Zukunft des Autos: "Unsere Elektrofahrzeuge sollen typische Porsche sein"

Vernetzung, neue Antriebe, fahrerlose Autos: Die Autobranche, hierzulande eine Leitindustrie, ist im Umbruch. Wie geht es weiter mit dem Auto? Wir haben auf der IAA Porsche-Entwicklungschef Michael Steiner getroffen und ihn gefragt, was Elektromobilität, vernetztes und autonomes Fahren für Porsche bedeuten.

Ein Interview von veröffentlicht am
Porsche-Entwicklungschef Michael Steiner auf der IAA 2017: Geräusche markentypisch beeinflussen
Porsche-Entwicklungschef Michael Steiner auf der IAA 2017: Geräusche markentypisch beeinflussen (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

In Frankfurt findet derzeit die Internationale Automobilausstellung (IAA) statt, eine der wichtigsten Messen der Automobilbranche. Mobilität verändert sich: Verstopfte Straßen und schlechte Luft machen das Auto weniger populär. Autos werden vernetzt oder brauchen keinen Fahrer mehr: Wie reagieren die Hersteller auf diese Herausforderung? Wir haben auf der IAA Michael Steiner, Mitglied des Vorstands für Forschung und Entwicklung bei Porsche, getroffen und ihn gefragt, wie Porsche darauf reagiert und wie der Porsche der Zukunft aussieht.

Inhalt:
  1. Zukunft des Autos: "Unsere Elektrofahrzeuge sollen typische Porsche sein"
  2. Das Auto wird vernetzt
  3. Der Motor bleibt ein Differenzierungsmerkmal

Steiner hat in München Maschinenbau studiert und dort auch promoviert. Seit 1995 arbeitet er in der Automobilindustrie, zuerst bei Daimler, seit 2002 bei Porsche. Dort war er anfangs Leiter Innovationen und Konzepte und ab 2005 für die Sportlimousine Panamera zuständig, die es seit 2011 mit Hybridantrieb gibt. Seit dem vergangenen Jahr ist der 53-jährige Entwicklungsvorstand bei dem Sportwagenhersteller.

Golem.de: Bei der letzten IAA hat Porsche den Mission E vorgestellt. Eigentlich war das Fahrzeug als Konzept gedacht, doch schon recht bald kam die Ankündigung, das Auto in Serie zu bauen. Vor einigen Wochen hat das Unternehmen bekanntgegeben, in die Formel E einzusteigen: Sieht Porsche in der Elektromobilität die Zukunft des Autos?

Michael Steiner: Auf jeden Fall sehen wir darin eine Zukunft des Autos. Wir sind überzeugt, dass es noch auf Jahre oder sogar Jahrzehnte mehrere Technologien geben wird, die miteinander konkurrieren. Wir bauen deshalb in unserer Produktstrategie auf drei Säulen: Die erste sind traditionelle Verbrennungsmotoren, hochdrehende, sehr emotionale Saug- und Turbo-Motoren. Die zweite Säule stellen unsere neuen Plugin-Hybridantriebe dar, die mehr Fahrspaß, mehr Boost-Power und eine größere rein elektrische Reichweite bieten. Und das dritte große Standbein wird die Elektromobilität sein.

  • Michael Steiner mit einem Porsche 911, hier als Turbo (Foto: Porsche)
  • Die Serie ist das dem Erfolgsmodell von Porsche. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Es gibt sie seit über 50 Jahren. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Ein Porsche soll auch auf einer Rundstrecke eine angemessene Performance zeigen, sagt Steiner. Das Bild entstand wie das vorige beim Stadtparkrennen in Hamburg. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • 2013 präsentierte Portsche den 918 Spyder, ... (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... einen Hybridsportwagen mit knapp 900 PS. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Von dem Auto wurden nur 918 Stück gebaut. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Porsche kann auch rein elektrisch: Der Mission E ... (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... wurde 2015 vorgestellt und soll noch in diesem Jahrzehnt auf den Markt kommen. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Auch ein Porsche mit E-Antrieb werde Emotionen wecken, sagt Steiner. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Porsche war auch immer im Rennsport engagiert, ... (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... unter anderem sehr erfolgreich in Prototypenserien. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Zuletzt mit einem Hybridrenner. Damit ist Schluss: Künftig tritt Porsche ... (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... in der Formel E an (Symbolbild). (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Der Umstieg auf Elektroantriebe ist aber nur eine Herausforderung, sagt Steiner. Der Vernetzung der Autos ist noch wichtiger. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
Michael Steiner mit einem Porsche 911, hier als Turbo (Foto: Porsche)
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Vor zwei Jahren haben wir ein Konzeptauto vorgestellt und noch im selben Jahr entschieden: Wir gehen in die Serienentwicklung dieses Projekts. Inzwischen sind wir mitten in der Erprobung der Prototypen. Bei uns heißen diese Fahrzeuge Baustufen. Wir sind exakt im Terminplan, so dass wir Ende dieses Jahrzehnts solche Autos auf der Straße sehen werden.

Golem.de: Sie sagten, es werde noch Jahrzehnte dauern. Einige Länder denken aber schon darüber nach, Verbrennungsfahrzeuge abzuschaffen.

Steiner: Die Elektromobilität wird nicht nur durch den technologischen Fortschritt, der im Wesentlichen im Fortschritt der Speichertechnik besteht, sondern auch sehr stark regulatorisch vorangetrieben, also durch Zulassungsrestriktionen. Beispielsweise bekommen Sie in Peking schon heute kein neues Kennzeichen mehr für ein konventionell angetriebenes Fahrzeug. Sie müssen entweder Ihr Auto verkaufen oder sich ein sogenanntes New Energy Vehicle kaufen - also ein Plugin-Hybrid-Modell mit einer elektrischen Reichweite von mehr als 50 Kilometern - oder ein vollelektrisches Auto.

Wir sehen aktuell, dass eine Erwartungshaltung erzeugt wird. Das gilt nicht nur für die Elektromobilität, sondern auch für den Dieselmotor: Ab dem Zeitpunkt, ab dem öffentlich darüber diskutiert wird, dass bestimmte Dinge möglicherweise bald nicht mehr erlaubt oder gewünscht sind, verändert sich das Kaufverhalten. Wer in ein Fahrzeug investiert, fragt sich: Wie lange kann ich mein Auto so nutzen, wie ich mir das wünsche?

Natürlich spielt auch die Attraktivität des elektrischen Fahrens eine Rolle: Das ist cool, das ist sehr dynamisch, die Beschleunigung aus dem Stand ist faszinierend.

Golem.de: Stichwort Peking: Kommen die Impulse für den Umstieg aus Ländern, die nicht zu den traditionellen Automärkten zählen?

Steiner: Dieser Trend findet weltweit statt. Die stärksten Impulse kommen aber nicht aus Europa, aus Deutschland, aus Märkten, in denen traditionell eine große Automobilindustrie vorhanden ist, sondern aus China. Der Hauptgrund ist sicherlich die massive Umweltverschmutzung. Die Städte dort müssen handeln, noch stärker als die in Europa.

Aber auch Städte in Europa bauen zunehmend Druck auf oder kündigen Einfahrtbeschränkungen an. Kalifornien etabliert einen Plan, in dem festgelegt ist, in welchen zeitlichen Abständen welche alternativen Antriebskonzepte erwartet werden, um dort zulassungsfähig zu bleiben oder Strafzahlungen zu vermeiden.

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Das Auto wird vernetzt 
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