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Zukunft der LED-Lampe: Was uns erleuchten wird

Lange als Statuslämpchen unterfordert, hat die LED-Lampe begonnen, den Markt zu verändern. Konkurrenz in der Branche durch Startups und neue Konzepte, die Limitierungen der Energiesparlampe zu überwinden, bringen die Chance auf nie dagewesenes Licht.
/ Andreas Sebayang
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Ist die Lampe defekt, werden immer häufiger LED-Leuchtmittel eingesetzt. (Bild: Andreas Sebayang/Golem.de)
Ist die Lampe defekt, werden immer häufiger LED-Leuchtmittel eingesetzt. Bild: Andreas Sebayang/Golem.de

Die Lichtbranche ist im Aufbruch. Vor allem im vergangenen Jahr haben sich LEDs vom Spielzeuglicht in billigen LED-Leisten und Statuslämpchen im Fernseher zu einer ernstzunehmenden und vor allem breit verfügbaren Alternative für fast alle Lichtprobleme entwickelt. Es ist noch gar nicht so lange her, dass es die ersten Retrofit-LED-Leuchtmittel für den Haushalt schafften, 1.500 Lumen Lichtstrom zu produzieren, und damit die klassischen 100-Watt-Birnen ersetzen konnten. Mittlerweile lässt sich sagen: Die meisten Leuchtmittel lassen sich durch LEDs ersetzen - egal ob im Haushalt, im Büro oder auf der Straße. Und die Entwicklung ist noch lange nicht am Ende.

Bericht von der Light and Building zur Zukunft der LED
Bericht von der Light and Building zur Zukunft der LED (05:22)

Auf der vergangenen Messe Light + Building zeigte sich die Lichtbranche im Wandel. Traditionelle Unternehmen der Lichtindustrie konkurrieren mit Neulingen aus dem Halbleitermarkt und mit Startups, die Kunden mit dem richtigen Komponentenmix überzeugen wollen. LEDs werden effizienter und nähern sich besser als andere Leuchtmittel an die optischen Eigenschaften alter Glühlampen an. Doch im Detail hapert es an einigen Stellen. Deswegen geht die Entwicklung hin zu immer ausgeklügelteren Lösungen, die mit der alten Energiesparlampe nicht möglich wären, jedoch teilweise neue Bauformen verlangen. In manchen Bereichen kann dies als Chance verstanden werden - eine Chance auf bisher nicht dagewesenes Licht. Hier hat besonders die OLED-Technik Potenzial.

Die LED spart Energie und ist umweltverträglich. 80 bis 100 Lumen pro Watt sind schon möglich. Lebenszeiten von mehreren zehntausend Stunden versprechen viele Hersteller bei hoher Schaltfestigkeit und voller Helligkeit beim Start. Außerdem entfällt der Quecksilberanteil im Vergleich zu alten Energiesparlampen. Auf seltene Erden kann die LED als Leuchtmittel allerdings nicht verzichten - ein Problem, das auch Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren haben.

Wir wollen einige neue Zukunftsstrategien für das Licht betrachten, die auf LED- und der noch unreifen OLED-Technik basieren. Wer sich für einzelne Vorstellungen interessiert, dem empfehlen wir einen Blick in unser Special zur Light + Building . Die dort vorgestellten Einzelneuheiten werden hier nur am Rande betrachtet.

Retrofit-LED-Lampen ahmen Glühdrähte nach

Ihre großen Vorteile kann die LED vor allem in zwei Bereichen ausspielen: zum einen bei Neukonstruktionen, denen wir uns ab Seite 4 widmen und zu denen auch der Trend zur Wegwerf-LED-Leuchte zählt, bei der Leuchtmittel Teil der Leuchte (umgangssprachlich auch Lampe) sind. Geht das Leuchtmittel kaputt, lohnt sich eine Reparatur nicht. Der derzeitig wichtigere Trend ist jedoch der zweite Bereich: Retrofit. Oder anders formuliert: die LED für Omas Nachttischlampe (eigentlich: Nachttischleuchte).

Gerade für den Retrofit-Bereich eignet sich die LED-Technik als alternativer energiesparender Lichtabgeber, für den nicht die ganze Leuchte ausgetauscht werden muss. Denn eine LED kann sehr klein sein und braucht keine Schlangenform für Mini-Leuchtstoffröhren. Wer sich etwa G4-Sockellampen anschaut, die nichts weiter als eine Halogen-Lampe mit zwei Drahtanschlüssen im Glaskolben sind, kann sich kaum vorstellen, dass das diese Konstruktion mit einer Kompaktleuchtstofflampe (KLL), die umgangssprachlich gerne Energiesparlampe genannt wird, möglich wäre. Hier stößt mangels Miniaturisierung allerdings auch die LED an Konstruktionsgrenzen. Der G4-Sockel ist die kleinste Herausforderung, der sich Lampenhersteller zurzeit stellen.

Für Leuchtstofflampen gab es in der Vergangenheit nur wenige Einsatzbereiche. Halogen-Strahler und Badezimmerbeleuchtung können KLLs zwar ersetzen, brauchen aber viel Platz. Bei LED-Lampen gibt es hingegen schon jetzt Konstruktionen, die schaltfest sind und wenig Platz brauchen. Ein Blick ins Datenblatt der Lampe zeigt schnell, dass eine LED eine bessere, sofort leuchtbare Alternative ist.

Die LED ahmt die Glühbirne nach

Doch der Anwender, der nur mal eben im Supermarkt eine "Birne" kaufen will, liest keine Datenblätter. Er will einfach ein bestimmtes Licht. Gerade im Retrofit-Bereich zeigt die LED großes Potenzial, sowohl Glühlampen als auch Kompaktleuchtstofflampen in weit verbreiteten Sockeln zu ersetzen. E14-Sockel, bekannt für Kerzen- und Tropfenlampen, sind eine der großen Schwächen für KLLs. Die unvermeidliche und hässliche Leuchtstoffschlange wird mit Plastikhauben in Kerzenform verdeckt, die die Form des Lichtgebers mehr oder weniger gut verstecken. Sie sind vor allem matt. Das LED-Leuchtmittel kann sowohl auf eine Schlangenkonstruktion als auch auf eine matte Schale verzichten. Technisch ist eine klare LED-Kerze zwar auch nichts anderes als eine Haube über der eigentlichen Lichtquelle, doch anders als bei der KLL ist zumindest im oberen Bereich der Lampe viel Platz für eine elegante Lichtabgabe vorhanden, wenn sie nicht zu hell leuchten muss.

Praktisch alle namhaften Leuchtmittelhersteller haben sie bereits, die klare LED-Kerze. Sie ahmt den alten Leuchtdraht der Glühlampe im oberen Teil nach. Ein bisschen Platz geht im sockelnahen Bereich der Konstruktion für Kühlung und Elektronik verloren, doch darüber wird mit Lichtleitern und Reflexionen im Leuchtkörper gespielt. Manch LED sieht der klaren Glühlampe damit zum Verwechseln ähnlich und eignet sich gut für den heimischen Kronleuchter, der mit KLLs aus ästhetischen Gründen lieber ausgeschaltet bleibt. Gerade bei den LED-Kerzen unterscheiden sich die Hersteller sehr stark, nicht nur bei der Lichtdarstellung, sondern auch bei der Effizienz. Toshibas klare Kerzen (260 Lumen) benötigen etwa 6 Watt für einen Ersatz von 25-Watt-Glühlampen. Philips schafft fast den gleichen Lichtstrom (250 Lumen) mit 4 Watt und einer eleganteren und wesentlich kleineren Konstruktion. Bei LED-Röhren ist es andersherum. Hier liegt derzeit Toshiba bei der Effizienz mit 100 Lumen pro Watt vor Philips.

Für den größeren E27-Sockel gibt es noch einen anderen Trend. Dort werden die LEDs in Form eines Leuchtdrahts im oberen Teil der Lampe aufgereiht. Gekühlt wird über die Luft und einen Kühlkörper, der die Hitze zusätzlich zum Sockel abführen soll. Das bedeutet allerdings meist schwächere Leuchtmittel. Dafür sind die Kühlkörper nicht so präsent, was teilweise neue Formen der Lichterzeugung ermöglicht. Uns gefällt allerdings die Konstruktion über gute Lichtleiter bisher besser. Die gibt es nicht nur im E14-Sockel, sie finden sich zunehmend auch im E27-Sockel. Philips wird etwa zur Lichtsaison eine neue klare Lampe vorstellen, die den Glühdraht per Lichtleiter simuliert und trotzdem wenig Platz für Kühlung und Elektronik benötigt.

Starke LED-Lampen ersetzen 100- und 150-Watt-Glühlampen sowie Leuchtstoffröhren

Matte Leuchtmittel werden immer stärker. 1.521 Lumen bei 20 Watt elektrischer Leistungsaufnahme beherrscht Philips schon seit einem Jahr und ersetzt damit 100-Watt-Glühlampen. LG will in Kürze nachziehen und hat sogar schon eine Lampe mit 2.542 Lumen (33 Watt) angekündigt, die ebenfalls im September 2014 auf den Markt kommt. Wir konnten uns das futuristisch anmutende 100-Watt-Äquivalent bereits anschauen . Mit zunehmendem Lichtstrom lässt sich leider das große Problem der Kühlung nicht verbergen. Wer über 1.500 Lumen braucht, bekommt eine seltsam aussehende Lampe. Zum Einsatz kommt hier Remote Phosphor(öffnet im neuen Fenster) , eine Technik, die weißes Licht ermöglicht, ohne dass direkt an der Hitzequelle, also der LED, eine Schicht aufgetragen werden muss, die das richtige Licht von der LED wandelt. Allerdings sind auch hier Fortschritte zu sehen. Mit jedem Jahr schaffen es die Hersteller, näher an die matte Glühlampe zu kommen, sowohl beim Aussehen als auch bei der Größe. Philips wird für seine 1.500-Lumen-Lampe bald beispielsweise nur noch 18 Watt elektrische Leistung benötigen.

Mittlerweile sind 800 bis 1.000 Lumen in wenig auffälligen Bauformen möglich. Das deckt die meisten Einsatzbereiche im Heim ab. Wer auf Masse setzt, sprich einfach mehrere schwache Lampen einsetzt, bekommt bereits jetzt zum Teil sehr hübsch designte LED-Leuchtmittel. Alle Hersteller arbeiten an einer weiteren Miniaturisierung, die mit erhöhter Effizienz einhergeht und die Masse des Kühlkörpers reduziert.

Eine ähnliche Entwicklung gibt es bei GU10- und GU5.3-Leuchtmitteln. LEDs mit 60 Grad Abstrahlwinkel sind kein Problem und 35-Watt-Halogenstrahler lassen sich bereits ersetzen, sofern die Infrastruktur, also die Leuchte, das zulässt. Gerade im Niedervoltbereich kann es Probleme geben. Allerdings sieht das Farbenspiel des Reflektors einer Halogenlampe gerade in offenen Leuchtkonstruktionen immer noch besser aus. Auch hier muss die Effizienz erst weiter gesteigert werden, damit auch dies simuliert werden kann, denn derzeit wird ein großer Teil der Halogenstrahler-Bauform MR16 für die Kühlung benötigt.

Dieses Problem zeigt sich insbesondere bei G4-Stiftsockellampen. Die LED-Retrofit-Lösungen benötigen mindestens das doppelte Volumen. Ist der G4-Sockel in enge Reflektoren eingebaut, lässt sich eine LED einfach nicht einbauen. Hier gibt es noch keine Alternative. Doch die Hersteller arbeiten daran. Samsung gab sich auf Nachfrage etwa zuversichtlich, in Zukunft auch die G4-Stiftsockellampen mit LEDs ohne zusätzliches Volumen anbieten zu können.

Bürobeleuchtung steht noch am Anfang

Besonders weit verbreitet sind in Büros Leuchtstoffröhren. Die gibt es von 600 bis 1.500 mm Länge beispielsweise im G13-Sockel. Hier hat die Entwicklung allerdings erst begonnen. Praktisch alle namhaften Hersteller haben zwar bereits T8-Retrofit-Lampen. Manch einer bietet sogar unterschiedliche Helligkeiten in derselben Länge an und spielt damit die Vorteile der LED-Technik aus. Doch funktionieren diese in der Regel nur an konventionellen oder verlustarmen Vorschaltgeräten (KVG/VVG). Derzeit gibt es zwei Ausnahmen, die mit elektronischem Vorschaltgerät funktionieren: Philips Instantfit, das es nur mit 1.200 mm gibt, und Ökotechnics Eluxa-LEDs . Samsung will zur Lichtsaison im September ebenfalls EVG-kompatiblen Röhrenersatz liefern können und Cree hat zumindest für Nordamerika bereits Lampen angekündigt , die sogar einen hohen Farbwiedergabeindex bieten.

Damit ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch andere Sockel bedient werden können. T5-Lösungen fehlen beispielsweise noch und so mancher Deckenfluter mit 2G11-Lampen könnte deutlich weniger Energie mit LEDs aufnehmen. Bis dahin müssen die Hersteller allerdings noch das Problem des fehlenden Rundumlichts lösen. Leuchtstoffröhren strahlen in alle Richtungen Licht ab, LED-Röhren hingegen nur in einem Bereich von 140 bis 220 Grad.

Genau deswegen gibt es aber auch Ansätze für Neukonstruktionen. Wenn es kein Rundumlicht gibt, muss die Leuchte anders konstruiert und der Sockel entsprechend ausgerichtet werden. Daran arbeitet die Industrie bereits.

Neue Sockel für den LED-Lampen-Laden: GH76p, GX16 und die Zhaga-Bücher

Es hat seinen Grund, dass die Technik sich erst jetzt durchsetzt: LEDs reagieren empfindlich auf hohe Hitze, die bei hohen Lichtströmen entsteht. Ein Glühdraht hat damit kein Problem, eine LED hingegen verliert wertvolle Lebenszeit. Es müssen also entsprechend große Kühlkörper in die Konstruktion - ein Problem, das die 20 Jahre alte Status-LED nicht hat. Außerdem braucht die Halbleitertechnik viel Elektronik, um mit Dimmern und der Stromzufuhr kompatibel zu sein. Wer LED-Röhren gesehen hat, weiß es: Sie brauchen am Sockelende erstaunlich viel Platz für die Elektronik, insbesondere wenn sie EVG-kompatibel sind. Dafür haben Röhren nicht das Kühlungsproblem, das in anderen Sockeln vorherrscht.

Die Abkühlung über die Fassung eines E27- oder E14-Sockels alleine reicht beispielsweise nicht aus. Bei typischen Halogen-Strahlersockeln reduziert sich das Potenzial der Abkühlung nochmals, auch weil die Aufnahmefassung als solche je nach Konstruktion der Leuchte sehr eng sein kann.

Um dieses Problem zu umgehen, hat die Industrie bereits Sockel entwickelt. Sie sind auf LEDs ausgelegt und berücksichtigen etwa den erhöhten Kühlbedarf. Toshiba zeigte uns auf der Light+Building beispielsweise Leuchtmittel für den GH76p-Sockel laut dem Zhaga-Buch 6(öffnet im neuen Fenster) . In diesem Sockel wird die Abwärme an der Elektronik vorbei über die Fassung abgeführt - ein deutlich besserer Ansatz, der die Kühlung versteckt. Dazu wurde eine "Thermal Interface Surface" genannte Fläche für die Kühlung definiert. Leuchten mit GH76p-Sockel ermöglichen Lampen mit bis zu 18 Watt thermischer Abgabe. Davon werden 16 Watt über diese Thermalfläche abgeführt. Das Buch 6 ist eines von mehreren Sockel-Büchern(öffnet im neuen Fenster) , die als zukünftige Lösung für austauschbare LED-Leuchtmittel vorgeschlagen werden. Sie sollen die Konstruktion vereinfachen und die Effizienz von LEDs durch das Sparen aufwendiger Kompatibilitätselektronik an der Leuchte weiter verbessern.

GX16 für Röhrenleuchten in Büros

Fast schon in den Bereich der Retrofit-Lösungen fällt der Sockelersatz GX16 für Leuchtstoffröhren-Leuchten, bei dem der LED-Treiber im Unterschied zu Retrofit-LED-Röhren nicht mehr im Leuchtmittel steckt. Bei diesem Sockel geht es einerseits darum, Kompatibilitätsprobleme durch unterschiedliche Vorschaltgeräte zu vermeiden, andererseits darum, Kompatibilität zu wahren. Das Prinzip und bestehende Designs der Röhrenleuchte werden beibehalten, indem der Sockel in einer Leuchte getauscht wird. So kann ohne große Entwicklungskosten eine nahezu baugleiche Leuchte mit einem LED-optimierten Sockel auf den Markt kommen. Die Gefahr von Verwechslungen besteht hier nicht. Im G13-Sockel kann ein falsches Leuchtmittel zur Zerstörung des Leuchtmittels führen.

GX16-Leuchten mit externem LED-Treiber sind noch selten. Die Leuchtmittel sind aber beispielsweise von Lextar in verschiedenen Ausführungen(öffnet im neuen Fenster) schon fertig. Toshiba bietet ebenfalls GX16-LED-Leuchtmittel an ( PDF-Datenblatt(öffnet im neuen Fenster) ). Die GX16-Röhren sind effizienter als Toshibas eigene G13-Retrofit-Röhren. Bei letzteren schafft Toshiba bereits rund 100 Lumen pro Watt. Bei den GX16-Lösungen sind es zwischen 105 und 117.

Die neuen Sockel lösen also verschiedene Probleme. So wird die Umwelt entlastet, weil Leuchte und Lampe nicht mehr aus Effizienzgründen fest miteinander verbunden sind. Die Abwärme und die Nachteile der punktförmigen Lichtausstrahlung werden zudem durch die Sockel direkt berücksichtigt. Die Elektronik lässt sich besser verstecken und in moderne Leuchten integrieren. Die Dimmerkompatibilität ist mit dem dedizierten Neuanfang über LED-Sockel leichter zu erreichen. Smarte Lampen können dank eines Kommunikationskanals im Sockel auf Bluetooth, Zigbee-Router oder gar WLAN verzichten. Die Lampen der Zukunft wechseln ihre Farbe nicht nur der Spielerei wegen. Es gibt bereits Installationen, die die unterschiedlichen Lichtfarben der Sonne zu unterschiedlichen Tageszeiten simulieren. Bis zur breiten Verwendung im Heim oder kleinen Büros wird es allerdings dauern. Derartig intelligente Systeme sind noch im Aufbau.

Lampen werden mit der LED intelligent und wechseln von Warmweiß auf Kaltweiß

Dass Leuchten Potenzial für das intelligente Wohnungen haben, haben schon viele Hersteller erkennt. Bisher sind sie jedoch meist nur Spielzeug für Technikaffine. Richtig ausschöpfen können das Potenzial nur Großinstallationen, die sich erst ab einem gewissen Umfang rentieren und zudem ein Umdenken erfordern. Vor allem Philips ist hier präsent und zeigte etwa seine intelligenten PoE-Leuchten , die ihre IP-Adressen über Lichtsignale an Tablet-Kameras schicken. Der Büroarbeiter kann so das Licht seiner eigenen Lampe bestimmen.

Etwas weiter geht der schon seit einigen Jahren aktiv verfolgte Ansatz der dynamischen Tagesbeleuchtung Healwell(öffnet im neuen Fenster) für Krankenhäuser. Da sich auch die natürliche Beleuchtung durch die Sonne in der Farbe ändert, ahmt Philips dies in Krankenzimmern nach. Das Licht ist kühl am Morgen und warm am Abend. Das soll den Heilungsprozess beschleunigen. Derartig intelligente Systeme könnten langsam in den Büro- oder gar Heimalltag einziehen. Sharp ist auf Komponentenseite längst so weit, farbwechselnde LEDs anzubieten . Sie müssen ihren Weg allerdings noch in mehr Produkte finden.

Und natürlich muss noch das Problem der Ansteuerung gelöst werden. Bisher läuft dies vor allem unter der Kategorie Smart Home, und da gibt es Ansätze über Zigbee, WLAN und Bluetooth. Samsung als einer der wenigen Anbieter zahlreicher elektronischer Geräte arbeitet sowohl an Bluetooth- als auch an Zigbee-Lampen. Diese arbeiten in Kombination mit Staubsaugern oder Klimaanlagen je nach Tagessituation an unterschiedlichen Aufgaben. Geht der Heimbewohner beispielsweise zum Einkauf, wird automatisch das Licht abgeschaltet und der Staubsaugerroboter beginnt mit seiner Arbeit. In nächster Zeit werden solche Hersteller versuchen, eigene Lösungen auf den Markt zu bringen, und die LED wird zu einem Teil dieser Smart-Home-Konzepte.

Nicht nur im Büro oder im Wohnzimmer wird die LED allgegenwärtig sein, wenn es nach dem Willen der Hersteller geht. Auch auf der Straße soll sie überall das Licht verändern.

Neue Felder: Straßenbeleuchtung mit LED und die OLED-Lampe als Experimentierfeld

Alle Hersteller denken darüber nach, wie universell die LED-Technik eingesetzt werden kann. Nahezu jedes Leuchtmittel im Heimbereich und auch im Bürobereich kann nun durch energiesparende LEDs ersetzt werden. In einigen Hallen mutete die Light + Building wie ein Basar für Straßenlaternen an - selbst bei Herstellern, von denen es viele nicht erwarten. Sie versuchten, ein Geheimnis daraus zu machen, inklusive Fotografieverbot auf der Ausstellung.

Toshiba etwa zeigte offen seine dimmbare Straßenleuchten, die zentral gesteuert werden und nur so viel Helligkeit abgeben, wie notwendig oder gewünscht ist. Toshiba sieht hier die Zukunft und will die Gelegenheit nutzen, diesen Markt zu belegen. Städte und Gemeinden sind jedoch sehr konservativ und scheuen hohe Investitionen in eine neue Lichtinfrastruktur. Philips hat sich deswegen "Lighting as a Service" ausgedacht. Es werden nicht nur Leuchten und Lampen verkauft, sondern gleich die gesamte Dienstleistung. Die Anfangsinvestitionen reduzieren sich dabei, und die Kosten werden über die Jahre verteilt an Philips gezahlt. Manch Politiker dürfte sich durch den schnellen Erfolg anlocken lassen, auch wenn er sich für die Zukunft von einem Hersteller abhängig macht.

Im Unterschied zu vielen herkömmlichen Straßenbeleuchtungen sind sie LED-typisch sofort so hell wie gewünscht. Dynamischere Anpassungen, etwa an das Wetter, sind möglich. Herkömmliche strombasierte Beleuchtungen bieten das genauso wenig wie Straßenlaternen, die noch einen Gasanschluss haben.

LEDs im öffentlichen Leben sind an sich nichts Neues. Viele Autohersteller setzen längst auf LEDs für Bremslichter und Tageslichtlampen. Ebenfalls verbreitet sind bereits LED-Ampeln. Sie fallen meist durch extreme Helligkeit am Abend auf. Auch tagsüber sind sie sehr gut erkennbar, und wer im öffentlichen Nahverkehr genauer hinschaut, sieht hier und da auch schon erste Umrüstungen. Wir haben etwa in Wien an einigen Bahnsteigen der U1 bereits LED-Lampen in Röhrenform entdeckt. Die sind von Leuchtstoffröhren kaum zu unterscheiden. Neue Baumärkte in Berlin setzen auch schon auf LED-Panels, verstecken die punktförmige Lichtabstrahlung allerdings nicht, wie wir in einem Baumarkt in Berlin-Halensee gesehen haben. Die Umrüstung auf LEDs läuft also bereits an. Die Industrie entwickelt derweil bereits die nächste Generation der Beleuchtung.

OLED-Lampen als Ergänzung zur LED

OLED-Leuchten, für die es unseren Informationen nach noch keine Sockel gibt, sind der nächste Schritt bei den Leuchtmitteln, der langsam bezahlbar wird. So verlangt Philips für seine Lumiblade-Leuchte mit vier OLED-Quadraten rund 1.000 Euro und schafft damit 4 x 350 Lumen. Für eine Bürobeleuchtung braucht es recht viele dieser Lösungen. LGs OLED-Schreibtischlampe mit gemeinsam 350 Lumen an drei gebogenen OLED-Panels wird vermutlich günstiger als Philips Lumiblade. LEDs schaffen mit kluger Lichtverteilung ebenfalls Flächenlicht. Jedoch benötigt das viel Platz. Die OLED hat hier viel Potenzial. So viel, dass die Nasa bereits erste OLED-Lösungen im All testet(öffnet im neuen Fenster) .

Mit der OLED-Technik wird es voraussichtlich viele neue Einsatzzwecke geben, für die LEDs und ältere Leuchtmittel nicht infrage kommen. Philips sieht etwa gleichmäßig beleuchtete Hinweisschilder als Möglichkeit, die dünnen OLED-Leuchtmittel und ihre Lichtverteilung anzuwenden. Doch OLED-Lampen sind mit 50 Lumen pro Watt noch lange nicht da, wo LEDs bereits sind. Für solche bestimmten Zwecke könnte sich die OLED trotzdem als Alternative anbieten, da es hier nicht um hohe Lichtausbeute geht, doch bis dahin werden noch einige Jahre vergehen. Allerdings bleibt die kürzere Lebenszeit ein Problem. Einen Vorgeschmack bot Toshiba mit seinen OLED-Lampen, durch die der Nutzer von einer Seite hindurchschauen kann . Jedoch zeichnet sich ab: OLED wird eine ergänzende Lösung sein, die LED-Technik aber nicht ablösen. Sie wird in immer weiteren Bereichen eingesetzt, selbst dort, wo sie bisher alte Leuchtmittel nicht verdrängen konnte.

Fazit: LED-Lampen aus ökologischen und ästhetischen Gründen

Gegen den Einsatz von LEDs spricht derzeit wenig. Die Stiftung Warentest bescheinigte LED-Leuchtmitteln bereits vor einem Jahr eine positive Ökobilanz, wenn sie ihre Lebenszeit erreichen(öffnet im neuen Fenster) . Problematisch ist allerdings die Entsorgung. Weder (Kompakt-) Leuchtstofflampen noch LEDs gehören in den Hausmüll. Aus beiden können beim Recycling seltene Erden zurückgewonnen werden(öffnet im neuen Fenster) . Bei Leuchtstofflampen kommt noch ein geringer Quecksilberanteil dazu, der nichts im Hausmüll zu suchen hat.

Die Entwicklung ist jedoch nicht abgeschlossen. Im vergangenen Jahr haben wir bei einigen Leuchtmitteln eine Effizienzverbesserung von 10 Prozent feststellen können. Manch ein Hersteller hinkt bei bestimmten Leuchtmitteln sogar zwei Jahre hinter der Konkurrenz hinterher. In absoluten Wattzahlen macht das wenig aus. Ob ein LED-Strahler im GU5.3-Sockel als 20-Watt-Ersatz nun 4,5 oder 4 Watt Leistung aufnimmt, macht sich finanziell kaum bemerkbar. Die relativen Verbesserungen sind allerdings enorm. Bei bestimmten Bauformen, wie etwa den LED-Kerzen, sind die Unterschiede sogar noch drastischer. Nicht jeder Hersteller erreicht bei jedem Lampentyp hohe Effizienzen. Philips ist bei den LED-Kerzen gut, Toshibas 100 Lumen pro Watt schafft hingegen kaum ein Konkurrent bei den LED-Retrofit-Röhren. Wie weit Lumen-Effizienz gehen kann, zeigt Cree bereits unter Laborbedingungen mit 300 Lumen pro Watt und auch bei der Verbesserung des Farbwiedergabeindexes gibt es noch Potenzial.

Es zeigt sich auch, dass die LED noch nicht ausgereift ist. Die Hersteller kündigen immer neue LED-Leuchtmittel an und nehmen andere wieder vom Markt. Dem Interesse der Kunden tut das keinen Abbruch. Trotz zunehmender Glühlampenverbote durch die EU liegt nicht die klassische Energiesparlampe im Trend, sondern die LED. Das zeigt sich schon dadurch, dass selbst Möbelhäuser wie Ikea konsequent auf LEDs setzen .

Die LED wird alte Lampentypen in Nischen verdrängen, in denen sie bis auf weiteres bleiben werden. Einen Vorteil hat konventionelle Leuchttechnik beim geringen Anschaffungspreis. Für die Kellerleuchte lohnt sich eine LED nicht, und bei besonders kleinen Anwendungen gibt es zu G4- oder GU9-Lampen keine Alternative. G4- und GU9-LED-Lampen sind derzeit noch zu groß - wegen der Elektronik und wegen der Kühlung. Hitze ist für LEDs schädlich, für Glühdrähte nicht. Samsung ließ durchblicken, dass die Miniaturisierung diesen Bereich noch erreichen wird, doch ist dies noch nicht anzusehen.

Zu viele Sockel und Bauformen machen die Entwicklung von LED-Lampen aufwendig

Bei vielen anderen Bereichen ist es ebenfalls eine Zeitfrage. Es geht nicht darum, ob die LED-Technik hier eingesetzt werden kann, sondern ob es sich lohnt. Philips erklärte uns beispielsweise, dass es sicher irgendwann auch für T5-Leuchtstoffröhren (G5-Sockel) LED-Ersatz geben wird. Den Anfang macht Philips bereits genauso wie Ökotechnics, das mit der Instantfit Ledtube beziehungsweise Eluxa LED-Röhren moderne und vor allem EVG-kompatible Ersatzleuchtmittel anbietet, allerdings nur für T8-Röhren (G13-Sockel).

Nicht jeder Hersteller wird für jeden Sockel, von denen es Dutzende gibt, LED-Retrofit-Lösungen anbieten können. Dazu kommen noch die Bauformen, von denen es je Sockel teilweise ebenfalls Dutzende Typen gibt, und natürlich die unterschiedlichen Weißtöne (meist drei: 2.700, 4.000 und 6.500 Kelvin). Der Lampenmarkt ist äußerst unübersichtlich.

LEDs gegen Kompaktleuchtstofflampen

Für den regulären Anwender bleibt die größte Hürde für den Einsatz von LEDs der Preis. In Anbetracht der immer höher werdenden Energiekosten rechnet sich eine LED in vielen Fällen, wenn herkömmliche Leuchtmittel ausgetauscht werden. Beim Austausch von Kompaktleuchtstofflampen alias ESL muss der Anwender rechnen. Häufig wird nicht einmal die Hälfte der Energie gespart - und das auf ohnehin schon niedrigem Niveau.

Eine LED bietet sich auch aus ästhetischen Gründen an, denn weder Lampen noch Leuchten sind reine Gebrauchsgegenstände, sonst würden sich viele Anwender eine eigentlich völlig ausreichende 10-Euro-Feuchtraumleuchte im Wohnzimmer installieren. Wer keine Lust mehr auf Leuchtstoffschlangen oder Halogen-Retrofit-Leuchtmittel im Kronleuchter hat, der greift zur eleganten, stromsparenden LED-Kerze mit schicker Glühdrahtsimulation im Leuchtkörper. Die sieht bei einigen Herstellern sogar besser aus als ein Glühdraht. Besonders hübsch gelingt das Philips. In den nächsten Monaten will der niederländische Konzern auch eine klare Lampe für den LED-Sockel auf den Markt bringen.


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