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Zollstreit: China wirft USA Doppelmoral vor und droht weiter

Der Handelskrieg zwischen China und den USA eskaliert wieder. Nach den Exportkontrollen für Seltenerdmetalle könnte es weitere Gegenmaßnahmen geben.
/ Friedhelm Greis , dpa
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China nutzt die Produktion von Selterdmetallen als Druckmittel im Handelskrieg mit den USA. (Symbolfoto) (Bild: Reuters)
China nutzt die Produktion von Selterdmetallen als Druckmittel im Handelskrieg mit den USA. (Symbolfoto) Bild: Reuters

China wirft den USA nach der Ankündigung weiterer Zölle durch Präsident Donald Trump Doppelmoral vor und droht mit Gegenmaßnahmen. Washington verallgemeinere seit langem das Prinzip der nationalen Sicherheit, missbrauche Exportkontrollen, wende diskriminierende Maßnahmen gegen China an und dehne einseitig seine Gerichtsbarkeit bei Produkten wie Halbleitern oder Computerchips aus, erklärte das Handelsministerium in Peking(öffnet im neuen Fenster) .

China hielt den USA zudem vor, mit den Maßnahmen globale Lieferketten zu stören. Peking fordere die USA auf, ihr "falsches Vorgehen" zu korrigieren, die Ergebnisse aus den vergangenen Handelsgesprächen zu wahren und die gegenseitigen Bedenken durch Dialog zu lösen.

China droht mit Gegenmaßnahmen

"Wenn die USA stur an ihrem Kurs festhalten, wird China entschlossen entsprechende Maßnahmen ergreifen, um seine legitimen Rechte und Interessen zu schützen" , erklärte das Ministerium. Das Land wolle keinen Zollkrieg, habe aber auch keine Angst davor.

Die Behörde reagierte auf eine Frage zu Trumps Erklärung, vom 1. November 2025 an zusätzliche Zölle in Höhe von 100 Prozent für Importe aus China verhängen zu wollen. Dem war Chinas Ankündigung vorausgegangen, die Exportkontrollen auf sogenannte Seltenerdmetalle zu erweitern .

Das Ministerium rechtfertigte die Maßnahme als legitim, um das eigene Exportkontrollsystem in Übereinstimmung mit dem Gesetz zu verbessern. Die Behörde verwies dabei auf die Bedeutung seltener Erden für den militärischen Nutzen und die wiederkehrenden Konflikte auf der Welt. Mit den Exportkontrollen wolle man "den Weltfrieden und die regionale Stabilität bewahren" .

Laptops und Smartphones wohl nicht betroffen

Den neuen Vorgaben zufolge muss jedes Unternehmen – ob in China oder im Ausland – eine chinesische Exportgenehmigung einholen, wenn der Anteil der Seltenerdmetalle am Wert des Produktes größer als 0,1 Prozent ist. Einem Bericht des Wall Street Journal zufolge(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) ist unklar, welche Produkte konkret von den Kontrollen betroffen sind.

Die meisten fertigen Konsumgüter wie Laptops und Smartphones lägen wahrscheinlich unter dem Schwellenwert, schrieb die Zeitung unter Berufung auf das Beratungsunternehmen Capital Economics. Zwischenprodukte wie Motoren könnten ihn überschreiten. Einige Analysten interpretierten die neuen Regeln so, dass damit Unternehmen mit sowohl militärischen als auch zivilen Geschäftsfeldern, wie Boeing, der Zugang zu seltenen Erden sogar für zivile Zwecke verwehrt werden könnte.

Seit der Zoll-Eskalation im April hatten beide Seiten viermal in europäischen Großstädten verhandelt. Seitdem gelten deutlich niedrigere Zölle. Auch schienen sich die Streitparteien bei Themen wie dem Deal zum Verkauf der Videoplattform Tiktok angenähert zu haben.

Doch nun spitzt sich der Handelsstreit erneut zu.

Was steckt hinter den neuen Maßnahmen Pekings?

Sollte Trump seine Drohung wahr machen, würden auf chinesische Importe an der US-Grenze zusammengerechnet mit den derzeit bestehenden Aufschlägen Zölle von 130 Prozent fällig, was den Handel wohl zum Erliegen brächte. China dürfte laut Experten dann ähnlich hart zurückschlagen.

Längst geht es in dem Kräftemessen der beiden Großmächte aber nicht mehr nur um Zölle und Rohstoffe. China kauft schon länger kein Soja mehr von US-Landwirten – eine Kernwählerschaft Trumps, der damit ihr Hauptkunde verloren ging. Washington schneidet China indes von wichtiger Spitzentechnologie im Computerchip-Bereich ab, welche die Chinesen für die Entwicklung bei künstlicher Intelligenz benötigen.

"Die neue Eskalation ist möglicherweise Ausdruck von Fehleinschätzungen beider Seiten" , analysiert Gabriel Wildau von der Beratungsfirma Teneo. China könnte mit seinen Maßnahmen bei seltenen Erden versucht haben, seine Verhandlungsposition für das Treffen mit Trump in Südkorea zu verbessern. Peking könnte laut Wildau auch die Ende September um chinesische Firmen erweiterte Exportkontrollliste des US-Handelsministeriums als Eskalation verstanden haben. US-Beamte hatten darin lediglich eine technische Anpassung gesehen.

Die Rolle seltener Erden

China ist für die wichtigen Rohstoffe ein globaler Hauptproduzent und hat damit einen entscheidenden Hebel in den Verhandlungen mit den USA. Die Rohstoffe und daraus gefertigte Magnete werden in Industrie sowie der Hightech- und Rüstungsbranche benötigt. Sie stecken in zahlreichen Produkten – von Elektromotoren, Halbleitern bis hin zu Turbinen.

In China kommen die Bodenschätze in starker Konzentration vor. Zwar sind Seltenerdmetalle, anders als ihr Name vermuten lässt, nicht unbedingt rar. Doch die Gewinnung der Bodenschätze ist schwierig, weil sie in anderen Rohstoffen gebunden sind. China hat sich auf das Verfahren spezialisiert.


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