Zu hohe Kosten: Fliegendes Teleskop Sofia wird stillgelegt

Die Kosten sind zu hoch und der wissenschaftliche Nutzen zu gering. Deshalb werden Nasa und DLR ihre fliegende Sternwarte nicht mehr weiter betreiben.

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Forschungsflugzeug Sofia: letzter Start in September 2022
Forschungsflugzeug Sofia: letzter Start in September 2022 (Bild: C. Thomas/Nasa)

Zu geringer Nutzen, zu hohe Kosten: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die US-Raumfahrtbehörde National Aeronautics and Space Administration (Nasa) werden das Forschungsflugzeug Sofia stilllegen. Der letzte Flug ist für den Spätsommer geplant.

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Sofia, eine Abkürzung für Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie, ist eine Boeing 747SP, die zu einem fliegenden Teleskop umgebaut wurde. Damit beobachten Forscher in über 10 Kilometern Höhe die Sterne.

Sofia ist ein Gemeinschaftsprojekt von Nasa und DLR: Die Nasa hat das Flugzeug gestellt und zu einem Forschungsflugzeug umgebaut. Das DLR hat das 2,7 Meter große und 17 Tonnen schwere Teleskop entwickelt und in den hinteren Teil des Rumpfes eingebaut. Zur Beobachtung wird eine große Klappe im Rumpf zur Seite geschoben.

US-Akademien fordern Sofias Ende

Die Nasa trägt 80 Prozent der Betriebskosten, die bei 85 Millionen US-Dollar liegen. Die National Academies of Sciences, Engineering and Medicine, die Dachorganisation der US-Wissenschaftsakademien, hatte im vergangenen Jahr in ihrem Decadal Survey gefordert, das Projekt zu beenden.

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Danach seien die Kosten für Sofia zu hoch, die wissenschaftlicher Produktivität hingegen zu gering. Es sei aber keine Möglichkeit gefunden worden, die Produktivität signifikant zu erhöhen. In dem Decadal Survey wird die langfristige Ausrichtung der astronomischen Forschung in den USA festgelegt. Die darin formulierten Empfehlungen "haben für die Nasa eine hohe Verbindlichkeit", sagte Walther Pelzer, Leiter der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR.

Das fliegende Observatorium ist auf Beobachtungen im fernen Infrarot-Spektrum spezialisiert. Es ist oberhalb der Troposphäre im Einsatz, die einen Großteil der Infrarotstrahlung absorbiert. Mit Sofia haben Forscher etwa Erkenntnisse über die Entwicklung von Galaxien und die Entstehung von Sternen und Planetensystemen gewonnen. Zudem konnte 2019 mit Sofia erstmals das Heliumhydrid-Ion astrophysikalisch nachgewiesen werden. Heliumhydrid gilt als das erste Molekül im Universum, das vor knapp 14 Milliarden Jahren entstand.

Sofia ist in Kalifornien stationiert

Sofia ist in Palmdale im US-Bundesstaat Kalifornien stationiert und führt von dort aus auch die Beobachtungsflüge in der nördlichen Hemisphäre durch. Für Beobachtungen am Süd-Himmel wird sie nach Neuseeland verlegt. Es gab aber schon Starts von anderen Orten aus, etwa im März 2022 in Chile.

  • 28. Juni 2014: Sofia ist auf dem Hamburger Flughafen für den D-Check eingetroffen. (Foto: Jan Brandes/Lufthansa Technik)
  • Sofia eine eine zum Forschungsflugzeug umgebaute Boeing 747SP, die in Kalifornien stationiert ist. (Foto: Nasa)
  • Im Rumpf ist ein Infrarot-Telekop eingebaut, mit dem Forscher in 12 Kilometern Höhe den Himmel beobachten. (Foto: C. Thomas/Nasa)
  • Hinter dem Tor, das wird um den Rumpf herum aufgefahren wird, sitzt das Teleskop. (Foto: Tony Landis/Nasa)
  • Es ist an einem schweren Druckschott aufgehängt. (Foto: Tony Landis/Nasa)
  • Das Schott trennt die Teleskop-Cavity von der Kabine, in der sich Mannschaft und Wissenschaftler aufhalten. (Foto: Tom Tschida/Nasa)
  • Derzeit wird das Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie in Hamburg generalüberholt. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Betrieben wird das Forschungsflugzeug vom DLR und der Nasa. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Die Form des Rumpfes wurde für das Tor verändert - damit kein Ton wie bei einer Querflöte entstehe, sagt Heinz Hammes vom DLR. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Nicht auf den ersten Blick erkennbar: Das Gerüst umhüllt das Seitenleitwerk. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Die Boeing 747 lagert auf einem Gerüst. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Denn das Fahrwerk ist abmontiert, ebenso die Triebwerke. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Drinnen ist alles ausgeräumt. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Sie hätten abgemacht, was man abgemacht werden könne, sagt Andreas Britz von Lufthansa Technik. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Sogar das Cockpit wurde ausgeräumt - dort muss ein Spant ausgetauscht werden. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Im Rumpf: Hinter dem Gerüst ist das Druckschott zur Cavity zu erkennen. Es ist die runde blaue Struktur. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das Teleskop - das "Allerheiligste des Sofia-Observatoriums", sagt Alfred Krabbe vom Deutschen Sofia Institut (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Blick von innen auf das Schiebetor. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Die Arbeiten sollen bis Mitte November 2014 andauern . Danach soll Sofia wieder fast wie neu sein. (Foto: Nasa)
28. Juni 2014: Sofia ist auf dem Hamburger Flughafen für den D-Check eingetroffen. (Foto: Jan Brandes/Lufthansa Technik)

Auch in Deutschland war das Flugzeug schon unterwegs, etwa 2021 in Köln oder 2019 in Stuttgart. 2014 besuchte Golem.de das Flugzeug, als es bei Lufthansa Technik in Hamburg einer Grundüberholung unterzogen wurde.

Das Forschungsflugzeug ist seit 2010 im Einsatz und auf eine Einsatzdauer von 20 Jahren ausgelegt. Bisher hat es rund 800 Flüge absolviert. Zu ihrem letzten Forschungsflug soll Sofia im September dieses Jahres starten.

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