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Zinsen ohne lange Bindung: So funktionieren Geldmarktfonds

Fintechs wie Trade Republic oder Scalable Capital bieten attraktive Zinsen durch Geldmarktfonds – doch das sorgt auch für Kritik. Wir erklären, wie die Fonds funktionieren.
/ Ulrike Barth
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Geldmarktfonds eignen sich, um größere Summen zu parken. (Bild: moerschy from Pixabay)
Geldmarktfonds eignen sich, um größere Summen zu parken. Bild: moerschy from Pixabay / Pixabay License

Anfang dieses Jahres gerieten die Fintechs Trade Republic und Scalable Capital ins Visier von Verbraucherschützern. Die warfen den Neobrokern vor, Kunden nicht transparent genug zu informieren, wie deren Gelder anlegt werden. Denn sie werben mit Zinsen auf Spareinlagen, die über dem Marktdurchschnitt liegen.

Anders als beim klassischen Tagesgeldkonto parken Neobroker die Kundengelder zumindest teilweise in Geldmarktfonds, während ein anderer Teil auf Treuhandkonten bei Partnerbanken verteilt ist. Ob und wie viel Geld in den Geldmarktfonds verteilt wird, erfahren die Kunden laut Verbraucherschützer nur in einem versteckten Hinweis und im Nachhinein.

Trade Republic bietet derzeit zwei Prozent Zinsen pro Jahr auf nicht investierte Guthaben und gibt so den Einlagenzins der Europäischen Zentralbank (EZB) ohne Abschlag weiter. Ähnlich macht es Konkurrent Scalable Capital, der ebenfalls zwei Prozent auf Guthaben zahlt. Auch hier wird der Zinssatz durch eine Kombination aus Bankeinlagen und Geldmarktfonds-Investitionen möglich.

Während die undurchsichtige Kommunikation die Verbraucherschützer störte, können die Fonds selbst tatsächlich eine interessante Alternative zum klassischen Tagesgeldkonto sein.

Was sind Geldmarktfonds?

Der Geldmarkt ist ein zentraler Teil des Finanzmarkts, auf dem kurzfristige Finanzinstrumente mit Laufzeiten unter zwei Jahren gehandelt werden. Vor allem dient er dazu, die Liquidität zwischen Banken, Unternehmen und anderen Finanzinstituten auszugleichen.

Zu den gehandelten Instrumenten gehören Schatzanweisungen, Termingelder, Einlagenzertifikate und Commercial Paper – unbesicherte Schuldverschreibungen von Unternehmen. Die üblichen Handelsvolumen beginnen bei einer Million Euro, ist somit normalerweise institutionellen Investoren vorbehalten. Über Geldmarktfonds können jedoch auch Kleinanleger in den Geldmarkt investieren.

Das Geld der Anleger wird gesammelt und überwiegend in kurzfristige, hochliquide Geldmarktinstrumente investiert – etwa in Termingelder, Einlagenzertifikate, Schatzwechsel oder kurzlaufende Anleihen von Staaten, Banken und Unternehmen mit hoher Bonität.

Geldmarktfonds unterliegen strengen Regeln

Für die Auswahl der Finanzinstrumente gelten bei reinen Geldmarktfonds strenge Regeln: Die Bonität der Emittenten muss erstklassig sein, die maximale Laufzeit beträgt gemäß EU-Regulierung 397 Tage, und es wird auf hohe Liquidität geachtet.

Die Erträge entstehen durch die Kreditzinsen der gehaltenen Instrumente. Weil die Renditen eng an die aktuellen Geldmarktzinsen gebunden sind, reagieren sie entsprechend schnell auf Veränderungen des Zinsniveaus.

Overnight-ETFs sind nicht an dieselben Regeln gebunden

Geldmarktnahe Fonds, auch Overnight-ETFs (Exchange Traded Funds) genannt, investieren zwar ähnlich, sind allerdings nicht an die gleichen strengen Regeln gebunden. Anleger sollten daher bei der Auswahl genau darauf achten, in welche Finanzinstrumente investiert wird.

Klassische Geldmarktfonds werden aktiv verwaltet, hier trifft ein Fondsmanager die Anlageentscheidungen. Dadurch fallen höhere Verwaltungskosten an. Für Kleinanleger können Geldmarkt-ETFs daher eine günstige Alternative sein. Die börsengehandelten Indexfonds bilden einen Geldmarktindex passiv nach, etwa den Euro Short-Term Rate (€STR).

Der €STR ist ein wichtiger Referenzzinssatz für Geldmarktfonds. Die Europäische Zentralbank (EZB) ermittelt diesen auf Basis unbesicherter Tagesgeldsätze der 50 größten europäischen Banken. Seit Oktober 2019 ersetzt er den Eonia-Zinssatz. Der €STR passt sich täglich dem aktuellen Zinsniveau an. Bei einem aktuellen Wert von etwa 2,17 Prozent erzielen entsprechende ETFs nach Abzug der Verwaltungskosten eine Rendite von rund 2,07 Prozent.

Eine Alternative zum Tagesgeld?

Der große Vorteil von Geldmarktfonds: stabile, wenn auch moderate Zinserträge. Seit der Zinswende 2022 sind sie für Anleger wieder attraktiver geworden, weil sie eine Alternative zum klassischen Tagesgeld bieten. Analog zu den Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) senken auch die Banken ihre Zinssätze fürs Tagesgeld immer weiter.

Jedoch wird auch die Zinsentwicklung der Geldmarktfonds von der Geldpolitik der EZB beeinflusst. Zuletzt hat die EZB eine Leitzinssenkung um 25 Basispunkte beschlossen, wodurch der Einlagenzins nun bei 2,0 Prozent liegt. Setzt sie ihre Politik der Zinssenkungen fort, könnte auch die Rendite der Geldmarktfonds schrumpfen. Anleger sollten daher die geldpolitischen Entscheidungen der Zentralbank im Blick behalten, um zu entscheiden, ob sich die Geldanlage noch lohnt.

Aktuell bewegt sich die Rendite von Geldmarktfonds zwischen 2,2 und 2,9 Prozent pro Jahr. Zum Vergleich: Beim Tagesgeld gibt es derzeit ebenfalls noch bis zu drei Prozent Zinsen. Solche Angebote sind oft an Bedingungen gebunden, gelten nur für Neukunden oder nur für einen begrenzten Zeitraum.

Im Schnitt liegt der Tagesgeldzinssatz hingegen bei 1,74 Prozent. Geldmarktfonds können deshalb attraktiv für Sparer sein, die keine Lust auf Zinshopping haben, also nicht regelmäßig das Tagesgeldkonto wechseln wollen, um sich einen guten Zinssatz zu sichern.

Diese Kosten fallen an

Die Kosten von Geldmarktfonds hängen vom Fondstyp ab. Günstige Geldmarkt-ETFs haben eine Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER) von etwa 0,1 Prozent pro Jahr, während aktiv verwaltete Fonds meist höhere Gebühren verlangen. Beim Kauf von Fondsanteilen können zudem Ausgabeaufschläge bis zu 0,5 Prozent anfallen.

Bei ETFs fallen möglicherweise auch Gebühren für Kauf und Verkauf an, die die Rendite reduzieren. Viele Broker und Direktbanken bieten jedoch kostenlose Depotführung und günstige Ordergebühren ab einem Euro oder kostenlose Sparpläne an.

So ist das Geld abgesichert

Das größte Risiko von Geldmarktfonds besteht darin, dass die Rendite im Vergleich zu Aktien-ETFs gering bleibt. Ansonsten gelten die Fonds als sichere Sparmöglichkeit, da sie nur in risikoarme Papiere investieren. Außerdem müssen sie das Risiko breit streuen und in verschiedene Anlageobjekte investieren, wodurch das Risiko ebenfalls minimiert wird.

Geldmarktfonds sind Sondervermögen

Zwar kann der Geldmarkt Schwankungen unterliegen, ein Totalausfall ist aber unwahrscheinlich. Anders als beim Tagesgeld gibt es keine gesetzliche Einlagensicherung, die Bankeinlagen bis 100.000 Euro schützt.

Rechtlich gelten Geldmarktfonds als Sondervermögen. Im Insolvenzfall der Fondsgesellschaft bleibt das Anlagevermögen unangetastet und gehört nicht zur Insolvenzmasse.

Größere Summen parken

Geldmarktfonds sind eine gute Alternative zum Tagesgeld, wenn größere Summen – etwa für einen Hauskauf – geparkt werden sollen, die nicht mehr durch die Einlagensicherung abgedeckt sind.

Die Fondsanteile können börsentäglich gehandelt werden, so dass Anleger schnell an ihr Geld kommen. Allerdings dauert es oft ein paar Tage, bis das Geld vom Depot aufs Girokonto überwiesen wird. Eine Umbuchung vom Tagesgeldkonto erfolgt meist sofort.


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