Abo
  • Services:

Der Außenseiter machen's anders

Der Bau von Raketen gilt bis heute als rein staatliches Geschäft. Private Firmen gab es immer wieder und sie verschwanden auch immer wieder. Kaum jemand erinnert sich an die deutsche Orbitaltransport und Raketen AG oder die Conestoga-Rakete, die unter anderem von dem Mercury-Astronauten Deke Slayton entwickelt wurde.

Stellenmarkt
  1. BIOTRONIK SE & Co. KG, Berlin
  2. DR. JOHANNES HEIDENHAIN GmbH, Traunreut (Raum Rosenheim)

Das änderte sich mit SpaceX. Nach 30 Raketenstarts ist das private Raumfahrtunternehmen von Elon Musk etabliert und zeigt die Schwächen des alten Modells auf. SpaceX entscheidet selbst, wie die Rakete gebaut wird und optimiert sie konsequent auf niedrige Kosten. Denn Raumfahrt ist zu einem großen Teil einfache, alte Technik. Das Hightech-Image ist eher hinderlich.

Kaum soll ein einfaches Bauteil in einer Rakete verbaut werden, wird es zum Hightech-Produkt. Eine berühmte Anekdote aus der Frühzeit von SpaceX beim Bau der Falcon 1 war der Versuch, elektrische Aktuatoren für ihre Rakete zu bestellen. Der Hersteller machte ein Angebot von 120.000 US Dollar. Elon Musk sagte daraufhin einem seiner Ingenieure: "Das Teil ist nicht komplizierter als ein Garagentoröffner. Dein Budget ist 5.000 Dollar. Mach es." Am Ende hat der Aktuator 3.900 Dollar gekostet und wie gewünscht funktioniert.

Neue Techniken und Bauteile werden im Einsatz stufenweise getestet und dann schnellstmöglich zum Einsatz gebracht. Der Unterschied zu anderen Firmen könnte kaum krasser sein. Der übervorsichtige, konservative Ansatz etablierter Firmen hat sich nicht einmal in einer höheren Zuverlässigkeit ausgezahlt. Trotz aller Befürchtungen, dass die vielen Triebwerke und die ständigen Veränderungen zu einer unzuverlässigen Rakete führen würden.

Von den ersten 25 Starts der Falcon 9 ist nur einer gescheitert. Bei einem weiteren Start ging ein kleiner Satellit verloren, weil die Nasa den Neustart der zweiten Stufe nahe dem ISS-Orbit untersagte. Die Ariane 5 hatte nach 25 Starts bereits zwei gesprengte Raketen zu verzeichnen und zwei weitere, deren endgültige Orbits zu niedrig waren. Aus den zu niedrigen Orbits konnte sich 2001 nur der Testsatellit Artemis mit seinen Ionentriebwerken in die geplante Umlaufbahn retten. Die erfolgreiche Demonstration einer Technologie, die erst 2015 mit einem kommerziellen Satelliten wiederholt wurde.

Gelegenheit zum politischen Neustart

Das hat Eindruck hinterlassen. Für die Entwicklung der Ariane 6 wurden dem Hersteller, Airbus-Safran Launchers, von der Esa keine detaillierten technischen Vorgaben mehr gemacht. Stattdessen werden allgemeine Ziele definiert, die umgesetzt werden sollen. Auf der Ila sprach der Generalsekretär von Airbus-Safran Launchers, Jürgen Ackermann, von einer einmaligen politischen Gelegenheit zur Neustrukturierung und Vereinfachung der Produktion.

Die neue Ariane-6-Rakete soll in ihrer größten Ausbaustufe, mit vier Feststoffboostern, die gleiche Leistung wie die Ariane 5 haben, aber nur noch halb so viel kosten. Sie würde damit die heutigen Preise der Falcon 9 noch etwas unterbieten. Es sollen jedes Jahr doppelt so viele Raketen gebaut und die Fabriken besser ausgelastet werden. Dafür soll die gesamte Produktion der Trägerraketen umgestaltet werden, ein Prozess, der mit Kosten von 4 Milliarden Euro einhergeht, von denen die Esa 2,4 Milliarden bezahlt.

Das Jahr 2020 wird zeigen, ob das Vorhaben gelingt. Dazu gehört auch die kommerzielle Konkurrenzfähigkeit der Ariane 6 ohne Subventionen. Vier sanfte Landungen der ersten Stufe einer Falcon 9 lassen befürchten, dass dieses Ziel im Jahr 2020 schwer zu erreichen sein wird. Aber egal wie das Ergebnis aussehen wird, auch in der Raumfahrt belebt Konkurrenz das Geschäft. Vielleicht wird die Branche so eines Tages wieder dem Bild gerecht, hinter dem sie sich derzeit nur versteckt.

 Politische Vorgaben machen konservative Technik nicht besser
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. beim Kauf ausgewählter Z370-Boards mit Intel Optane Speicher + Intel SSD
  2. und The Crew 2 gratis erhalten
  3. (Neuware für kurze Zeit zum Sonderpreis bei Mindfactory)

bvdb 07. Jun 2016

Guter Artikel. Die Raumfahrt ist zu einer großen Arbeitsbeschaffungs-Anstalt für (alte...

Moe479 07. Jun 2016

während das eine wenigstens zukunftsträchtig sein soll , war das andere von grund auf als...

tritratrulala 07. Jun 2016

So einfach ist es nicht, IMHO. Bei SpaceX ist es die Kombination von altbewährten...

Bujin 06. Jun 2016

Der Versicherungspreis einer Falcon 9 ist bei unter 6%. http://spacenews.com/spacex-to...


Folgen Sie uns
       


Parrot Anafi angesehen

Angucken ja, fliegen nein: Wir waren bei der Vorstellung der neuen Drohne von Parrot dabei.

Parrot Anafi angesehen Video aufrufen
Elektroautos: Ladesäulen und die Tücken des Eichrechts
Elektroautos
Ladesäulen und die Tücken des Eichrechts

Wenn Betreiber von Ladestationen das Wort "eichrechtskonform" hören, stöhnen sie genervt auf. Doch demnächst soll es mehr Lösungen geben, die die Elektromobilität mit dem strengen deutschen Eichrecht in Einklang bringen. Davon profitieren Anbieter und Fahrer gleichermaßen.
Eine Analyse von Friedhelm Greis

  1. WE Solutions Günstige Elektroautos aus dem 3D-Drucker
  2. Ladesäulen Chademo drängt auf 400-kW-Ladeprotokoll für E-Autos
  3. Elektromobiltät UPS kauft 1.000 Elektrolieferwagen von Workhorse

Sony: Ein Kuss und viele Tode
Sony
Ein Kuss und viele Tode

E3 2018 Mit einem zärtlichen Moment in The Last of Us 2 hat Sony sein Media Briefing eröffnet - danach gab es teils blutrünstiges Gameplay plus Rätselraten um Death Stranding von Hideo Kojima.
Ein Bericht von Peter Steinlechner

  1. Smach Z ausprobiert Neuer Blick auf das Handheld für PC-Spieler
  2. The Division 2 angespielt Action rund um Air Force One
  3. Ghost of Tsushima Dynamischer Match im offenen Japan

Deutsche Siri auf dem Homepod im Test: Amazon und Google können sich entspannt zurücklehnen
Deutsche Siri auf dem Homepod im Test
Amazon und Google können sich entspannt zurücklehnen

In diesem Monat kommt der dritte digitale Assistent auf einem smarten Lautsprecher nach Deutschland: Siri. Wir haben uns angehört, was die deutsche Version auf dem Homepod leistet.
Ein Test von Ingo Pakalski

  1. Patentantrag von Apple Neues Verfahren könnte Siri schlauer machen
  2. Siri vs. Google Assistant Apple schnappt sich Googles KI-Chefentwickler
  3. Digitaler Assistent Apple will Siri verbessern

    •  /