Merkwürdiges Pro-Modell
Der Umstieg auf Zorin OS wird auf der Homepage des Projekts möglichst einfach gemacht. Direkt auf der ersten Seite kann ich die benötigten Installationsdateien herunterladen. Allerdings bemerke ich hier auch einige fragwürdige Designentscheidungen und sogenannte Dark Patterns. Die Zorin Group will mich direkt vor dem Download von der zuvor erwähnten Pro-Edition überzeugen.
Deshalb werden einige Elemente prominenter gestaltet als andere. Ich musste mehr als einmal aufpassen, nicht auf die falsche Schaltfläche zu klicken. Das hinterlässt einen etwas schlechten Beigeschmack, den das OS eigentlich nicht nötig hätte.
Denn: Ich würde mich selbst zwar nicht als kompletten Anfänger bezeichnen, da ich vor vielen Jahren schon mit Linux beruflich zu tun hatte. Allerdings halte ich die Ersteinrichtung von Zorin OS auch aus Anfängerperspektive für sehr gelungen. Ich würde auch kompletten Linux-Neulingen zutrauen, das Betriebssystem zumindest zum Laufen zu bringen.
Schnelle Installation
Dabei hilft eine angepasste Version des bei Ubuntu bekannten Installers. Hier wähle ich diverse Parameter wie Standort, Sprache und Tastaturlayout aus, erstelle mein Userkonto und kann auch direkt Updates herunterladen – so weit, so Windows. Auffällig ist dabei, wie wenig nervige Fragen das Linux-OS stellt, wenn ich es zum ersten Mal einrichte. Diagnosedaten werden hier nicht ohne Grund gesammelt. Das ist sicher ein gutes Argument für den Umstieg von Windows.
Da Zorin OS auf Ubuntu und demzufolge auch auf Debian basiert, konnte das OS auch diverse Systemtreiber für meinen Laptop als Testlabor finden. Ich habe es mir aber auch recht einfach gemacht und mich für den Framework Laptop 13 mit AMD Ryzen AI 300 entschieden. Die Treiber liegen direkt im Kernel und konnten von Zorin OS auch gleich gefunden werden. Framework ist zudem dafür bekannt, Linux offiziell zu unterstützen und aktiv an der Kompatibilität mitzuarbeiten.
Da kommt der Linux-Effekt
Überrascht hat mich trotzdem, dass Zorin OS auf Anhieb und in nur wenigen Minuten installiert war. Ich merkte allerdings kurz darauf eine Anomalie: Der Netzwerkadapter lief nur sehr langsam und Updates und Downloads dauerten ewig.
Ich erinnerte mich aus meinen kurzen Begegnungen mit Linux noch an die Paketverwaltung. Die dürfte auch Windows-Usern mit etwas mehr Erfahrung bekannt vorkommen. Schließlich hat Microsoft ein ähnliches System für Windows 11 eingeführt.

Ich dachte mir also: Sicher hat der Installer einen fehlerhaften Treiber für meine Netzwerkkarte installiert. Mittels Apt update wollte ich nach einer neuen Version suchen. Allerdings verweigerte sich der Dienst dem Download, da die enorm langsame Internetgeschwindigkeit zu einem Timeout führte.
Da half nur noch eins: An einem anderen (ironischerweise mit Windows ausgestatteten) Computer suchte ich nach Rat im Internet. Nach relativ langem Suchen und einigen Stunden Frust später konnte ich dann eine mögliche Lösung finden. Offenbar lief der Netzwerkadapter im falschen Energy-Saving-Modus.
Ich folgte also der Anleitung eines Users, der ein ähnliches Problem auf seinem Dell XPS feststellen konnte. "Das scheint ein ziemlich gängiges Problem zu sein", schreibt die Person im Thread auf Ask Ubuntu(öffnet im neuen Fenster). Der ist wohlgemerkt schon seit mehr als drei Jahren online. Innerhalb der Kommandozeile öffnete ich also die Datei Default-Wifi-powersave-on.conf, die Teil des Netzwerk-Managers ist.
Für das Aufrufen der Datei innerhalb der Kommandozeile bietet sich etwa der Nano-Editor an. Nachdem ich den darin gespeicherten Wert von 3 auf 2 geändert hatte, konnte ich auch vernünftige Downloadgeschwindigkeiten erreichen.
Dinge, die ich in Windows nie sehe
Das ist ein Problem, das ich unter Windows wohl niemals zu Gesicht bekommen würde. Es ist auch ein Symptom für Linux als Ganzes. Entscheide ich mich für Zorin OS oder eine andere Linux-Distribution, muss ich auch auf Probleme gefasst sein, die mehr oder weniger viel Einarbeitung erfordern.
Es ist zudem von Vorteil, das Konzept von Zugriffs-, Änderungs- und Leserechten zu verstehen. Linux-Betriebssysteme wie Zorin OS sind nämlich ab Werk restriktiver als etwa Windows. So kann ich etwa einige externe Laufwerke nicht einfach anstecken und beliebig Dateien transferieren. Hier muss ich erst Nutzungsrechte ändern oder mich stets als Administrator identifizieren. Dafür ist bei Windows meist nur ein Klick auf den OK-Button nötig.
Einige Vorurteile sind aber zumindest zum Teil nicht mehr zutreffend. So kann Linux mittlerweile bei vielen Games so gut wie Windows genutzt werden.
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