Zukunftsaussichten von Tesla: Elon Musk ist wieder da

Spätestens ab Mai wird Elon Musk nur noch ein, vielleicht zwei Tage pro Woche für die Effizienzbehörde Doge aktiv sein. "Die Aufbauarbeit ist erledigt, ich werde wieder deutlich mehr Zeit für Tesla haben," sagte Elon Musk in einer Telefonkonferenz zu den Geschäftszahlen des ersten Quartals 2025.
Das ist auch dringend notwendig. Zwar schreibt Tesla noch Gewinn, doch der ist im Vergleich zum Vorjahresquartal um 71 Prozent eingebrochen. Die Fahrzeugproduktion bei den Massenmodellen 3 und Y liegt mit 362.615 Stück 16 Prozent unter dem Vorjahresquartal.
In der Konferenz wird das größtenteils auf die Produktionsunterbrechungen bei der Umstellung der neuen Version des Model Y geschoben. Weder Elon Musk noch seine Manager sprechen über die Auswirkungen seines politischen Engagements.
"Bald wertvollstes Aktienunternehmen"
Musk gibt sich in der Telefonkonferenz gewohnt optimistisch: "Wir haben noch einige Schlaglöcher vor uns, aber Tesla könnte mit einem guten Management bald das wertvollste Aktienunternehmen sein. So wertvoll wie die fünf folgenden Unternehmen zusammengenommen."
Mit dem guten Management meint er vermutlich sich selbst, denn Elon Musk will CEO von Tesla bleiben und nun wieder mehr Zeit in der Firmenzentrale in Texas verbringen. Aktuell liegt Tesla bei der Marktkapitalisierung (765 Milliarden US-Dollar) auf Platz 11 der Aktienunternehmen. Angeführt wird die Liste von Apple, Microsoft und Nvidia. Auch das Ölunternehmen Saudi Aramco und der Investmentfonds Berkshire Hathaway sind derzeit wertvoller als Tesla.
Autonomie und Robotik
Musk will mit Autonomie und Robotik zurück an die Spitze. Ein kostenpflichtiger Fahrdienst mit einem autonomen Model Y soll im Juni in Austin an den Start gehen. Im Gegensatz zu Uber, wo menschliche Fahrer bezahlt werden, rechnet sich eine Flotte selbstfahrender Taxis schneller.
Anbieter wie Waymo sind Tesla allerdings in puncto Erfahrung voraus. Das Tochterunternehmen von Alphabet absolviert pro Woche rund 200.000 Fahrten in mehreren US-Metropolen (Golem-Erfahrungsbericht hier ). Der Unterschied: Waymo-Fahrzeuge verlassen sich auf HD-Karten sowie ein Sensor-Set aus Kameras, Lidar- und Radarsensoren.
Tesla setzt ausschließlich auf Kameras und auf einen eigenentwickelten Chip inklusive künstlicher Intelligenz. Mithilfe der KI sollen die Kameraaufnahmen zuverlässiger ausgewertet werden, als es die etablierten und teureren Sensoren können. Laut Musk kosten die in Kleinserie umgerüsteten Waymo-Fahrzeuge 80 Prozent mehr als seine Robotaxen. Spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2026 will Musk "Millionen autonome Teslas" auf den Straßen in den USA haben.
''Millionen autonome Teslas und Millionen Roboter''
Künstliche Intelligenz spielt auch bei dem humanoiden Roboter Optimus die entscheidende Rolle. Bis Jahresende sollen Tausende des menschlich wirkenden Roboters in Tesla-Fabriken zum Einsatz kommen. "Bis 2030 werden wir eine Million Optimus pro Jahr ausliefern," ist Musk auch hier extrem optimistisch. Ihm geht es in beiden Bereichen um schnelle Skalierung – Kosten runter, Stückzahlen hoch.
Solides Energiegeschäft
Die Wette ist gefährlich, aber aussichtsreich. Sollte Elon Musk seine Pläne umsetzen, eventuell mit etwas zeitlichem Verzug, könnte Tesla tatsächlich eine führende Rolle bei Robotik und autonomem Fahren übernehmen.
Deutlich solider und ebenfalls vielversprechend ist Teslas Energiegeschäft. Das Unternehmen verkauft seine Batterien in Form von Megapacks an Energieerzeuger. Damit lässt sich das zeitliche Auseinanderfallen von Produktion und Nutzung erneuerbarer Energie überbrücken.
Der Bereich verzeichnet im Jahresvergleich ein Plus von 154 Prozent. Von 4,1 auf 10,4 Gigawattstunden stieg die verkaufte Speicherkapazität. Als "nachhaltigen Wohlstand für alle" beschreibt Elon Musk im Telefonat das Ziel im Energiesektor.
Bei derartigen Aussagen fragt man sich, wie der Unternehmer mit dem US-Präsidenten zusammenarbeiten kann. Die Ziele beider Männer sind im Mobilitäts- und Energiesektor entgegengesetzt.
Leidige Zölle
Bei der Regierungsarbeit kann Musk mitgestalten. Als CEO muss er sich den staatlichen Regularien anpassen. Das gilt für autonomes Fahren und Einfuhrzölle, bei Letzterem sieht sich Tesla jedoch als "am wenigsten betroffener Autohersteller."
Man habe die Lieferketten in China, Europa und den USA weitgehend lokal aufbauen können. "Natürlich wären mir geringere Zölle lieber, aber ich bin nicht der Präsident," sagt Musk knapp.
Zölle bremsen aktuell auch die Expansion von Tesla nach Indien. "Dort machen Zoll und Luxussteuer ein importiertes Auto 100 Prozent teurer," sagt Tesla-Finanzvorstand Vaibhav Taneja. Dennoch gilt der Subkontinent mit einer wachsenden Mittelschicht als attraktiver Markt für Tesla.
Günstigerer Tesla
Mehr Masse fürs Geschäft soll auch ein günstigeres Einstiegsmodell bringen. Die Tesla-Manager sprechen lediglich vom "günstigeren Tesla," ohne einen Modellnamen zu verwenden. "Wir werden noch im Laufe des Jahres mit der Produktion beginnen," sagt Lars Moravy, Vice President Vehicle Engineering bei Tesla. Einstiegspreise um 20.000 US-Dollar könnten etliche Interessenten zum Umsteigen auf ein E-Auto bewegen.
Aktienkurs steigt leicht
Die Tesla-Aktie stieg im frühen Handel nach der Telefonkonferenz um drei Prozent. Noch sind die Investoren vorsichtig. Die Ankündigungen pendeln zwischen Elon Musks bekanntem Größenwahn und vielversprechenden Plänen.
Seit Jahresbeginn hat die Tesla-Aktie 40 Prozent verloren. Doch schaut man auf die vergangenen zwölf Monate, legte das Wertpapier um 63 Prozent zu. Der steile Anstieg im November und Dezember 2024 geht allerdings größtenteils auf die Euphorie der Trump-Wähler zurück und hatte nichts mit Produktionserfolgen zu tun.
Mit Musks Rückkehr in den Chefsessel bei Tesla sollte sich die Kursentwicklung wieder stärker an den Produkten ausrichten. Er geht mit Robotik und autonomem Fahren zwei wichtige Zukunftsthemen an.



