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Zukunft in Serien: Realistischer, als uns lieb sein kann

Ältere Science-Fiction-Produktionen haben oft eher unrealistische Szenarien entworfen. Die guten neueren, wie Black Mirror, Years and Years und Upload nehmen hingegen Technik aus dem Jetzt und denken sie weiter.

Artikel von Peter Osteried veröffentlicht am
In Upload geht es um das digitale ewige Leben.
In Upload geht es um das digitale ewige Leben. (Bild: Amazon)

Insgesamt ist nur wenig von dem, was Science-Fiction sich früher ausgedacht hat, Realität geworden - und das, obwohl die Technologie in den vergangenen gut 30 Jahren enorme Sprünge gemacht hat. Aber manches, das vor Jahrzehnten wie Science-Fiction angemutet hätte und in Film und Fernsehen oder Literatur vorhergesagt wurde, existiert heute.

Man denke nur an ein System wie Alexa oder an smarte Kühlschränke, bei denen man aus der Ferne überprüfen kann, was noch eingekauft werden muss. Man denke an Smartphones, die als handlicher Computer dienen und immer dabei sind, an ein weltumfassendes Internet mit fast allen Informationen der Menschheitsgeschichte und man denke an Entwicklungen, die erst noch greifen werden, wie autarke Automobile.

Die moderne Science-Fiction denkt anhand aktueller Entwicklungen fort, wie das Leben in zehn oder zwanzig Jahren aussehen könnte. Drei Serien sind dabei hervorzuheben: Charlie Brookers bahnbrechende Anthologie Black Mirror (Netflix), Russell T. Davies' verstörendes Years and Years (Starzplay) und Greg Daniels' Upload (Amazon Prime).

Diese Serien machen sich nicht nur Gedanken darüber, wie die Technologie von morgen aussehen könnte, sondern auch, wie ihre Existenz auf das gesellschaftliche Leben wirkt. Das ist per se nichts Neues, sondern Teil der Science-Fiction-DNS, wird aber in diesen drei Serien besonders thematisiert. Eine von ihnen gibt sogar einen Ausblick, wie sich die Coronapandemie auf die kommenden 15 Jahre auswirken könnte.

Schreckliche Gesellschaft: Years and Years

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Years and Years wurde von Russell T. Davies geschrieben, der einigen bekannt sein dürfte, weil er 2005 Doctor Who wiederbelebt hat. Die Serie hat sechs Folgen. Nach jeder findet ein Zeitsprung statt, der das Publikum herausfordert, sich in die neue Situation hineinzufinden. Die Handlung startet im Jahr 2019, im Mittelpunkt der Geschichte steht die Familie Lyons.

Die Grundstimmung von Years and Years ist pessimistisch. Davies erzählt vom Aufstieg einer Populistin, die US-Präsident Donald Trump oder Großbritanniens Premier Boris Johnson nicht unähnlich ist, und von einer Gesellschaft mit faschistoiden Zügen. Es ist eine Gesellschaft mit Flüchtlingskrise und Pandemie - hier eine Affengrippe, die nicht weit von dem entfernt ist, was wir mit Covid-19 erleben.

Davies denkt das weiter: Hier werden Flüchtlinge inhaftiert, sie werden jedoch nicht gegen die Krankheit behandelt. Vielmehr soll die Krankheit für das Immigrationsproblem die "Endlösung" sein - eine Szene mit dem politischen Stab, die an die Wannsee-Konferenz erinnert, wurde von Davies nicht von ungefähr eingebaut.

Das Hamstern von Klopapier hat Davies nicht vorhergesehen, wohl aber den gesellschaftlichen Bruch, der mit der Pandemie einhergeht und der noch forciert wird durch eine Finanzkrise, die Menschen von einem Tag auf den anderen in die Pleite treibt. Es ist eine Krise, die den europäischen Kontinent mit Gewalt überzieht und die alten Fundamente erschüttert - vor allem aber ist es eine, die nach Trump, nach dem Brexit und mitten in der Coronakrise authentischer anmutet, als es einem lieb sein kann.

Wie viel kann eine Gemeinschaft aushalten?

Years and Years befasst sich vor allem mit den großen gesellschaftlichen Umwälzungen: Was passiert, wenn das Finanzsystem zusammenbricht, wenn es eine Vielzahl hoch qualifizierter Arbeitsloser gibt, wenn der Staat so umgekrempelt wird, dass die Mittelschicht immer weiter erodiert, wenn man aufpassen muss, was man sagt. Nachbarn denunzieren einander, ganze Viertel werden abgeriegelt, weil dort arme Menschen hausen, jedwede Form des Zusammenhalts bröckelt.

Davies vergisst aber auch nicht die technologische Komponente. Dass das Handy immer parat ist, weil es im Körper eingebaut ist, ist da noch der kleinste Gedanke. Der Autor befasst sich auch mit Transhumanismus. Als die Tochter ihren Eltern erzählt, sie sei trans, reagieren die erst recht cool. Transgender ist für sie nichts Negatives, sie stehen hinter ihrer Tochter - bis sie erfahren, dass die Tochter nicht transgender ist, sondern transhuman.

"Liebe Eltern, ich bin trans...human"

Das heißt: Die Tochter fühlt sich nicht mehr als Mensch, sie empfindet die Begrenzungen des eigenen Körpers als hinderlich und möchte ganz und gar digital auferstehen. Sie will ihren Geist in die Cloud hochladen lassen, um mehr zu sein als ein Mensch, um das zu werden, als was sie sich fühlt. Das ist technologisch Zukunftsmusik, der Gedanke dahinter bietet aber reichlich Diskussionsstoff. Denn die Vorstellung, dass so etwas eines Tages möglich sein wird, erscheint nicht mehr so abstrus wie vielleicht noch vor ein paar Jahren.

Was hier im Grunde diskutiert wird, ist ein weiterer Evolutionsschritt, der das Menschsein vom Körper entfesselt und zur reinen Essenz werden lässt. Ein faszinierender, vielleicht auch beunruhigender Gedanke, mit dem die neue Science-Fiction-Serie Upload auch gerade spielt.

Abseits der seriellen Science-Fiction gibt es andere Vordenker, die sich mit diesem Thema befassen. Am bekanntesten ist wohl Yuval Noah Harari, dessen Buch Homo Deus - Eine Geschichte von Morgen 2016 erschienen ist. Darin erörtert er in elf Kapiteln, wie der Mensch sich über die letzten 70.000 Jahre entwickelt hat, wie technologische Entwicklung auch eine Evolution mit sich bringt und wie der Moment kommen wird, in dem er die Kontrolle darüber verliert. Das Buch endet mit einer Frage: "Was wird aus unserer Gesellschaft, unserer Politik und unserem Alltagsleben, wenn nicht-bewusste, aber hochintelligente Algorithmen uns besser kennen als wir uns selbst?"

Während Transhumanismus und ewiges Leben in Years and Years nur ein Teilaspekt ist, hat eine andere Serie es zu ihrem Fokus gemacht.

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Das Leben nach dem Tod: Upload 
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demon driver 19. Jul 2020

Gute SF, wie ich sie von "guten SF-Autoren" kenne und erwarte, ist normalerweise eben...

demon driver 18. Jul 2020

Sehr schönes Biuch, in der Tat.

Huanglong 13. Jul 2020

Sich über Konzepte in fiktiven Technologien mokieren. Immer wieder schön. Da muss Ich...

Brent_SST 12. Jul 2020

Dann braucht man eine Corona-App um fliegen zu können, oder einkaufen. Hat Black Mirror...

hpARTIST 11. Jul 2020

Sehr schöner Artikel. Mann sieht, dass der Autor kenntnisreich ist. Der Hinweis auf...


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