Ende der Windkraft wäre verheerendes Signal an alle
Hinzu kommt der ambitionierte verbleibende Zeitraum für die "Übergangstechnologie" Windkraft. Spätestens in 30 Jahren soll die Kernfusion demnach Strom an unsere Steckdosen liefern. Das entspricht ungefähr der Zeit vom Bau des ersten Kernspaltungsreaktors mit kontrollierbarer Kettenreaktion bis zu den ersten, tatsächlich kommerziell nutzbaren Atomkraftwerken.
Nur dass es einen vergleichbaren Kernfusionsreaktor nicht gibt. In Forschungsanlagen werden die Grundlagen untersucht, aber von der Kontrolle einer Fusionsreaktion ist die Forschung noch weit entfernt. Selbst optimistische Zeitgenossen würden kaum auf bezahlbaren Fusionsstrom vor der nächsten Jahrhundertwende wetten.
Wie wir diese kleine Lücke von 50 bis 60 Jahren in der Stromerzeugung überbrücken sollen, verrät Friedrich Merz leider nicht. In der dritten Kalenderwoche 2026(öffnet im neuen Fenster) zum Beispiel stammte die Hälfte des eingespeisten Stroms in Deutschland aus Windkraft.
Optimistisch bleiben
Wer aber so denkt – der Autor des Bild-Artikels nennt sie Fortschritts-Pessimisten und Umweltschützer -, hat die Chancen der Kernfusion für Deutschland nicht verstanden. Focused Energy(öffnet im neuen Fenster) aus Darmstadt oder Proxima Fusion(öffnet im neuen Fenster) aus München haben längst angekündigt, dass ihre Computergrafiken schon bald als verkleinerte Testanlagen funktionieren könnten.
Wer will da an einer Kraft festhalten, die nachweislich seit 1.400 Jahren(öffnet im neuen Fenster) genutzt wird und die auch in 1.400 Jahren noch zur Energiegewinnung taugen dürfte – dann also, wenn auch das letzte Gramm Deuterium in den weltweit Tausenden Fusionsreaktoren verschmolzen worden ist.
Stand jetzt hat Friedrich Merz mit seiner kuriosen Aussage einem Wirtschaftszweig das Ende prophezeit und einer der verlässlichsten und ältesten Arten der Energiegewinnung den Kampf angesagt(öffnet im neuen Fenster) . Das Vertrauen in eine nachhaltige Energiewirtschaft hat er jedenfalls nicht gestärkt, aber Munition geliefert für alle, die schon immer lieber Abraumhalden, Tagebaugruben, Endlager und Kühltürme am Horizont sehen wollten als sich drehende Windmühlenräder.
IMHO ist der Kommentar von Golem.de [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]