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Zitierungen: Kreml-Propaganda auf Hunderten westlicher Webseiten zitiert

Ein prorussisches Desinformationsnetzwerk wird auf mehr als hundert englischsprachigen Webseiten als seriöse Quelle zitiert – oft unwissentlich.
/ Andreas Donath
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Ausgabe der Zeitung Pravda Ende der 1950er Jahre (Bild: RIA Novosti/Wikipedia)
Ausgabe der Zeitung Pravda Ende der 1950er Jahre Bild: RIA Novosti/Wikipedia / CC-BY 3.0

Hunderte englischsprachige Webseiten verlinkten auf Inhalte eines russlandfreundlichen Desinformationsnetzwerks. Das zeigt eine Studie des Institute for Strategic Dialogue (ISD), von der der britische Guardian berichtet(öffnet im neuen Fenster). Die Londoner Denkfabrik warnt, dass diese Praxis dazu beitragen könnte, Pro-Kreml-Narrative im Netz sichtbarer zu machen.

Die Analyse untersuchte Zitate des Pravda-Netzwerks, das französische Behörden im vergangenen Jahr identifiziert hatten. Die Forscher stellten fest, dass mehr als 80 Prozent der verlinkenden Webseiten die Inhalte als glaubwürdige Quelle behandelten – vom etablierten Nachrichtenportal bis zum kleinen Blog.

Das ISD betont, dass diese Links die Wahrscheinlichkeit erhöhten, dass Suchmaschinen und KI-Modelle die Artikel anzeigen. Dies geschehe selbst dann, wenn die verlinkenden Seiten die Glaubwürdigkeit des Netzwerks anzweifelten.

Massiv gestiegene Propagandaproduktion

Das Pravda-Netzwerk ist seit 2014 aktiv, doch Trackingdaten zeigten einen drastischen Anstieg der Veröffentlichungen. Im Mai erreichte die tägliche Artikelproduktion etwa 23.000 Beiträge – im Vergleich zu rund 6.000 Beiträgen pro Tag im Jahr 2024.

Die Inhalte erscheinen inzwischen in mehreren Sprachen und zielen auf Publikum in Asien, Afrika und Europa ab. Desinformationsforscherin Nina Jankowicz, die kürzlich vor dem britischen Parlament sprach, erklärt, dass der Gegner seine geografische Reichweite im vergangenen Jahr stark ausgeweitet habe.

Einige Forscher vermuten, dass die Mengenexplosion mit KI-Trainingsdaten zusammenhängen könnte. Große Sprachmodelle sammeln während ihrer Entwicklung Informationen aus dem gesamten Internet – und könnten Desinformation einbeziehen, wenn diese in ausreichender Menge online existiert.

Bedenken zu KI-Systemen

Frühere Studien zeigten, dass manche Chatbots bei bestimmten Anfragen russische Desinformation wiederholten. Darunter fielen Behauptungen über US-Aktivitäten in der Ukraine oder französische Verwicklungen in den Konflikt.

"Das Pravda-Netzwerk spielt ein Zahlenspiel", sagt Joseph Bodnar, leitender Forscher beim ISD, dem Guardian. Er vermute, dass die Operation genügend Inhalte verteilt habe, um Menschen zu erreichen, die zu russlandbezogenen Themen recherchierten.

Die ISD-Ergebnisse zeigen: 40 Prozent der Pravda-Inhalte auf Mainstream-Webseiten bezogen sich auf den Ukraine-Konflikt. Artikel deckten aber auch US-Innenpolitik, Tech-Unternehmer und andere Themen ab.

Verbreitung über alle Plattformen

Die Inhalte tauchten nicht nur auf News-Webseiten auf, sondern auch in sozialen Medien. Bodnar beobachte, dass sowohl etablierte als auch weniger prominente Quellen unterschiedlichster ideologischer Ausrichtung auf die Artikel des Netzwerks verlinkten.


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