Zigarre rauchen in der Milliarden-Fab?: Mach's eine Nummer kleiner, Elon!
Elon Musk hat mal wieder etwas besser verstanden als alle anderen. Für Tesla will er nicht nur ein Halbleiterwerk (kurz Fab) für 2-nm-Fertigung bauen, das TSMC neidisch macht, nein, er will darin auch noch Zigarre rauchen können(öffnet im neuen Fenster). Denn alle anderen hätten Reinräume schlicht falsch verstanden, so Musk im Podcast Moonshots(öffnet im neuen Fenster) von Peter Diamandis(öffnet im neuen Fenster), der unter anderem mit seinem Unternehmen Planetary Resources Asteroidenbergbau betreiben will.
Woher die Idee kommt, zeigt sich gleich im Anschluss: Musk hat gehört, dass die Wafer in den Fabs eigentlich gar nicht mit der Umgebungsluft in Kontakt kommen. Was stimmt. Aber der Multimilliardär meint, er habe mal wieder etwas besser verstanden als Menschen, die seit Jahren jeden ihrer Arbeitstage damit verbringen. Es hat einen Grund, weshalb andere Halbleiterhersteller Sprühdeos und Rauchen zwei Stunden vor dem Gang in den Reinraum untersagen. Jede kleine Störung führt zum Anstieg der Defektraten.
Überzogene Selbstgewissheit scheint jedoch bei Musk regelmäßig durch, sie wird zunehmend zum Problem und er ist nicht allein damit. Eine ganze Reihe einflussreicher Personen aus der Tech-Branche scheinen überzeugt zu sein, dass genau ihr Unternehmen nicht weniger als die Rettung der Menschheit ist und sie deren klügste Köpfe sind. Das zeigt auch Dave Blundin, der zweite Host neben Diamandis. Er versteht nicht, warum TSMC sich vor Überkapazitäten sorgt.
Der Gründer eines Investmentfonds hat offensichtlich noch nie von den Boom-Bust-Zyklen der Halbleiterindustrie gehört. Aber er investiert in KI-Start-ups und die wollen entsprechende Hardware, also soll die auch bitte mal jemand bauen. Es kann doch nicht so schwer sein! Eine solche Kurzsichtigkeit traut man Menschen, die milliardenschwere Unternehmen leiten, gar nicht zu.
Hier erweist sich sogar Elon Musk als weitsichtiger: Er erklärt Blundin, dass es schlicht an Energie fehlen würde, würde TSMC die Produktion von Nvidias B300-GPU verdoppeln. Dennoch ist auch er mit TSMC unzufrieden, weshalb er überhaupt erst auf die Idee kam, eigene Fabs zu bauen(öffnet im neuen Fenster). Mit dem Plan ist aber bereits OpenAI gescheitert, die Gründe dafür hat Golem ausführlich beschrieben (g+).
Auch hier wäre Energie wieder ein Thema, außerdem bräuchte auch Musk einen Partner, der das Know-how beisteuert. TSMC lehnte bei OpenAI freundlich, aber bestimmt ab. Dass Musk all dies nicht bewusst zu sein scheint, disqualifiziert ihn zunehmend als CEO milliardenschwerer Unternehmen.
Für CEOs wirken Probleme kleiner, als sie sind
Das Problem: Führungspersonen sind nie mit allen Details vertraut, und das ist auch gar nicht ihre Aufgabe. Sie geben die Richtung vor, aber wenn sie dabei die Unvollständigkeit ihres Wissens ignorieren, können sie diese Rolle nicht erfüllen.
Dabei waren Elon Musks kompromisslose Konzentration auf ein Ziel und sein extremer Optimismus einst Teil seines Erfolgs. Er glaubte an Tesla und SpaceX, als andere sie längst abgeschrieben hatten. Und ganz sicher ist er in der Lage, auf Basis unvollständiger Informationen schnelle Entscheidungen zu treffen. Aber die Unvollständigkeit hat wohl unweigerlich zugenommen, denn seine Ziele sind seit Tesla und SpaceX immer größer geworden. Und damit auch die Herausforderungen und das zur Umsetzung erforderliche Wissen.
Genau diese wachsende Lücke scheint er, wie einige andere auch, aber zu übersehen, was zunehmend zum Problem wird. Denn mittlerweile geht es nicht mehr um Millionen, sondern um Hunderte Milliarden, die Fallhöhe hat deutlich zugenommen. Wenn etwa die KI-Blase platzt, hat sie das Potenzial, zumindest die US-Wirtschaft mitzureißen.
Dass Musk sich der Unvollständigkeit seines Wissens nicht bewusst ist, zeigen die vielen Beispiele, in denen seine Visionen weit langsamer realisiert wurden, als es ihn seine oberflächliche Kenntnis erwarten ließ.
Elektroautos waren relativ einfach, eine Chipfabrik ist es nicht
Dazu nur mal einige Beispiele: Beim Starship ist es bereits ein Erfolg, wenn es nicht explodiert, einen Marsflug im Jahr 2026 schließt Musk im Gespräch mit Diamandis effektiv aus. Vor eineinhalb Jahren(öffnet im neuen Fenster) wollte er bis Ende 2026 noch "etwa fünf unbemannte Starships" zum Mars schicken.
Tesla hat seine einstige Führungsrolle im E-Auto-Markt längst eingebüßt. Den selbst entworfenen KI-Supercomputer Dojo hat Tesla im August 2025 beerdigt(öffnet im neuen Fenster), der Roboter Tesla Optimus sollte 2023 fertig sein; teils mimten ihn Schauspieler, aktuell kann er winken und Popcorn in Tüten schaufeln. Chinesische Unternehmen sind hier wesentlich weiter.
Daraus sollte Musk eigentlich lernen und weniger großspurige Pläne schmieden. Das Gegenteil ist aber der Fall, neben Fabs ohne Rauchverbot ist er von Weltraumrechenzentren überzeugt, obwohl Physik und Ökonomie dagegen sprechen. Ja, ein CEO braucht Visionen, aber die müssen auch mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand realisierbar sein. Andernfalls sollte er lieber Science-Fiction-Autor werden.
Denn ein CEO hat Verantwortung und sollte in Erwägung ziehen, dass er nicht klüger ist als die Tausenden Mitarbeiter seines oder gar anderer Unternehmen. TSMCs CEO C. C. Wei ist mir da wesentlich sympathischer: Der scherzt sogar, dass er nur mit CEOs rede und von technischen Details keine Ahnung habe – um dann an seine Kollegen abzugeben. Denn Spitzentechnik ist Mannschaftssport.
IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)
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