Defekte Downloads und verwirrende Varianten desselben Standards
Die Bundesdruckerei betreibt etwa eine Webseite(öffnet im neuen Fenster) , auf der man die Rechnungen für die Behörden von verschiedenen Bundesländern einreichen kann. Auf der Startseite findet sich ein Link, der verspricht, Neulingen zu erklären, wie das Ganze funktioniert. Auf der englischsprachigen Version führt dieser Link zu einer 404-Fehlermeldung. Die Bundesdruckerei haben wir bereits vor Wochen darüber informiert, korrigiert wurde der fehlerhafte Link bislang nicht.
Wenn man sich mit dem elektronischen Rechnungswesen beschäftigt, stößt man immer wieder auf Derartiges: defekte Links, Downloads, die nicht funktionieren(öffnet im neuen Fenster) oder zur falschen Datei führen(öffnet im neuen Fenster) , Softwarebeispiele, die nicht funktionieren, oder Informationen auf offiziellen Webseiten, die nicht stimmen. Alles Kleinigkeiten, aber durch die Häufigkeit solcher Probleme bleibt das Gefühl, dass man es mit einem Ökosystem zu tun hat, in dem auf Qualität wenig Wert gelegt wird.
Interessantes erlebt man auch, wenn man versucht, an die Dokumente des europäischen "Standards" EN 16931 zu gelangen. Er wurde, wie erwähnt, von der Standardisierungsorganisation CEN entwickelt und besteht aus mehreren Teilen. Teil eins und zwei sind hierbei kostenlos, die weiteren Teile kosten Geld. Letzteres kann man sicher fragwürdig finden.
Doch auch die kostenlosen Teile zu bekommen, ist nicht ganz einfach. Auf den Webseiten der EU gibt es eine Seite mit dem vielversprechenden Titel Obtaining a copy of the European standard on eInvoicing(öffnet im neuen Fenster) . Doch dort gibt es keine Download-Links.
Die entsprechenden Verweise führen auf die Webseite der CEN, sie sind aber nicht mehr aktuell. Wer den Links folgt, landet nur bei einer Fehlermeldung und einem Verweis auf die Suche der CEN. Auf diesen fehlerhaften Link haben wir die Verantwortlichen bereits vor Monaten hingewiesen, korrigiert wurde er nicht.
Wer es schafft, bei der CEN die entsprechende Seite der Standards zu finden – möglich ist das etwa, wenn man weiß, dass EN 16931 von der Arbeitsgruppe "CEN/TC 434" verfasst wurde -, kann dort die Standards ebenfalls nicht herunterladen. Man wird auf "Sales Points" (Verkaufsstellen) verwiesen und findet dort eine Liste der nationalen Standardisierungsorganisationen, etwa das für Deutschland zuständige DIN.
Im Shop der DIN findet man dann tatsächlich zahlreiche Dokumente zu EN 16931. Die aktuelle von der DIN herausgegebene Version des ersten Teils(öffnet im neuen Fenster) trägt samt Versionsnummer den Titel "EN 16931-1:2017+A1:2019 + AC:2020". (Man könnte anmerken, dass diese Versionsnummern ebenfalls komplizierter als notwendig sind.)
Die deutsche englische Version kostet, die spanische englische Version ist kostenlos
Die deutschsprachige Version kann man kostenlos "kaufen", die englischsprachige Version ist allerdings teuer: 374,80 Euro will man bei der DIN dafür haben. Auch die kostenlosen Teile des Standards kann man bei der DIN nicht einfach herunterladen, man benötigt hierfür einen Account.
Allerdings findet man im Shop der DIN weitere Variationen des ersten Teils von EN 16931. So gibt es ihn etwa auch in einer von der spanischen Standardisierungsorganisation AENOR herausgegebenen Variante(öffnet im neuen Fenster) . Die gibt es wenig überraschend auf Spanisch sowie ebenso auf Englisch. Allerdings erhält man die englische Version des von AENOR herausgegebenen Standards im Shop der DIN kostenlos.
Wer nur auf die kostenlosen Teile des Standards zugreifen möchte, aber keine Lust hat, sich hierfür einen Account zu erstellen, kann sich das auch sparen. Bei der estländischen Standardisierungsorganisation EVS kann man Teil 1(öffnet im neuen Fenster) und Teil 2(öffnet im neuen Fenster) ohne Registrierung herunterladen. Und wer auf die kostenpflichtigen Teile des Standards zugreifen möchte, sollte ebenfalls den Shop aus Estland bevorzugen. Die Preise sind hier deutlich günstiger.
Kuriose Rundungsregeln
Eine weitere Kuriosität in Sachen EN 16931 sei hier ebenfalls erwähnt: Wer versucht, eine standardkonforme Rechnung für einen Bruttopreis von 99,99 Euro mit 19 Prozent Umsatzsteuer zu erstellen, wird daran scheitern. Die europäische Norm sieht für die Ermittlung der Preise Rundungsregeln vor, die bestimmte Preise unmöglich machen.
Bei einem Nettopreis von 84,02 Euro kommt man auf einen Bruttopreis von 99,98 Euro. Ein Cent mehr – 84,03 Euro – und der Bruttopreis landet bei 100,00 Euro. (Auf diesen Sachverhalt hat Raphael Michel in einem sehenswerten Vortrag auf der vom Chaos Computer Club in Darmstadt organisierten Konferenz MRMCD hingewiesen(öffnet im neuen Fenster) .)
Doch wie steht es eigentlich um die Sicherheit bei elektronischen Rechnungen? Egal ob ZUGFeRD oder XRechnung, ob CII, UBL oder EDIFACT, all diese Formate und Syntaxen basieren auf XML.