Zone 3: Peter Thiels Überwachungstraum als Dystopie im Kino

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Die Landespolizei Baden-Württemberg wird 2026 Zugriff auf Palantirs Überwachungsplattform Gotham erhalten. In Bayern ist mit dem Analysesystem Vera bereits solch ein Programm in Betrieb, das ebenfalls auf der umstrittenen Technologie basiert. Geheimdienste und Militär setzen weltweit längst in unterschiedlichsten Bereichen auf künstliche Intelligenz.
Ob das erste Schritte zu KI-gestützten Überwachungsstaaten sind? Überraschen würde es wohl niemanden mehr. Ganz bestimmt nicht Palantir-Mitgründer Peter Thiel, der so etwas in den USA unter Trump(öffnet im neuen Fenster) schon in fortgeschrittener Form umsetzt.
Der französische Sci-Fi-Film Zone 3 zeigt uns ein derartiges Szenario jetzt noch ausgeprägter, anhand von Paris im Jahr 2045. Er ist glaubwürdig gegenwartsnah inszeniert und mit mahnendem Unterton, jedoch leider auch mit einer einfallslosen Geschichte.
Wer dient hier eigentlich wem?
Es beginnt mit bewaffneten Terroristen auf der Flucht. Das Überwachungssystem Alma erfasst und verfolgt sie, alarmiert alle Einsatzkräfte in der Umgebung. Als die Verfolgten nicht aufgeben, schießen sowohl menschliche Beamte als auch selbstständig fliegende Drohnen mit Maschinenpistolen auf die Flüchtenden.
Bereits in dieser frühen Szene wirkt diffus, wer hier eigentlich die Befehlsgewalt hat. Polizisten bekommen datenbasierte Anweisungen ständig live von der KI und folgen ihr praktisch blind. Schießbefehle richten sich nach computerberechneter Einschätzung.
Ist das Programm Alma ein Hilfsmittel oder sind die Beamten Werkzeuge der KI, die längst unkontrolliert alle Strippen zieht? Würden die Verantwortlichen bemerken, wenn die Software manipuliert wurde? Und wer schaut dem Staat beim Umgang mit einem so mächtigen Tool überhaupt auf die Finger?

KI-Bias aus familiären Gründen
Derlei Fragen stellen sich bald auch Zem Brecht (Gilles Lellouche) und Salia Malberg (Adèle Exarchopoulos), die als Duo in einem Mordfall ermitteln, der in Verbindung mit der geschilderten Verfolgungsjagd steht. Das Opfer heißt George Kessel ( Thomas Bangalter(öffnet im neuen Fenster) ) und ist kein Geringerer als Almas Schöpfer.
Die getöteten und geflüchteten Verdächtigen gehören einer KI-kritischen Aktivistengruppe an, im Film klar erkennbar dem Hacker-Kollektiv Anonymous nachempfunden. Sie wurden vom Polizeisystem, wenig überraschend, als Terroristen eingestuft. Doch natürlich geben die Gesamtumstände Anlass dazu, Almas Neutralität bei dieser Einschätzung infrage zu stellen. Sofern man der selbstständig arbeitenden KI noch nicht völlig hörig geworden ist.
Generative Überwachungsvideos
Salia und Zem fallen zunehmend Unstimmigkeiten in den Simulationen auf, die Alma automatisch auf Basis aller gesammelten Daten von Tatorten generiert. Die volumetrischen 3D-Videos stellen bereits geschehene Situationen virtuell so nach, als wären die Ermittler live dabei, selbst wenn es keine tatsächlichen Videoaufnahmen des Hergangs gibt. Auch vom Mord an Kessel existiert eine solche Visualisierung.















Dass die angegebene "Zuverlässigkeit des Szenarios" laut Wahrscheinlichkeitsberechnung nie 100 Prozent beträgt, gibt den meisten Ermittlern selbst bei Werten wie 88 Prozent längst keinen Grund mehr, von der KI-Prognose abzuweichen. Wer ALMAs Hypothese hinterfragt, andere Theorien verfolgt, sitzt schnell dem Polizeichef gegenüber, der genervt eine Erklärung fordert. Man würde es ja nur allen anderen und sich selbst umständlicher machen, obwohl die KI doch mit höchster Wahrscheinlichkeit zeigt, wer's war.



