Zu teure Prämien: Kleine Carsharing-Anbieter geben Betrieb auf

Kleine Carsharing-Anbieter können die Versicherungsprämien nicht mehr stemmen – und ziehen sich aus dem Markt zurück. Das berichtete die Süddeutsche Zeitung(öffnet im neuen Fenster) .
Die Stadtwerke Brühl bei Köln beendeten ihr Carsharing-Angebot zum Jahreswechsel 2025/26. Ihre Versicherung kündigte den Vertrag. Ein alternatives Angebot hätte 60.000 Euro gekostet – für sieben E-Autos.
Die Stadtwerke Tübingen stellten Ende November 2025 ihren E-Carsharing-Dienst ein. Das Verhältnis von Aufwand, Kosten und Ertrag sei untragbar. In Schleswig-Holstein zogen sich die Stadtwerke Steinburg zurück. Nach knapp sechs Jahren Betrieb sei die Bilanz negativ ausgefallen, hieß es in dem Bericht.
Auch die Stadtwerke Troisdorf im Raum Köln-Bonn beendeten ihr Angebot. Wirtschaftliche und organisatorische Gründe hätten den Ausschlag gegeben. Die Dienste versorgten jeweils kleinere Nutzergruppen in Regionen, die von großen Anbietern wenig bedient werden.
Große Anbieter weniger unter Druck
Größere Carsharing-Unternehmen scheinen weniger unter Druck zu stehen. Die bundesweit aktive Cambio-Gruppe teilte der Süddeutschen Zeitung mit, ihre Versicherung sei nicht gekündigt worden. Allerdings verzeichneten die Gesellschaften der Gruppe in den vergangenen Jahren teilweise erhebliche Anstiege bei den Versicherungsquoten.
Die BGV Badische Versicherungen aus Karlsruhe, die nach eigenen Angaben rund zwei Drittel der Carsharing-Anbieter in Deutschland versichert, bestätigte, einige wenige schlecht laufende Verträge gekündigt zu haben. In anderen Fällen seien Beitragsanpassungen verhandelt worden.
Stadtwerke scheitern am Schadenmanagement
Carsharing-Flotten verzeichnen generell höhere Schadensraten als private Fahrzeuge. Viele Nutzer fahren selten und kennen die Fahrzeuge nicht. Die Folge sind Unfälle und kleinere Blechschäden, etwa durch Parkrempler. Hinzu kommen Vandalismus und unsachgemäße Nutzung.
Das Schadenmanagement entscheidet über Erfolg oder Misserfolg eines Anbieters. Branchenkenner berichten, dass Stadtwerke, für die Carsharing ein Nebengeschäft sei, damit Schwierigkeiten hätten. Bei kleineren Anbietern seien die Schadenquoten oft sehr hoch. Das führe zu steigenden Prämien und mache einen rentablen Betrieb schwierig.
In einigen Städten versuchen Kommunalpolitiker, neue Angebote zu etablieren. Fürstenfeldbruck in Bayern stellte zehn Fahrzeuge für Carsharing bereit. Nach einer Ausschreibung betreibt der private Anbieter Carsharing-Experten aus Schöngeising das System. Coswig bei Dresden geht ähnlich vor. Dort betreibt der Leipziger Anbieter Teilauto seit 2025 einen Dienst mit wenigen Fahrzeugen.