiyo und Seiren X im Test
Nicht professionell, aber schnell im Einsatz
  1. Stereolautsprecher Razer Nommo "Sind das Haartrockner?"
  2. Nextbit Cloud-Speicher für Robin-Smartphone wird abgeschaltet
  3. Razer Akku- und kabellose Spielemaus Mamba Hyperflux vorgestellt

  1. Re: Das sagt eine Schlange auch

    Der Held vom... | 09:20

  2. Re: Die Xiaomi-App übermittelt den Standort

    cbug | 09:17

  3. CAT S60 Android Updates

    henrikd@web.de | 09:12

  4. Re: nothern light...?

    b1n0ry | 09:03

  5. Re: Dringende Fragen

    Zibidaeus | 08:46


  1. 09:02

  2. 17:17

  3. 16:50

  4. 16:05

  5. 15:45

  6. 15:24

  7. 14:47

  8. 14:10


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel