• IT-Karriere:
  • Services:

Die Zukunft ist düster: Black Mirror

Black Mirror wurde von dem britischen Produzenten und Autor Charlie Brooker geschrieben. Die Serie birgt eine unglaubliche Menge dystopischer Ideen, denn das Format ist eine Anthologie, das heißt, jede Folge ist in sich abgeschlossen.

Stellenmarkt
  1. Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden (OTH), Amberg
  2. DMK E-BUSINESS GmbH, Berlin-Potsdam,Köln,Chemnitz

Brooker wirft in den einzelnen Folgen einen Blick auf die Welt, wie sie ist, und denkt Entwicklungen technischer, aber auch gesellschaftlicher Natur weiter. Etwa wenn er sich damit befasst, wie das Online-Dating der nahen Zukunft aussehen könnte - ein an und für sich harmloses Thema, das Brooker aber weitreichend vertieft.

Denn die Grundthese seiner Serie ist fast immer, dass der technologische Fortschritt mit einem Verlust von Privatsphäre einhergeht, dass neue Technologien das Menschsein minimieren und beschneiden. Er erzählt dabei nicht - was leicht wäre - vom Überwachungsstaat, sondern bricht die Form der Überwachung sehr viel weiter herunter, bis auf die kleinste Zelle des gesellschaftlichen Lebens: die Familie. Übrigens eine Gemeinsamkeit mit Upload.

Fünf Staffeln gibt es bereits, Netflix ist an einer weiteren interessiert, Brooker arbeitet derzeit jedoch nicht daran. Er sagte kürzlich in einem Interview: "Ich bezweifle, dass die Leute gerade den Nerv dafür haben, Geschichten über einstürzende Gesellschaften zu sehen."

Nicht alle Folgen von Black Mirror befassen sich mit Zukunftstechnologie. Mehrheitlich geht es jedoch darum, Geschichten zu erzählen, die im Hier und Jetzt spielen könnten, aber eben in die nahe Zukunft verlagert sind.

In Black Mirror ist der Mensch in der Regel gläsern - gläserner, als man sich das im Moment vorstellen kann. Das Leben mag durch neue Technologien in mancherlei Hinsicht leichter erscheinen, aber vor allem ist es bequemlicher. Für diese Bequemlichkeit sind schon jetzt die meisten Menschen bereit, Datenkraken reichlich Informationen zu überlassen. Black Mirror potenziert diesen Gedanken und zeichnet eine Zukunft, die für die Spätgeborenen ganz normal sein mag, für den heutigen Menschen aber schon albtraumhafte Züge hat.

Die Folge Das transparente Ich erzählt zum Beispiel davon, dass die Menschen mit einer implantierten Kamera ohne Mühe jede Sekunde ihres Lebens aufzeichnen und die Erinnerungen ansehen können, wann immer sie wollen. Eine rudimentäre Form davon gibt es auch in der Realität. Sie heißt Spectacles von der Firma Snap Inc. und ist eine mit Kameras ausgestattete Sonnenbrille, die zehn Sekunden aufzeichnen kann. Abgespielt werden kann das über das Smartphone.

Mit den Toten sprechen

In der Episode Wiedergänger benutzt eine Frau nach dem Tod ihres Ehemanns eine Vorrichtung, die ihn praktisch wieder zum Leben erweckt, indem Videos, Fotos und Social-Media-Beiträge benutzt werden, um das Essenzielle an ihm so gut wie möglich nachzubilden. Zuerst spricht sie mit ihm nur via Online-Chat, dann übers Telefon, schließlich steht sogar eine lebensechte Version ihres Mannes vor ihr.

Eine solche lebensechte Version von Verstorbenen wird es so bald nicht geben, der Chat hingegen existiert in einer gewissen Form bereits. Es handelt sich dabei um eine Vermengung von Chatbots mit künstlicher Intelligenz und einem Service wie Crystal, der online Daten zu einer Person zusammenträgt und E-Mails und Botschaften so gestaltet, dass sie der Persönlichkeit dieses Menschen nahekommen.

Das mag in der Trauerphase helfen, so wie es heutzutage auch Reborn-Babys tun. Aber was wäre die gesellschaftliche Auswirkung, wenn jeder seine geliebten Toten auf ewig als künstliche Nachbildung haben könnte? Eine interessante Frage, die Brooker zur Diskussion stellt.

Unter Dauerbewertung

Besonders gruselig ist die Episode Abgestürzt. Sie handelt von einer Gesellschaft, in der jeder konstant von außen beobachtet und von anderen bewertet wird. Jeder Mensch trägt dabei Kontaktlinsen, durch die er das Rating der Mitmenschen sehen und sie ebenfalls entsprechend bewerten kann. In Echtzeit gehen die Scores rauf und runter.

Der Stress-Level der Menschen ist entsprechend hoch, weil jede Tat und jedes Wort bedacht werden müssen. Andernfalls droht man, seinen guten Score zu verlieren. Es ist die ultimative Überwachung, die aus dem Zusammenspiel mit den Menschen in der eigenen Umgebung einhergeht. Man ist Teil des Schwarms und hat individuelle Aussetzer gefälligst unter Kontrolle zu halten.

Technologisch ist so etwas derzeit noch nicht umgesetzt, die Hololens von Microsoft mag aber so etwas wie ein Anfang sein. Denn mit ihr kann jeder eine Mixed Reality erleben, in die Cloud- und KI-Dienste einbezogen werden. Um ein Rating geht es nicht - aber ist es undenkbar, dass diese Technologie in diese Richtung gelenkt wird?

Ein System der sozialen Bewertung gibt es ja bereits: nämlich in China, wo Bürger einen Social Score bekommen, der sich danach richtet, ob sie zum Beispiel ihren Kreditverbindlichkeiten nachkommen, Strafzettel fürs Falschparken und andere Delikte erhalten oder Ähnliches. Es geht um soziales Vertrauen - und wer das bricht, hat es künftig schwerer, in den Genuss bestimmter Leistungen zu kommen.

Unter Dauerbeobachtung

Die totale Überwachung nicht durch den Staat oder das System, sondern durch die eigene Mutter zeigt die Folge Arkangel, in der eine Mutter ihrer Tochter einen Chip implantieren lässt, durch den sie sehen und hören kann, was die Tochter macht. Sie kann die biometrischen Daten überprüfen und sogar Dinge ausblenden, die ihre Tochter nicht sehen soll. Der Traum aller Helikopter-Eltern wird in dieser Folge wahr - und er ist der Albtraum all jener, die Wert auf ihre Privatsphäre legen.

Es gibt Techniken, die biometrische Daten aufzeichnen, und Firmen, die bei Sportlern Bewegungen und Gesundheit überwachen, aber zum Glück ist die Dystopie eines Überwachungsstaats durch die Eltern in der Realität noch weit weg. Die Frage ist nur: Wie weit weg? Ab wann macht die Technik die notwendigen Sprünge, um Wirklichkeit werden zu lassen, was hier noch Zukunftsvision ist?

Die Frage stellt sich auch in der Folge Hang the DJ, in der ein Pärchen durch eine intelligente Dating-App zusammengebracht wird. Dafür wurden 1.000 Simulationen durchgeführt, die eine 99,8-prozentige Wahrscheinlichkeit ergeben, dass die zwei ein perfektes Paar werden. Der Schlüssel dazu ist - natürlich -, dass die App eine Vielzahl von Daten über die zu matchenden Personen auswertet, was auch in unserer immer gläserner werdenden Welt nicht unrealistisch ist.

Insgesamt sind die meisten technologischen Entwicklungen, die die Serie darstellt, erschreckend. Weil jede von ihnen ein weiterer Angriff auf die Privatsphäre ist.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Das Leben nach dem Tod: UploadSci-Fi ist in Zeiten des Aufruhrs immer besonders gut 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 11,49€
  2. 6,99€
  3. 59,99€

demon driver 19. Jul 2020

Gute SF, wie ich sie von "guten SF-Autoren" kenne und erwarte, ist normalerweise eben...

demon driver 18. Jul 2020

Sehr schönes Biuch, in der Tat.

Huanglong 13. Jul 2020

Sich über Konzepte in fiktiven Technologien mokieren. Immer wieder schön. Da muss Ich...

Brent_SST 12. Jul 2020

Dann braucht man eine Corona-App um fliegen zu können, oder einkaufen. Hat Black Mirror...

hpARTIST 11. Jul 2020

Sehr schöner Artikel. Mann sieht, dass der Autor kenntnisreich ist. Der Hinweis auf...


Folgen Sie uns
       


    •  /