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ZTE Nubia Z9 im Hands on: Das Smartphone mit dem Rubbelrand

Ifa 2015
Das Display von ZTEs Topsmartphone Nubia Z9 hat im Grunde keinen Rahmen am linken und rechten Rand: Der Bildschirm geht bis zum Rahmen. In einem ersten Kurztest hat Golem.de die in den Rand eingebauten Wischgesten ausprobiert – mit unterschiedlichen Ergebnissen.
/ Tobias Költzsch
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Das Nubia Z9 von ZTE (Bild: Michael Wieczorek/Golem.de)
Das Nubia Z9 von ZTE Bild: Michael Wieczorek/Golem.de

ZTE hat sein aktuelles Topsmartphone Nubia Z9 auf der diesjährigen Ifa in Berlin gezeigt. Das Smartphone gehört technisch gesehen zur Oberklasse, auffälligstes Merkmal ist aber das randlose Full-HD-Display: Der Bildschirm geht bis zum Rahmen des Smartphones, was bisher kaum ein Gerätehersteller anbietet.

ZTE Nubia Z9 – Hands on (Ifa 2015)
ZTE Nubia Z9 – Hands on (Ifa 2015) (02:34)

Neben den optischen Aspekten hat das 5,2 Zoll große Display noch eine weitere Funktion: Mit Wischgesten können Nutzer verschiedene Funktionen des Smartphones steuern. So können wir beispielsweise mit einem Wisch nach oben am rechten Displayrand den Musikplayer starten, ein Wisch nach unten öffnet die Kontakte-App. In den Einstellungen können die zu startenden Programme ausgewählt werden.

Die gleichen Wischgesten kann der Nutzer auch noch auf der linken Seite des Displays durchführen, so dass sich insgesamt bis zu vier Apps auf diese Weise starten lassen. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, mit einem Wisch die zuvor genutzte Anwendung aufzurufen – auch diese Geste kann sich der Nutzer wahlweise auf den linken oder rechten Rand legen. Eine weitere alternative Funktion ist das Beenden aller im Hintergrund laufenden Anwendungen; hierfür muss der Nutzer den Displayrand rubbeln.

Doppelwischgeste im Alltag etwas unpraktisch

Mit einer Wischgeste über den linken und rechten Rand gleichzeitig kann der Nutzer wahlweise die Lautstärke erhöhen und verringern oder die Bildschirmhelligkeit regulieren. Wie die anderen Gesten funktioniert auch dies zuverlässig, allerdings empfinden wir diese Geste im Alltag als eher unpraktisch. Zudem ist die Lautstärkeregulierung auf diese Weise eher unsinnig, da dies mit der Lautstärkewippe deutlich schneller geht.

Auch Entsperren lässt sich das Nubia Z9 über die Displayränder, zumindest in der Theorie: Dafür wird das Smartphone in der Hand gedrückt. Die so auf die Displayränder greifenden Finger sollen zur Identifizierung verwendet werden. Wir scheitern allerdings schon an der Registrierung: Dem Nubia Z9 gelingt es bei uns einfach nicht, zuverlässig zwei Mal hintereinander einen gleichen Abdruck zu erfassen, der dann als Entsperrmuster verwendet werden kann. Als es dann einmal funktionierte, gelang es uns nicht, das Smartphone tatsächlich zu entsperren. Möglicherweise verbessert ZTE diese Funktion noch, im aktuellen Zustand halten wir sie für nutzlos.

Hardware im Topbereich

Neben dem innovativen Displaykonzept bietet das Nubia Z9 eine Tophardware: Im Inneren arbeitet ein Snapdragon 810 mit vier 1,5-GHz-Kernen und vier 2-GHz-Kernen, der eingebaute Flashspeicher ist wahlweise 32 oder 64 GByte groß. Je nach Speichergröße beträgt der Arbeitsspeicher entweder 3 oder 4 GByte. An Netzwerken werden Quad-Band-GSM, UMTS und LTE unterstützt, Nutzer können zwei Nano-SIM-Karten verwenden. Alternativ nimmt einer der beiden SIM-Slots auch eine Micro-SD-Speicherkarte auf. WLAN beherrscht das Smartphone nach 802.11ac, Bluetooth läuft in der Version 4.1, ein GPS-Empfänger und ein NFC-Chip sind eingebaut.

Ob der verbaute Snapdragon 810 auch im Nubia Z9 zu einem sehr warmen Gehäuse führen wird oder ob ZTE ihn gut abschirmen konnte, ließ sich in unserem ersten Test nicht feststellen. Ob das SoC auch im Nubia Z9 nach verhältnismäßig kurzer Zeit seine Leistung aufgrund der Hitzeentwicklung drosselt, wird sich erst in detaillierten Benchmark-Tests klären lassen.

Schwerer Brummer

Als wir das Nubia Z9 das erste Mal in die Hand nahmen, waren wir vom Gewicht überrascht: Mit 192 Gramm ist das Smartphone verhältnismäßig schwer, was an der Display-Rand-Technologie liegen könnte. Dank der guten Verarbeitung empfinden wir das Gewicht letztlich aber als nicht störend, es trägt in gewisser Weise zu einem Gefühl von Hochwertigkeit bei.

Die Kamera auf der Rückseite hat 16 Megapixel, die Frontkamera eignet sich mit 8 Megapixeln gut für Selbstporträts. ZTE stellt für seine Kameras eine Reihe von verschiedenen Aufnahmemodi zur Verfügung: Diese reichen von einer Panoramafunktion und einem HDR-Modus bis hin zu zahlreichen optischen Effekten wie Farbtönungen oder einem Fisheye-Modus. Die Effekte werden direkt im Sucherbild eingeblendet. Alle Modi sind nicht nur über die Kamera-App erreichbar, sondern über eine extra Seite des Homescreens direkt aufrufbar. Die Bildqualität der Hauptkamera macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck, Genaueres kann erst ein detaillierter Test zeigen.

Android 5.0.2 mit eigener Benutzeroberfläche

Als Betriebssystem verwendet das Nubia Z9 Android in der Version 5.0.2, worüber die Benutzeroberfläche Nubia UI 3.0 installiert ist. Eine App-Übersicht hat diese nicht, wie bei iPhones oder auch der Huawei-Oberfläche Emotion UI werden alle neuen Apps auf dem Startbildschirm abgelegt. Inwieweit ZTE bei den Anpassungen bezüglich der Gestensteuerung für das Nubia Z9 zeitnah Updates anbieten kann, ist etwas fraglich.

In unserem kurzen Test lief das System flüssig, allerdings war die Benutzeroberfläche noch keine finale Version. Dies war anhand des Sprachengemischs sichtbar: Englische und deutschsprachige Menübeschriftungen wechselten sich ab, was in einer finalen Version sicherlich nicht mehr so sein wird.

ZTE hat Golem.de auf Nachfrage gesagt, dass die Markteinführung des Nubia Z9 in Deutschland noch vor dem Ende des Jahres 2015 erfolgen könnte. Einen genauen Preis konnte uns der Hersteller noch nicht sagen; die Preisspanne 500 bis 550 Euro soll aber realistisch sein.

Fazit

ZTE wagt sich mit dem Nubia Z9 an ein neues Bedienkonzept: Die Touch-Gesten am Displayrand haben in unserem Test bis auf eine Ausnahme gut funktioniert und können die Benutzung durchaus erleichtern. Die Doppelgeste hingegen halten wir für im Alltag wenig praktikabel, da es einfach umständlich ist, etwa mit dem Zeigefinger und dem kleinen Finger gleichzeitig über die Bildschirmränder zu wischen.

Das Display ohne Rahmen sieht gut aus, die Displayqualität insgesamt gefällt uns gut. Der Preis für die Bauweise scheint ein merklich dickeres und schwereres Smartphone zu sein, was uns nach kurzer Zeit aber im Grunde nicht mehr stört. Im Gegenteil: Durch das Gewicht und die gute Verarbeitung fühlt sich das Nubia Z9 hochwertig an.

Von der Hardware gibt es im Grunde nichts am Nubia Z9 auszusetzen – wie sich der Snapdragon 810 schlägt, wird ein detaillierter Test zeigen müssen. Sollte ZTE das Smartphone zu einem Preis nahe der 500-Euro-Grenze nach Deutschland bringen, stellt es eine innovative Alternative zu anderen Topgeräten dar.


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