Zielgruppenwerbung: Facebook ermöglicht Anzeigen direkt an "Judenhasser"

Wie genau lassen sich Anzeigen auf Facebook schalten? Die Algorithmen des sozialen Netzwerks bieten Werbekunden sehr merkwürdige Zielgruppen an.

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Auf Facebook ließ sich gezielt die Gruppe der "Judenhasser" ansprechen.
Auf Facebook ließ sich gezielt die Gruppe der "Judenhasser" ansprechen. (Bild: Propublica)

Das Werbeunternehmen Facebook hat es seinen Kunden bis vor kurzem ermöglicht, Anzeigen gezielt für antisemitische Nutzer zu schalten. Wie das US-Portal Propublica berichtete, konnten für die Vermarktung von Nazi-Memorabilien oder die Werbung für rechtsradikale Veranstaltungen die Zielgruppen "Judenhasser", "Wie man Juden verbrennt" oder "Die Geschichte von 'Warum Juden die Welt ruinieren'" ausgewählt werden. Solche Zielgruppen beruhen auf Angaben, die Nutzer des sozialen Netzwerks von sich selbst etwa zu Ausbildung, Alter und Weltanschauung machen.

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Zudem war es laut Propublica möglich, Anzeigen für Nutzer zu platzieren, die etwa "Nazi Party" oder "German Schutzstaffel" als ihren Arbeitgeber eingetragen hatten. Allerdings waren die genannten Kategorien dem Bericht zufolge zu klein, um überhaupt als Zielgruppe gebucht werden zu können. Demnach gab es etwas mehr als 2.000 Nutzer in der Kategorie "Judenhasser", kaum größer waren die Gruppen für "German Schutzstaffel" oder "Nazi Party". Knapp 200.000 Facebook-Nutzer interessieren sich hingegen für die rechtsextremistische NPD, so dass mit Einbeziehung dieser Gruppe schließlich Werbung gebucht werden konnte.

Facebook ändert Algorithmen

Propublica schaltete nach eigenen Angaben auf diese Weise drei Anzeigen, die auf einen Artikel ohne Bezug zum Thema verlinkten. Das Werbeunternehmen akzeptierte die Aufträge innerhalb von 15 Minuten. Einzige Änderung: Facebook änderte die Kategorie "Jews Hater" in "Antysemityzm" um, der polnischen Schreibweise für Antisemitismus.

In einem Blogbeitrag kündigte Facebook anschließend an, seine Zielgruppenwerbung zu verändern. Die erwähnten Gruppen seien entfernt worden. Die von den Nutzern selbst angegebenen Interessen sollen vorerst nicht mehr verwendet werden, damit Werbung nicht zur Diskriminierung genutzt werden kann. Das Unternehmen will neue Prozesse entwickeln, um solche Vorfälle künftig zu vermeiden. Laut Facebook können Werbekunden alle "unangemessenen" Zielgruppen direkt in dem Anzeigenportal oder über das Hilfe-Center melden.

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Erst in der vergangenen Woche hatte Facebook eingeräumt, dass etwa 3.000 politische Anzeigen in den vergangenen Jahren von einem Netzwerk gefälschter Accounts mit russischem Hintergrund geschaltet worden waren. Bei der Überprüfung der Anzeigenverkäufe sei festgestellt worden, dass zwischen Juni 2015 und Mai 2017 etwa 100.000 US-Dollar für Anzeigen ausgegeben worden seien, die mit 470 gefälschten Accounts und Seiten verbunden gewesen seien.

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