Zuckerrohr statt Gas: Brasilien testet Ethanol für Reservekraftwerke
Der brasilianische Energieerzeuger Suape Energia(öffnet im neuen Fenster) hat in Zusammenarbeit mit dem finnischen Technologiekonzern Wärtsilä(öffnet im neuen Fenster) den Testbetrieb für einen Generator in Kraftwerksformat gestartet, der Bioethanol verwendet. Die Anlage soll in 4.000 Stunden ihre Praxistauglichkeit nachweisen.
Dafür sind insgesamt 2 Jahre eingeplant, in denen das Material seine Stabilität zeigen muss, insbesondere die Dichtungen. Anschließend könnte die Nutzung von Biokraftstoff für die Stromerzeugung ausgeweitet werden. Laut Wärtsilä entspricht dies den Planungen der brasilianischen Regierung.
So ließen sich schnell reagierende Kraftwerke, ein wichtiger Teil des Energiesystems, mit einem erneuerbaren Energieträger betreiben. Bisher kommen für solche Aufgaben Gasturbinen und Notstromgeneratoren zum Einsatz, die Erdgas oder Diesel benötigen.
Konsequente Nutzung eigener Ressourcen
Mit dem laut Hersteller weltweit ersten Bioethanolmotor zur Stromerzeugung, der in der aktuellen Ausführung etwa 5 Megawatt leisten dürfte, würde Brasilien einen Energieträger ins Stromnetz integrieren, der bestens verfügbar ist. Im Verkehr setzt der südamerikanische Staat wie kein zweites Land auf Bioethanol. Vornehmlich gewonnen wird es aus Zuckerrohr.
So muss Benzin zu 25 Prozent mit Bioethanol gemischt werden, sofern die Ernteerträge dies zulassen. Entsprechend hoch ist die Verfügbarkeit des Brennstoffs.
Sollte wie andernsorts die Elektrifizierung im Straßenverkehr zunehmen, hätte sich idealerweise ein neuer Abnehmer gefunden. Der einfach lagerbare Treibstoff könnte mit einer guten Umweltbilanz an entscheidender Stelle zur Stabilität des Stromnetzes beitragen.
Vergleichbar ist das mit dem Einsatz von Biogas in Deutschland, das allerdings bisher für die Grundlast genutzt wird, aber eigentlich ein idealer Ersatz für Gasturbinen mit Erdgas wäre.
Gefahr der konkurrierenden Nutzung
Während Biogas vornehmlich aus landwirtschaftlichen Abfällen gewonnen wird, besteht bei Bioethanol die Problematik, dass dafür zunächst Zuckerrohr angebaut werden muss. Es besteht daher die realistische Gefahr, dass Flächen für den Lebensmittelanbau durch Zuckerrohr verdrängt werden.
Andererseits ist Strom aus Bioethanol ebenso wie solcher aus Biogas vergleichsweise teuer. Somit gibt es einen ausreichend großen Anreiz, Kraftwerke, die mit Biosprit laufen, nur als letzte Option einzusetzen. Der Bedarf würde sich damit in Grenzen halten.
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