Zu teuer und unvorbereitet: Massive Kritik am 49-Euro-Ticket
Das 49-Euro-Ticket löst nicht überall Begeisterungsstürme aus. Der Städte- und Gemeindebund hat nach der Bund-Länder-Einigung auf ein 49-Euro-Ticket den Ausbau der Nahverkehrsnetze sowie die Reaktivierung alter Bahnstrecken durch höhere Regionalisierungsmittel gefordert. Ohne diese Maßnahmen gäbe es keine wirkliche Verkehrswende. "Die wirkliche Verkehrswende schaffen wir nur, wenn wir über Jahrzehnte nachhaltig in den flächendeckenden Ausbau von Bussen und Bahnen investieren und auch alte Bahnsteigstrecken reaktivieren", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
"Der Bund muss darüber hinaus aber zusätzliche Mittel zum Ausgleich der Corona-bedingten Verluste sowie der gestiegenen Energiepreise für den ÖPNV zur Verfügung stellen. Andernfalls könnte eine Ausdünnung der Angebote drohen,"so Landsberg.
Die Allianz pro Schiene drängte ebenfalls auf eine Erhöhung der Regionalisierungsmittel, um die Attraktivität des Nahverkehrs zu erhöhen, etwa mit mehr Bussen und Bahnen und dichteren Takten, sagte Geschäftsführer Dirk Flege dem RND.
49 Euro ist für manche Menschen zu teuer
Außerdem gibt es Kritik am Preis des geplanten Tickets. Greenpeace hat eine Umfrage veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster), nach der mehr Menschen das Ticket kaufen würden, wenn es nur 29 Euro kosten würde. Auf Basis der aus den Umfragen gemittelten Kaufbereitschaft addieren sich die möglichen Einnahmen eines 29-Euro-Tickets auf 8,6 Milliarden Euro gegenüber 7,2 Milliarden aus einem 49-Euro-Ticket.
Ricarda Lang, Bundesvorsitzende der Grünen, ging auf die Kritik ein(öffnet im neuen Fenster), nach der das Ticket zu teuer ist: "Deshalb braucht es auf Landesebene Angebote für Grundsicherungsempfänger*innen oder Rentner*innen mit wenig Geld." Der Hartz-IV-Regelsatz sieht aktuell 40,27 Euro im Monat für Mobilitätskosten vor.
Das Thema griff Berlins Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) auf und kündigte ein differenziertes Modell für die Bundeshauptstadt an. Auch die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) will eine weitergehende Regelung. "Für Berlin bleibt weiterhin eine soziale Staffelung unser Ziel: Bus und Bahn für nicht mehr als einen Euro pro Tag", sagte die SPD-Politikerin dem Tagesspiegel(öffnet im neuen Fenster).
Der Sozialverband VdK Deutschland übte ebenfalls Kritik am Preis des Tickets: "Aus Sicht des VdK wäre eine 29-Euro-Lösung eine gute Nachfolge für das 9-Euro-Ticket gewesen. So hätten auch Menschen mit wenig Einkommen weiterhin die Möglichkeit, kostengünstig den ÖPNV zu nutzen", so VdK-Präsidentin Verena Bentele. Außerdem sei es ein Fehler, das Ticket ausschließlich digital anzubieten. "Alle, die kein Smartphone besitzen, werden es nicht nutzen können. Unter ihnen sind viele Menschen mit Behinderungen, Seniorinnen und Senioren, aber auch arme Menschen. Sie werden ausgeschlossen", so Bentele.
- Anzeige Hier geht es zu den Sparpreisen der Deutschen Bahn Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



