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Obwohl er bemüht ist, sich in die Lage der ausgestoßenen Slumbewohner hineinzuversetzen, sehen sie in Zem bloß einen Diener des Überwachungsstaats, der wie ein abgerichteter Hund auf Befehl zum Feind wird. Für seine Kollegen von Zone 2 und 1 ist er ebenso nur ein Köter, eine despektierlich als Chien bezeichnete Spürhund-Einheit, die im Dreck von Zone 3 wühlen soll. Zusammen mit seiner Dienstnummer leitet sich daraus der französische Originaltitel Chien 51 des Films und seiner Romanvorlage ab. Das Buch kam in Deutschland übrigens als Hund 51(öffnet im neuen Fenster) auf den Markt.

In der Buchvorlage ist fast alles anders

Vielleicht wurde die Verfilmung bei uns bewusst in Zone 3 umbenannt, weil sie mit dem Buch nur noch die beiden Hauptfiguren, eine pessimistische Zukunftsvision und grundlegende Motive sozialer Disparität gemein hat. Sonst fast nichts. Als Spielort dient im Roman sogar statt Paris eine erfundene Megastadt, Magnapolis(öffnet im neuen Fenster) , deren Glaskuppel nur die Wohlhabenden vor Säureregen schützt.

Künstliche Intelligenz spielt für die Handlung des Buchs keine übergeordnete Rolle. Es geht mehr um Politik in einer gescheiterten Megalopolis, rätselhafte Fälle von Organdiebstahl und die Menschheit in Händen skrupelloser Großkonzerne.

Überhaupt legt Originalautor Laurent Gaudé bei dem wirklich lesenswerten Roman mehr Wert darauf, seinen Schauplatz und die Bevölkerung darin detailliert zu beschreiben, bevor er Zems Untersuchung einer grausamen Mordserie in den Fokus rückt. Gerade der Protagonist bekommt so viel zusätzliche Vorgeschichte, dass die allein einen Film hätte füllen können. Im Kino erleben wir jetzt hingegen eine vollkommen andere, inhaltlich flachere Story, die sich kaum mit mehr aufhält, als vom Kriminalfall des ermordeten Entwicklers Kessel und seiner Überwachungs-KI zu erzählen.

Game Show als Zuckerbrot, Drohnen als Peitsche

Zem aus dem Film erlebt täglich aus nächster Nähe, dass Alma nicht nur der allgemeinen Sicherheit, sondern auch als Machtwerkzeug für die Oberschicht dient. Schutzwälle, Grenzkontrollen und ständige Identitätsprüfung per smartem Armband, das für alle Bürger Pflicht ist, stellen sicher, dass arme Menschen im Slum der Stadt unter sich bleiben, wenn sie nicht gerade im Dienst reicherer Menschen arbeiten sollen.

Den Aufstieg von einer Zone in die nächsthöhere schaffen nur wenige. So wie Zems Ermittlungspartnerin Salia, die den Umzug nach Zone 2 ihrem Sieg bei einer Activity-Game-Show zu verdanken hat.

Die öffentlichkeitswirksam beworbene Sendung Destiny ist ein kleines Zugeständnis, damit sich in Zone 3 keine komplette Hoffnungslosigkeit ausbreitet, die schnell zu einer Revolution heranwachsen könnte. Das Fernseh-Event ist so etwas wie Zuckerbrot, schussbereite Drohnen dienen als Peitsche. Beides zusammen hält das klassische Zonensystem – ganz im Sinne der besser gestellten Gesellschaften aus Zone 1 und 2 – erfolgreich aufrecht.

Das mag bis hierhin sehr nach The Hunger Games oder The Running Man klingen. Solch zumeist viel teureren Hollywoodproduktionen hat Zone 3 als ambitioniertes französisches Projekt ( 40 Mio. Euro Budget(öffnet im neuen Fenster) ) aber einiges voraus, wenn es darum geht, sein Setting nicht wie von einem ganz anderen Planeten aussehen zu lassen.


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