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Silvester 2022, Philadelphia: Mord an Rita und Richard Zajko in Philadelphia

Michelle, die an diesem Tag 30 Jahre alt wurde, ließ eine Geburtstagsnachricht ihrer Mutter unbeantwortet. Stunden später hielt, so rekonstruierte die Polizei es anhand von Bildern einer Überwachungskamera, ein Auto vor dem Haus der Zajkos. Kurz darauf wurden Bewegungen und an der Haustür aufgezeichnet, während eine als hoch klingend beschriebene Stimme "Mom!" rief.

Eine andere Stimme rief "Oh my God. Oh God, God!", mutmaßlich, weil das Elternteil, das die Tür geöffnet hatte, gleich mit einer Waffe bedroht worden war. Laut Staatsanwalt Tanner Rouse führte Michelle die Mutter in ihr unverändert gebliebenes Kinderzimmer. Dort wurde Rita Zajko erschossen, Rouse sprach von "hingerichtet". Wo Richard Zajko ermordet wurde, sagte er nicht.

Nach einiger Zeit verließen zwei Personen das Haus wieder. Tage später wurden die Leichen des Ehepaars gefunden, das Ermittlungen zufolge mit einer 9mm-Pistole erschossen worden war. Michelle, das einzige Kind, musste die Eltern identifizieren und für ihre Beerdigung sorgen.

Ermittler nahmen sie am 12. Januar 2023 aus ihrem Hotelzimmer vor Ort in Philadelphia mit zur Vernehmung. Michelle weigerte sich offenbar zu kooperieren, und floh, 40.000 US-Dollar und ihr Auto zurücklassend. Im Nachbarzimmer wurden Ziz und Blank angetroffen.

Laut Polizei lag Ziz damals mit geschlossenen Augen apathisch auf dem Fußboden, sprach nicht und musste weggetragen werden. Sie wurde danach anhand ihrer Fingerabdrücke identifiziert. Ziz und Blank kamen wieder frei(öffnet im neuen Fenster).

Die verschwundene Tatwaffe

Die Tatwaffe wurde nie gefunden, verstreute Patronenhülsen stimmten allerdings laut Ermittlern mit auf einem privaten Schießstand verschossener Munition überein. Dieser Schießstand befand sich hinter Michelles Haus in Vermont.

Auf Michelles Handy wurde laut den Ermittlern überdies eine Liste mit Dingen, "die wir vermasselt haben" gefunden, darunter wurde explizit aufgeführt, dass vergessen worden sei, Patronenhülsen vom Tatort zu entfernen.

17. Januar 2025: Curtis Lind wird ermordet

Drei Tage vor dem geplanten Prozess gegen die Gruppenmitglieder, die ihn überfallen und schwer verletzt hatten, wurde Lind auf seinem Grundstück in Vallejo von einer schwarz gekleideten, vermummten Person angegriffen, die auf ihn einstach und ihm die Kehle durchschnitt. Der Täter konnte fliehen(öffnet im neuen Fenster).

Kurz darauf wurde der Data Scientist Maximilian Snyder unter dringendem Tatverdacht verhaftet. In einem Interview mit dem San Francisco Chronicle wollte er sich weder zu den Zizianern noch zum Mordvorwurf äußern. Stattdessen diktierte er dem Reporter ein neun Seiten langes Statement, das an den Gründer der Rationalisten, Eliezer Yudkowsky, gerichtet war.

Darin wurde Yudkowsky aufgefordert, vegan zu leben. Yudkowsky erklärte umgehend, er werde das Statement nicht lesen. Ihn erreichten so viele Nachrichten, dass er unmöglich alle ansehen könne. Snyders zu lesen wäre daher "eine Belohnung für ein Verbrechen" und eine Beleidigung für alle, die vergeblich mit ihm Kontakt aufnehmen wollten.

Drei Tage nach dem Mord an Lind wurde der Grenzschützer David Maland getötet. Gerichtsakten zufolge schossen zwei Frauen auf mehrere Grenzbeamte, neben David Maland starb auch eine von ihnen: Ophelia B.

Nach diesem Vorfall wurde auch in Deutschland über die sogenannten Zizianer berichtet. Die Transfrau Ophelia B. war nämlich in Deutschland aufgewachsen und galt als Schülerin als mathematisch hochbegabt. Unter anderem gewann sie 2015 eine Medaille bei der Internationalen Informatik-Olympiade.

Nach dem Abitur studierte sie an der kanadischen University of Waterloo, arbeitete vier Jahre lang als Traderin und galt als Mittelpunkt und Herz einer Gruppe von hochgebildeten Freundinnen. Irgendwann im Sommer 2023 kam es zu einem Bruch in ihrem Leben, Freundinnen berichteten später von "ängstlichen, geheimnisvollen Telefonaten", im weiteren Verlauf des Jahres endete ihr Kontakt zu alten Freunden und Freundinnen.

Auslöser könnte die engere Anbindung an die sogenannten Zizianer gewesen sein. Ab Juli 2023 mietet B. sich in einem Airbnb in Chapel Hill, North Carolina, ein, etwas später zog auch Teresa Youngblut, ihre Begleiterin bei dem Grenzschutz-Vorfall, dort ein. Informationen des Rolling Stone zufolge soll auch Ziz zumindest zeitweise mit beiden zusammengelebt haben(öffnet im neuen Fenster).

Sieben Gruppenmitglieder befinden sich derzeit in Haft. Ihnen drohen langjährige Haftstrafen beziehungsweise in einem Fall die Todesstrafe(öffnet im neuen Fenster). Suri Dao und Somni Leatham gelten als Hauptverdächtige in diesem Fall und sollen nicht nur wegen versuchten Mordes an Lind angeklagt werden, sondern auch wegen Mordes an Emma Borhanian, die von Lind erschossen worden war.

Das ist im Rahmen der so genannten Felony-Murder-Doktrin zulässig, nach der Menschen, die eine schwere Straftat begehen, automatisch dafür verantwortlich sind, wenn jemand dabei stirbt. Der Prozess gegen Suri Dao und Leatham hatte eigentlich am 6. März 2026 beginnen sollen, war aber schon zuvor bereits verschoben worden, weil der Hauptzeuge Curtis Lind ermordet wurde. Suri Dao befindet sich seit Anfang des Jahres in einer Klinik und gilt als verhandlungsunfähig(öffnet im neuen Fenster).

Maximilian Bentley Snyder ist seit Januar 2025 in Haft. Er hatte bereits im März letzten Jahres bei der Voranhörung auf nicht schuldig plädiert. Der Prozess gegen ihn sollte eigentlich im September eröffnet werden, ein konkretes Datum gibt es aber noch nicht. Vor kurzem wurde bekannt, dass Snyder und Teresa Youngblut 2024 eine Heiratslizenz beantragten. Ob sie tatsächlich heirateten, ist unklar.

Michelle Zajko wurde am 24. Juni 2026 offiziell wegen Mordes, Einbruchs und Verschwörung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie nicht allein handelte, benannte aber bisher keine weiteren Verdächtigen. Zajko beharrt auf ihrer Unschuld und deutete an, ihr Vater könnte erst ihre Mutter und dann sich selbst erschossen haben. Die Tatwaffe wurde allerdings weder im Haus noch an anderer Stelle gefunden. Wann der Prozess stattfinden wird, ist noch nicht bekannt(öffnet im neuen Fenster). Im Fall Maland sind derzeit Teresa Youngblut als Täterin und Michelle Zajko wegen Falschangaben beim Kauf der damals sichergestellten Waffen angeklagt.

Verfahren gegen Ziz Lasota

Ziz Lasota ist zurzeit in keinem der sechs Mordfälle angeklagt. Auf Bundesebene gilt sie als Angeklagte in einem Fall von illegalem Waffenbesitz als flüchtige Straftäterin, dazu läuft in Maryland eine Klage gegen sie wegen Hausfriedensbruchs und illegalem Waffen- und Drogenbesitzes. Dazu wird gegen sie wegen Behinderungen der Ermittlungen im Mordfall Zajko ermittelt. Aktuell wird geprüft, ob sie verhandlungsfähig ist, ihr Anwalt Gary Proctor bezeichnete ihre Onlinetexte als "größenwahnsinnige Wahnvorstellungen".

Die Verschwundenen

Alice Monday, deren Mord Ziz angeblich befohlen hatte, ist laut übereinstimmenden Medieninformationen untergetaucht und lebt im Ausland. Vermisst gemeldet wurde sie nicht, offiziell scheint die Polizei auch nicht nach ihr zu suchen. Ob das damit zusammenhängt, dass die Behörden ihren Aufenthaltsort kennen oder nicht, bleibt unklar.

Auch Gwen Danielson galt ab März 2022 als verschwunden, ihr Vater Brett sagte jedoch, dass sie sich regelmäßig melde und noch nicht aus ihrem "Versteck" hervorkommen wolle. Im April 2026 gab Danielson dem Rolling Stone ein Interview, in dem sich die heute 32-Jährige umfassend äußerte. So sagte sie, die Aktion im Jahr 2019 sei nicht als gewalttätiger Protest geplant gewesen. Die Zustände in der Haft seien menschenunwürdig gewesen.

Ab dem Frühjahr 2022 habe sich die Gruppendynamik unangenehm entwickelt, so dass sie schließlich ausstieg. Allen Besitz der Gruppe hinterlassend, machte sie sich zu Fuß auf, lebte in Obdachlosencamps und finanzierte die Reise in den Nordosten der USA mit Tagelöhnerjobs.

Vom Angriff auf Lind habe sie erst 2024 erfahren. Danielson verteidigt Ziz in dem Interview und erklärt, Emma Borhanian sei diejenige gewesen, die in gewalttätigen Extremen gedacht und damit an der zunehmenden Aggressivität die Hauptschuld habe. Borhanian ist gleichzeitig die einzige Person aus der Vierergruppe des Jahres 2019, die nicht mehr lebt. Zu den Vorwürfen kann sie nicht mehr Stellung nehmen.

Was als geplanter Protest in einem abgelegenen Camp begann, wird mit Prozessen in mehreren US-Bundesländern enden und viele Schlagzeilen über "die Zizianer" hervorbringen. Wie junge Menschen, die anfangs hofften, die Welt zu einem besseren Ort machen zu können, eine isolierte, zunehmend gewalttätige Gruppe wurden, wird vielleicht nie ganz geklärt werden.


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