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Zoox ausprobiert: Durch Las Vegas in Jeff Bezos' autonomem Taxi

CES 2026
In Las Vegas hat die Amazon-Tochter Zoox pünktlich zur CES ihre Robotaxis auf die Straßen geschickt. Wir sind mit dem autonomen Taxi gefahren.
/ Tobias Költzsch
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Unser Zoox kurz nach der Ankunft am Abholpunkt (Bild: Martin Wolf/Golem)
Unser Zoox kurz nach der Ankunft am Abholpunkt Bild: Martin Wolf/Golem

Direkt auf dem Weg vom Flughafen in Las Vegas zu unserem CES-Hotel sind uns aus unserem normalen Taxi mit Fahrer die merkwürdigen kleinen Autos aufgefallen: kantige Kisten, die von vorn wie hinten gleich aussehen und kein Lenkrad haben. Die Passagiere sitzen einander auf zwei Bänken gegenüber, an beiden Seiten sind große Schiebetüren eingebaut.

Es handelt sich um autonome Robotaxis von Zoox, einem seit 2020 zu Amazon gehörenden Unternehmen, das fahrerlose Taxis entwickelt. Im September 2025 bekam Zoox(öffnet im neuen Fenster) die Erlaubnis, in Las Vegas seine autonomen Autos fahren zu lassen – jetzt, zur CES sind sie nahezu überall auf dem Las Vegas Strip zu sehen.

Die Fahrzeuge sind von Zoox als selbsttätig fahrende Taxis entwickelt worden und ähneln früheren autonomen Taxis: Sie sind mehr oder weniger rechteckig und haben keine erkennbare Front- oder Rückseite. Zusammen mit den beiden gegenüberliegenden Sitzbänken ergibt sich ein symmetrisches Bild, das sich komplett von herkömmlichen Autos unterscheidet.

Design der Zoox-Taxis ist sinnvoll

Das finden wir durchaus sinnvoll: Ein Robotaxi muss nicht wie ein normales Auto aussehen, da es keinen Fahrer und in der Regel auch keinen Verbrennermotor gibt. Auch hinsichtlich des Platzangebots ist das Design sinnvoll. Die Autos sind als Fortbewegungsmittel innerhalb der Stadt konzipiert und legen den Fokus auf Komfort und Platz für die Passagiere, weniger auf Platz für viel Gepäck. Zoox unterscheidet sich in diesem Punkt stark von der Konkurrenz wie Waymo, die umgerüstete Jaguar E-Paces verwenden.

Zoox Robotaxi Probe gefahren
Zoox Robotaxi Probe gefahren (03:16)

Wir haben uns also die Zoox-App auf ein Pixel-Smartphone mit US-Google-Konto heruntergeladen und sind durchs abendliche Las Vegas gefahren. Das Konzept hat uns gefallen: Die Fahrt ist komfortabel, mit Extras wie Musik und einem LED-Sternenhimmel, und fühlt sich vertrauenswürdig an – ein nicht unerheblicher Faktor bei autonomen Taxis.

Gerufen wird ein Zoox über die App; in der Testphase sind die Fahrten kostenlos, was erklärt, weshalb wir 25 Minuten auf unser Robotaxi warten mussten. Vor allem während der CES scheinen Fahrten im Zoox sehr gefragt zu sein. Ursprünglich wurde uns sogar eine Wartezeit von 47 Minuten angezeigt, ein Kunde vor uns ist aber offenbar nicht rechtzeitig erschienen, weshalb das Auto schneller als geplant bei uns war.

Aktuell nur wenige ausgewählte Haltepunkte

Die Zoox-Autos warten nämlich nur drei Minuten an den Haltepunkten, von denen es aktuell nur eine Handvoll gibt, und fahren dann weiter. Wir können nicht einfach eine Adresse eingeben, sondern müssen aus den verfügbaren Haltepunkten wählen. Unser Hotel ist praktischerweise ein Haltepunkt, unser Ziel hingegen war es nicht. Entsprechend haben wir den nächstmöglichen Halt gewählt und sind dann zu Fuß gegangen.

Das ist etwas umständlich, aber aktuell traut sich Zoox offenbar nicht, weitere Ziele mit den Autos anzufahren. Das ist verständlich, sind die Haltepunkte in der Regel doch die Rideshare-Pick-ups verschiedener Hotels, an denen in der Regel starker Verkehr ist.

Wir konnten zudem beobachten, dass die Zoox-Autos Probleme in den Pick-up-Zones hatten, was vor allem am Fahrverhalten der menschlichen Fahrer in den anderen Autos lag. Zoox will die Anzahl der Haltepunkte in Zukunft aber erhöhen. Immer wieder konnten wir in Las Vegas Vermessungsfahrzeuge von Zoox entdecken, die von menschlichen Fahrern durch die Stadt und vor allem auch durch die Pick-up-Zonen der Hotels gefahren wurden.

Einsteigen ist zunächst etwas umständlich

Nachdem unser Zoox in der Pick-up-Area unseres Hotels angekommen war, musste es zunächst schauen, wo es uns einsteigen lassen kann. Das erschien uns etwas umständlich, hielt das Fahrzeug doch zunächst direkt vor uns, nur, um dann bis ans Ende der Einsteigezone zu fahren. Diesen Ort hat das System als guten Ort zum Einsteigen empfunden, woraufhin uns die App mitgeteilt hat, dass wir nun einsteigen können.

Die Türen können erst dann über die App geöffnet werden. Insgesamt finden wir die App sehr übersichtlich und leicht zu verstehen: Uns wird gesagt, was wir wann zu tun haben. Das setzt sich auch im Inneren des Zoox fort, wo wir darauf hingewiesen werden, uns anzuschnallen und die Türen zu schließen.

Der Innenraum ist geräumig, was angesichts der Kastenkonstruktion des Zoox nicht überrascht. Die Sitzbänke sind aus einem abwischbaren Kunststoffmaterial, aber gut gepolstert und mit einer Kopfstütze versehen, so dass wir bequem sitzen.

Die Türen schließen wir über ein kleines Display; jeder Sitzplatz hat einen solchen Bildschirm. Erst, wenn alle Passagiere angeschnallt sind, können wir die Fahrt per Knopfdruck starten – das Zoox fährt nicht einfach so los. Es fädelt sich anschließend in den abendlichen Verkehr in Las Vegas ein und kommt überraschend flink voran.

Zoox hält gut mit dem Verkehr mit

Das Auto reagiert gut auf den umliegenden Verkehr und hält einen ausreichend großen Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen ein. Dadurch kann das Zoox auch dann reagieren, wenn ein Fahrzeug in die Spur einschert, was in Las Vegas sehr häufig passiert. Das Auto fährt im Rahmen der erlaubten Geschwindigkeiten und ist dementsprechend kein Verkehrshindernis – zumindest nicht für Verkehrsteilnehmer, die sich an die Geschwindigkeitsregeln halten.

Bremsvorgänge erfolgen in vorhersehbaren Situationen sanft, die Fahrt ist entsprechend nicht ruckelig. Insgesamt ist unser Eindruck, dass das Zoox die Verkehrssituation gut im Blick hat, wenngleich wir das nicht anhand eines Überwachungsmonitors oder Ähnlichem überprüfen können: Da das Fahrzeug kein Steuer und kein Armaturenbrett hat, haben wir während der Fahrt keinerlei Informationen zu den Fahrparametern.

Das dürfte so gewollt sein, was auch den Sichtschutz nach vorn und hinten erklärt. Wir vermuten, dass Zoox die Insassen möglichst vom Verkehr außerhalb abschirmen will, um zu verhindern, dass sich die Kunden Sorgen machen. Das funktioniert gut – wir haben uns während der Fahrt nicht unsicher gefühlt, obwohl das Zoox zwischendrin schnell gefahren ist und zahlreiche neuralgische Punkte der Stadt mit viel Verkehr passiert hat.

Komfortabler Innenraum mit Klimazonen und Musik

Eine Garantie für fehlerfreies Fahren gibt es bei autonomen Fahrzeugen natürlich nicht, da ist auch Zoox keine Ausnahme. Im April und Mai 2025 kam es zu Unfällen im Testbetrieb, woraufhin der Betreiber die Software überarbeitet hat.

Das Innere des Zoox ist überraschend komfortabel: Die Sitze sind weich, jede Sitzbank hat eine Armlehne mit zwei USB-C-Ladeanschlüssen, zwei Becherhaltern und zwei drahtlosen Ladepads. Der Himmel des Zoox ist mit funkelnden LEDs übersät, die einen Sternenhimmel simulieren. Über jedem Sitzplatz gibt es ein Leselicht, das sich in zwei Stufen dimmen lässt.

Über das Display neben dem Sitz können wir Informationen zu unserer Ankunft abrufen. Außerdem lässt sich darüber die Klimaanlage steuern – für jeden Sitzplatz individuell. Auch Musik kann abgespielt werden, es stehen mehrere Playlists zur Auswahl. Der Sound im Zoox ist überraschend gut, mit dem Platz ließe sich durchaus auch eine kleine Party feiern.

Allzu ausschweifend sollte sie aber wohl nicht werden: An der Decke gibt es eine Kamera, die die Insassen offenbar während der Fahrt überwacht. Unser Zoox war übrigens sehr sauber und wies keine Beschädigungen auf.

App informiert über den Status der aktuellen Fahrt

Die Ankunftszeit lässt sich zusammen mit der aktuellen Position während der Fahrt auch über die App abrufen. Die Ankunftszeit wird anhand der Verkehrslage angepasst. Kommen wir unserem Ziel näher, weist uns das Zoox daraufhin – so können wir uns schon einmal bereit machen. Unser Ziel ist der Eingang einer Shopping Mall, der über eine Zufahrt erreichbar ist; das Zoox hat auch diese Situation problemlos gemeistert.

Nach 24 Minuten kamen wir am Ziel an und konnten die Türen öffnen. Beim Aussteigen erinnerte uns das Fahrzeug daran, nichts zu vergessen – das wäre bei einem autonomen Taxi, das direkt die nächsten Fahrgäste ansteuert, tatsächlich schlecht. Nach dem Aussteigen werden die Türen geschlossen und das Zoox macht sich auf den Weg zum nächsten Kunden.

Die Abrechnung erfolgt über die App; in der aktuellen Testphase fallen keine Kosten an, die Fahrten sind gratis. Wir bekommen trotzdem eine Rechnung zugeschickt, in der uns auch Details zur Fahrt mitgeteilt werden: die Länge und Dauer sowie die Adresse des Start- und Endpunktes. Ein Trinkgeld fällt nicht an – eine angenehme Abwechslung angesichts der sonst hohen Trinkgelder in den USA.

Fazit

Unsere Fahrt mit Zoox war ein Erfolg: Das autonome Taxi hat uns sicher zum Ziel gebracht, die Fahrt war komfortabel und unterhaltsam. Wir haben keine waghalsigen Fahrmanöver erlebt, zudem hat sich das Robotaxi an die Verkehrsregeln gehalten.

Natürlich ist unsere Fahrt nicht repräsentativ. Dass Zoox offenbar bisher nicht überall in Las Vegas einen sicheren Betrieb gewährleisten kann, zeigt der Umstand, dass es nur eine Handvoll Haltepunkte gibt – von denen Nutzer nicht abweichen können.

Vor allem das Fahrzeugkonzept finden wir interessant: Zoox hat ein spezielles Fahrzeug für seinen Dienst entworfen, das für autonome Taxis verzichtbare Elemente wie ein Lenkrad oder ein Armaturenbrett weglässt. Dadurch ist Platz für ein komplett anderes Innenraumkonzept, das viel Beinfreiheit und Platz für die Passagiere bietet.

Aktuell ist Zoox dabei, erste Fahrzeuge in San Francisco im Regelbetrieb auf die Straßen zu lassen. Die Erfahrungen der Fahrten in Las Vegas werden dabei sicherlich hilfreich sein.


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