Aus Rationalisten werden Zizianer
Damals gehörten Emma, Gwen, Ziz und Somni einer kleinen Gruppe von Rationalisten an. Rationalisten sind eine vor allem im Silicon Valley entstandene Bewegung, die versucht, Erkenntnisse aus Mathematik, Informatik, Psychologie und Philosophie zu nutzen, um auf der Basis von Wissenschaft und Wahrscheinlichkeiten bessere Entscheidungen treffen zu können.
Existenzielle Risiken, so das Hauptanliegen der Rationalisten, sollen dadurch erkannt und verhindert werden. Als größte Bedrohung betrachten viele Rationalisten die besagte Super-KI, die einen eigenen Willen und eigene Ziele entwickeln könnte.
Dass zu den später als "Zizianer" bezeichneten Gruppenmitgliedern auffallend viele Programmierer, Mathematiker und Data Scientists gehörten, ist kein Zufall. Die Rationalisten rekrutierten sich vor allem aus dem Umfeld der Tech-Industrie und von Eliteuniversitäten.
Viele ihrer Anhänger arbeiteten in gut bezahlten IT-Berufen oder hatten dort zuvor Karriere gemacht. Die Gruppe um Ziz blieb jedoch überschaubar. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge gehörten ihr nur wenige Menschen an. Allerdings wird derzeit nur ein Teil von ihnen mit Gewalttaten in Verbindung gebracht.
Abspaltung von den Rationalisten
Die Programmiererin Ziz Lasota hatte sich zunächst sehr in der Szene engagiert, sie veröffentlichte lange Blogtexte über Rationalismus, Philosophie und künstliche Intelligenz. Schließlich überwarf sie sich mit den führenden Vertretern der Rationalisten. Sie warf ihnen vor, inkonsequent zu sein und bezeichnete sie als moralische Versager(öffnet im neuen Fenster).
Nach und nach versammelten sich Menschen um Ziz, die ähnlich dachten. Vermutlich auch, weil sie Vorwürfe, wonach Hinweise auf sexuellen Missbrauch in der Szene nicht ernst genug genommen würden, aufgriff und zu einem weiteren Angriffspunkt gegen die Rationalisten machte.
Die anfängliche Vierergruppe hatte 2019 in Westminster Woods tatsächlich protestieren wollen, und zwar gegen eine Veranstaltung der Rationalisten, die in den meisten damaligen Berichten über den Vorfall nicht erwähnt wurde. Es sei alles äußerst verwirrend, sollte der San Francisco Chronicle später über die sogenannten Zizianer schreiben – die sich übrigens selbst nie Zizianer nannten.
Zu diesem Zeitpunkt lebte die Gruppe schon relativ abgeschottet. Seit 2016 experimentierte sie aufgrund der hohen Mietpreise in Silicon Valley mit alternativen Wohnformen. Zunächst wurden Lkw mit Kofferaufbau modifiziert: Die Laderäume wurden mit Betten und Kochgelegenheiten ausgestattet, in die Böden geschnittene Löcher erlaubten das unauffällige Betreten und Verlassen der Fahrzeuge.

