Protagonist Zem gehört von Beginn an zu den wenigen Alma-Skeptikern im Staatsdienst. Er wird uns als kauziger Cop mit Schlafproblemen vorgestellt, der in Zone 3 lebt. So heißt der Armenbezirk im konzentrisch unterteilten Paris, dessen Bevölkerung nach Wohlstand sortiert auf drei Bereiche verteilt ist.
Obwohl er bemüht ist, sich in die Lage der ausgestoßenen Slumbewohner hineinzuversetzen, sehen sie in Zem bloß einen Diener des Überwachungsstaats, der wie ein abgerichteter Hund auf Befehl zum Feind wird. Für seine Kollegen von Zone 2 und 1 ist er ebenso nur ein Köter, eine despektierlich als Chien bezeichnete Spürhund-Einheit, die im Dreck von Zone 3 wühlen soll. Zusammen mit seiner Dienstnummer leitet sich daraus der französische Originaltitel Chien 51 des Films und seiner Romanvorlage ab. Das Buch kam in Deutschland übrigens als Hund 51(öffnet im neuen Fenster) auf den Markt.
In der Buchvorlage ist fast alles anders
Vielleicht wurde die Verfilmung bei uns bewusst in Zone 3 umbenannt, weil sie mit dem Buch nur noch die beiden Hauptfiguren, eine pessimistische Zukunftsvision und grundlegende Motive sozialer Disparität gemein hat. Sonst fast nichts. Als Spielort dient im Roman sogar statt Paris eine erfundene Megastadt, Magnapolis(öffnet im neuen Fenster) , deren Glaskuppel nur die Wohlhabenden vor Säureregen schützt.
Bild 1/15: Zem (Gilles Lellouche) und Salia (Adèle Exarchopoulos) konfrontieren eine Verdächtige. (Bild: Studiocanal)
Bild 2/15: Bars und Nachtclubs sind modern reduziert gestaltet, könnten aber auch Orte von heute sein. (Bild: Studiocanal)
Bild 3/15: Die beiden Ermittler sind auch in der titelgebenden Zone 3, dem Armutsbereich von Paris, unterwegs. (Bild: Studiocanal)
Bild 4/15: Dank Cloud und KI benötigt das Polizeirevier keine Aktenschränke voll Ermittlungsdokumenten mehr. (Bild: Studiocanal)
Bild 5/15: Zem kommt selbst aus Zone 3, kennt die Lebensrealität der in Armut lebenden Bevölkerung dort. (Bild: Studiocanal)
Bild 6/15: Nicht alle Orte im Film entsprechen der steril farblosen Ästhetik typischer Sci-Fi-Dystopien. (Bild: Studiocanal)
Bild 7/15: Jon Mafram (Louis Garrel) ist Anführer einer Revolutionsgruppe gegen die Zonenteilung und Polizei-KI Alma. (Bild: Studiocanal)
Bild 8/15: Auch Polizistin Salia Malberg (Adèle Exarchopoulos) kommt ursprünglich nicht aus der besser gestellten Zone 2 von Paris. (Bild: Studiocanal)
Bild 9/15: Panik in einer Diskothek, nachdem dort eine Schießerei ausgebrochen ist (Bild: Studiocanal)
Bild 10/15: Romain Duris spielt Innenminister Théo Rimarval. (Bild: Studiocanal)
Bild 11/15: Cop Zem Brecht (Gilles Lellouche) geht oft hart zur Sache, um an Informationen zu kommen. (Bild: Studiocanal)
Bild 12/15: Zem (Gilles Lellouche) und sein Einsatztrupp verfolgen einen geflüchteten Revolutionskämpfer bis in den Untergrund der Zone 3. (Bild: Studiocanal)
Bild 13/15: Ein ums andere Mal müssen Zem (Gilles Lellouche) und Kollegin Salia (Adèle Exarchopoulos) sich für ihre Ermittlungspraktiken rechtfertigen. (Bild: Studiocanal)
Bild 14/15: Thomas Bangalter (von der mittlerweile aufgelösten Band Daft Punk) spielt Alma-Erfinder George Kessel. (Bild: Studiocanal)
Bild 15/15: Almas Drohnen halten ihre kleinen Maschinenpistolen im Suchmodus schussbereit. (Bild: Studiocanal)
Künstliche Intelligenz spielt für die Handlung des Buchs keine übergeordnete Rolle. Es geht mehr um Politik in einer gescheiterten Megalopolis, rätselhafte Fälle von Organdiebstahl und die Menschheit in Händen skrupelloser Großkonzerne.
Überhaupt legt Originalautor Laurent Gaudé bei dem wirklich lesenswerten Roman mehr Wert darauf, seinen Schauplatz und die Bevölkerung darin detailliert zu beschreiben, bevor er Zems Untersuchung einer grausamen Mordserie in den Fokus rückt. Gerade der Protagonist bekommt so viel zusätzliche Vorgeschichte, dass die allein einen Film hätte füllen können. Im Kino erleben wir jetzt hingegen eine vollkommen andere, inhaltlich flachere Story, die sich kaum mit mehr aufhält, als vom Kriminalfall des ermordeten Entwicklers Kessel und seiner Überwachungs-KI zu erzählen.
Game Show als Zuckerbrot, Drohnen als Peitsche
Zem aus dem Film erlebt täglich aus nächster Nähe, dass Alma nicht nur der allgemeinen Sicherheit, sondern auch als Machtwerkzeug für die Oberschicht dient. Schutzwälle, Grenzkontrollen und ständige Identitätsprüfung per smartem Armband, das für alle Bürger Pflicht ist, stellen sicher, dass arme Menschen im Slum der Stadt unter sich bleiben, wenn sie nicht gerade im Dienst reicherer Menschen arbeiten sollen.
Den Aufstieg von einer Zone in die nächsthöhere schaffen nur wenige. So wie Zems Ermittlungspartnerin Salia, die den Umzug nach Zone 2 ihrem Sieg bei einer Activity-Game-Show zu verdanken hat.
Bild 1/15: Zem (Gilles Lellouche) und Salia (Adèle Exarchopoulos) konfrontieren eine Verdächtige. (Bild: Studiocanal)
Bild 2/15: Bars und Nachtclubs sind modern reduziert gestaltet, könnten aber auch Orte von heute sein. (Bild: Studiocanal)
Bild 3/15: Die beiden Ermittler sind auch in der titelgebenden Zone 3, dem Armutsbereich von Paris, unterwegs. (Bild: Studiocanal)
Bild 4/15: Dank Cloud und KI benötigt das Polizeirevier keine Aktenschränke voll Ermittlungsdokumenten mehr. (Bild: Studiocanal)
Bild 5/15: Zem kommt selbst aus Zone 3, kennt die Lebensrealität der in Armut lebenden Bevölkerung dort. (Bild: Studiocanal)
Bild 6/15: Nicht alle Orte im Film entsprechen der steril farblosen Ästhetik typischer Sci-Fi-Dystopien. (Bild: Studiocanal)
Bild 7/15: Jon Mafram (Louis Garrel) ist Anführer einer Revolutionsgruppe gegen die Zonenteilung und Polizei-KI Alma. (Bild: Studiocanal)
Bild 8/15: Auch Polizistin Salia Malberg (Adèle Exarchopoulos) kommt ursprünglich nicht aus der besser gestellten Zone 2 von Paris. (Bild: Studiocanal)
Bild 9/15: Panik in einer Diskothek, nachdem dort eine Schießerei ausgebrochen ist (Bild: Studiocanal)
Bild 10/15: Romain Duris spielt Innenminister Théo Rimarval. (Bild: Studiocanal)
Bild 11/15: Cop Zem Brecht (Gilles Lellouche) geht oft hart zur Sache, um an Informationen zu kommen. (Bild: Studiocanal)
Bild 12/15: Zem (Gilles Lellouche) und sein Einsatztrupp verfolgen einen geflüchteten Revolutionskämpfer bis in den Untergrund der Zone 3. (Bild: Studiocanal)
Bild 13/15: Ein ums andere Mal müssen Zem (Gilles Lellouche) und Kollegin Salia (Adèle Exarchopoulos) sich für ihre Ermittlungspraktiken rechtfertigen. (Bild: Studiocanal)
Bild 14/15: Thomas Bangalter (von der mittlerweile aufgelösten Band Daft Punk) spielt Alma-Erfinder George Kessel. (Bild: Studiocanal)
Bild 15/15: Almas Drohnen halten ihre kleinen Maschinenpistolen im Suchmodus schussbereit. (Bild: Studiocanal)
Die öffentlichkeitswirksam beworbene Sendung Destiny ist ein kleines Zugeständnis, damit sich in Zone 3 keine komplette Hoffnungslosigkeit ausbreitet, die schnell zu einer Revolution heranwachsen könnte. Das Fernseh-Event ist so etwas wie Zuckerbrot, schussbereite Drohnen dienen als Peitsche. Beides zusammen hält das klassische Zonensystem – ganz im Sinne der besser gestellten Gesellschaften aus Zone 1 und 2 – erfolgreich aufrecht.
Das mag bis hierhin sehr nach The Hunger Games oder The Running Man klingen. Solch zumeist viel teureren Hollywoodproduktionen hat Zone 3 als ambitioniertes französisches Projekt ( 40 Mio. Euro Budget(öffnet im neuen Fenster) ) aber einiges voraus, wenn es darum geht, sein Setting nicht wie von einem ganz anderen Planeten aussehen zu lassen.