Abo
  • Services:

Zoff in Wikipedia: Foundation lenkt im Streit mit deutscher Community ein

Die in den USA ansässige Wikimedia Stiftung will im Superprotect-Streit wieder das Vertrauen der deutschsprachigen Wikipedia gewinnen. Die Community ist aber weiter unzufrieden. Auch Jimmy Wales meldete sich nun zu Wort.

Artikel veröffentlicht am ,
Die Wikimedia Foundation hatte sich Superkräfte zum Schutz von Wikipedia-Seiten gegeben.
Die Wikimedia Foundation hatte sich Superkräfte zum Schutz von Wikipedia-Seiten gegeben. (Bild: Jay Directo/AFP/Getty Images)

Die Wikimedia Foundation geht im Streit über die Einführung eines Mediaviewers auf die deutschsprachige Community zu. "Wir bedauern, dass wir Möglichkeiten verpasst haben, unseren Teil zu tun, um einen Konflikt zu vermeiden, den niemand gewollt hat", schrieben die neue Geschäftsführerin der Foundation, Lila Tretikov, und ihr Stellvertreter Erik Möller in einem Beitrag an die Autorengemeinschaft der deutschsprachigen Wikipedia. Um die Einführung des umstrittenen Bildbetrachters durchzusetzen, hatte die Foundation den Javascript-Hack eines deutschen Administrators mit Hilfe eines neu eingeführten Superprotect-Status rückgängig gemacht, wodurch der Konflikt eskaliert war.

Stellenmarkt
  1. CSL Behring GmbH, Marburg, Hattersheim am Main
  2. Robert Bosch GmbH, Stuttgart

Dieser Schutz wurde nun rückgängig gemacht. "Wir sehen ein, dass der Einsatz von Superprotect unbeabsichtigterweise den Eindruck erweckt hat, dass wir kein Vertrauen in die Community haben. Dies ist nicht der Fall, weshalb wir die Seitensperre aufgehoben haben", schrieben Tretikov und Möller weiter. Allerdings wird die Community gebeten, "projektweiten Javascript-Code nicht zu dem Zweck zu ändern, den Medienbetrachter zu deaktivieren oder auf Opt-in zu setzen". Die Foundation verpflichtet sich, "die offenen technischen Fragen zum Medienbetrachter in einer globalen, ergebnisoffenen Konsultation mit der Wikimedia-Gemeinschaft anzugehen". Die Meta-Seite zur Konsultation, die am Donnerstag starten sollte, werde Einzelheiten zu den Zielen, Zeitrahmen und der Vorgehensweise enthalten. Die deutschsprachige Partizipation solle unterstützt werden.

Scharfe Kritik an der Foundation

Das Vorgehen der Foundation war in der deutschsprachigen Community auf scharfe Kritik gestoßen. Ohne den Javascript-Hack des Administrators "wüssten wir wohl bis heute noch nicht, wie real eigentlich die Bedrohung des Projekts durch eine schleichende WikiCommerzialisierung seitens der Wikimedia Foundation für die Wikipediaprojekte insgesamt ist; ja, welcher bürokratischen Krake wir inzwischen gegenüberstehen", hieß es in einem Beitrag im Wikipedia-Kurier. Selbst innerhalb der deutschsprachigen Community gab es Streit, weil ein auf Administratoren beschränktes Meinungsbild eingeholt werden sollte.

Strittig war auch die Rolle von Wikimedia Deutschland in dem Konflikt. Einige Nutzer forderten den Verein auf, "Stellung zu beziehen und die Interessen der deutschsprachigen Community gegenüber der Wikimedia Foundation zu vertreten". Andere wiederum sprachen dem Verein das "Mandat" für eine Einmischung ab. Nur weil die Foundation diese Position unrechtmäßigerweise aufgebe, brauche der deutsche Verein das nicht auch zu tun, schrieb ein Nutzer.

Nachdem mehrere Anfragen von Golem.de unbeantwortet geblieben waren, teilte Pressesprecher Jan Apel am Donnerstag mit: "Wir haben es uns bei Wikimedia Deutschland zur Aufgabe gemacht, die Einführungen neuer Software in den Wikimedia-Projekten zu begleiten. Dabei versuchen wir im Dialog mit der Wikimedia Foundation und den deutschsprachigen Freiwilligen zur Annäherung und zu gegenseitigem Verständnis beizutragen, damit sich Konflikte früherer Einführungen nicht wiederholen." Das sei auch bei der Einführung des Mediaviewers geschehen. "Für die Zukunft sehen wir es als essentiell an, dass die Zusammenarbeit mit der Community frühzeitig und mit Einfühlungsvermögen erfolgt. Wir wissen uns hier in Einklang mit der Wikimedia Foundation und vielen Stimmen aus der Community", schrieb Apel weiter.

Nachtrag vom 29. August 2014, 10:00 Uhr

Wikipedia-Administrator DaB, der den Mediaviewer per Javascript-Hack deaktiviert hatte, zeigte sich auf Nachfrage von Golem.de unzufrieden mit dem Vorgehen der Stiftung. "Ich wäre erstmal zufrieden, wenn die WMF unserem Willen nachkommt und den Mediaviewer zukünftig mit opt-in statt mit opt-out betreibt. Mit der aktuellen Rücknahme von Superprotect hat die WMF nur eine Provokation entfernt, die sie zuvor aufgebaut hatte", sagte der Administrator. Das Kernproblem sei noch ungelöst. Für die deutschsprachige Wikipedia und die anderen großen Communitys sollte der Superprotect-Status generell nicht genutzt werden.

Auf keinen Fall sollte dieses Recht nur den Mitarbeitern der Foundation eingeräumt werden, sondern maximal den gewählten Stewards. Deren Aufgabe ist die technische Umsetzung der Wünsche der Gemeinschaft, sowie die Bearbeitung von Notfällen wie Wiki-übergreifendem Vandalismus. DaB ist überzeugt, dass die Foundation sofort wieder per Superprotect eingreifen würde, wenn der Mediaviewer deaktiviert würde. Der Administrator bedauert, dass sich Wikimedia Deutschland in dem Konflikt sehr zurückgehalten hat. Der Verein habe vorgezogen, "gar nicht zu agieren, was ich sehr schade finde".

Die Foundation hat inzwischen ihr Konsultationsverfahren zum Mediaviewer gestartet.

Nachtrag vom 29. August 2014, 10:45 Uhr

Auch Wikipedia-Gründer Jimmy Wales meldete sich inzwischen in dem Streit zu Wort. Darin lehnt er die Möglichkeit ab, dass jede einzelne Community über die Einführung neuer Software-Features entscheidet. Stattdessen schlägt er vor, dass die Foundation neue Software in enger Absprache mit der Community entwickelt und die Software dann inkrementell eingeführt wird. Wales bittet die deutschsprachige Wikipedia darum, den Javascript-Hack nicht wieder einzusetzen. Sowohl die Foundation als auch die Communitys hätten in der Vergangenheit häufig Mist gebaut, räumte Wales ein. Zum Konzept des Superprotect-Status äußerte er sich zurückhaltend. "Ich habe noch keine eindeutige Meinung zum Grundkonzept des Superprotect, vor allem bei übergreifendem Javascript. Die Einführung inmitten eines Notfalls war unglücklich und eskalierte einen Konflikt, der besser vermieden worden wäre", schrieb Wales.



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. täglich neue Deals bei Alternate.de
  2. 119,90€

akolbe 02. Sep 2014

Danke für die Korrektur.

Hotohori 30. Aug 2014

Ja, oft wundert es mich doch wie armselig der deutsche Eintrag im Vergleich zum...

Icestorm 29. Aug 2014

Ich finde ja nichtmal den opt out-Button

Sharkuu 29. Aug 2014

nein das funktioniert leider nicht, nach neuem aufrufen der seite ist er wieder aktiv...

The-Master 29. Aug 2014

Nix text


Folgen Sie uns
       


Azio Retro Classic Tastatur - Test

Die Azio Retro Classic sieht mehr nach Schreibmaschine als nach moderner Tastatur aus. Die von Azio mit Kaihua entwickelten Switches bieten eine angenehme Taktilität, für Vieltipper ist die Tastatur sehr gut geeignet.

Azio Retro Classic Tastatur - Test Video aufrufen
CES 2019: Die Messe der unnützen Gaming-Hardware
CES 2019
Die Messe der unnützen Gaming-Hardware

CES 2019 Wer wollte schon immer dauerhaft auf einem kleinen 17-Zoll-Bildschirm spielen oder ein mehrere Kilogramm schweres Tablet mit sich herumtragen? Niemand! Das ficht die Hersteller aber nicht an - im Gegenteil, sie denken sich immer mehr Obskuritäten aus.
Ein IMHO von Oliver Nickel

  1. Bosch Touch-Projektoren angesehen Virtuelle Displays für Küche und Schrank
  2. Mobilität Das Auto der Zukunft ist modular und wandelbar
  3. Sonos Keine Parallelnutzung von Alexa und Google Assistant geplant

Kaufberatung: Die richtige CPU und Grafikkarte
Kaufberatung
Die richtige CPU und Grafikkarte

Bei PC-Hardware gab es 2018 viele Neuerungen: AMD hat 32 CPU-Kerne etabliert, Intel verkauft immerhin acht Cores statt vier und Nvidias Turing-Grafikkarten folgten auf die zwei Jahre alten Pascal-Modelle. Wir beraten bei Komponenten und geben einen Ausblick auf die kommenden Monate.
Von Marc Sauter

  1. Fujian Jinhua USA verhängen Exportverbot gegen chinesischen DRAM-Fertiger
  2. Halbleiter China pumpt 47 Milliarden US-Dollar in eigene Chip-Industrie
  3. Dell Neue Optiplex-Systeme in drei Größen und mit Dual-GPUs

Slighter im Hands on: Wenn das Feuerzeug smarter als der Raucher ist
Slighter im Hands on
Wenn das Feuerzeug smarter als der Raucher ist

CES 2019 Mit Slighter könnte ausgerechnet ein Feuerzeug Rauchern beim Aufhören helfen: Ausgehend von den Rauchgewohnheiten erstellt es einen Plan - und gibt nur zu ganz bestimmten Zeiten eine Flamme.
Ein Hands on von Tobias Költzsch

  1. Smart Tab Lenovo zeigt Mischung aus Android-Tablet und Echo Show
  2. Royole Flexpai im Hands on Display top, Software flop
  3. Alienware Area 51m angesehen Aufrüstbares Gaming-Notebook mit frischem Design

    •  /