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Zertifikatehandel: Recherchen bezweifeln Wirksamkeit von CO2-Kompensation

Ein großer Teil des weltweiten CO2-Zertifikatehandels basiert auf dem Schutz von Wäldern. Die Kompensation scheint aber oft überbewertet zu sein.
/ Tobias Költzsch
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Weltweit soll durch den Schutz von Wäldern CO2 kompensiert werden. (Bild: Pixabay)
Weltweit soll durch den Schutz von Wäldern CO2 kompensiert werden. Bild: Pixabay / Pixabay-Lizenz

Das internationale Kompensationsmodell für CO2 könnte jüngsten Recherchen zufolge auf Unmengen an CO2-Zertifikaten beruhen, die keinen echten Wert haben. Das deuten Untersuchungen der Zeit(öffnet im neuen Fenster) , des britischen Guardian und der Investigativplattform Source Material an.

Der Recherche zufolge scheint es gängige Praxis zu sein, überbewertete Zertifikate in Umlauf zu bringen. Diese werden dann von Großunternehmen als Ausgleich für den eigenen CO2-Ausstoß erworben, auch von Firmen aus der Techbranche wie etwa Apple, SAP oder Netflix. Durch die vermutete Überbewertung wird am Ende jedoch nicht die tatsächliche Menge an freigesetztem CO2 kompensiert.

Die Grundidee des Zertifikatehandels ist, dass Unternehmen für ausgestoßenes CO2 Zertifikate kaufen, die an anderer Stelle für die Einsparung von CO2 sorgen sollen. Dabei gibt es unterschiedliche Ansätze, unter anderem das Pflanzen von Bäumen, die Unterstützung alternativer Energien, aber auch den Schutz von bestehenden Waldgebieten. Die auf dem Schutz von Waldgebieten basierenden Zertifikate sind diejenigen, die problematisch sein sollen.

Verhinderung geplanter Abholzung erzeugt CO2-Zertifikate

Die Grundidee dabei ist, dass eine geplante Abholzung verhindert und der daraus resultierende CO2-Ausgleich als Zertifikat verkauft wird. Ein großer Teil der von der Zeit und ihren Partnern untersuchten Projekte scheint aber massiv überbewertet zu sein. Das bedeutet, dass eine CO2-Kompensation durch angeblich verhinderte Abholzung errechnet wurde, die letztlich nicht der Realität entspricht.

Kaufen Unternehmen diese Zertifikate als Ausgleich für den eigenen CO2-Ausstoß, wird dieser letztlich gar nicht wirklich kompensiert. Die Zeit untersuchte 29 von 87 Waldschutzprojekten, 90 Prozent der daraus resultierenden Zertifikate sollen wertlos sein. Diese sollten eigentlich 89 Millionen Tonnen CO2 ausgleichen.

In der Recherche werden unter anderem die Waldschutzzertifikate an sich kritisiert: Selbst bei nicht überbewerteten Gebieten ist es völlig unklar, ob die Wälder in der Zukunft nicht doch noch abgeholzt werden. Dann wäre die errechnete und bereits verkaufte Kompensation hinfällig. Auch kritisieren die Zeit und ihre Partner die NGO Verra, die 75 Prozent der Emissionen auf dem freiwilligen Kompensationsmarkt zertifiziert.

Verifizierungs-NGO soll Probleme ignorieren

Den Journalisten und Kritikern zufolge soll Verra von den Überbewertungen wissen und dieses System mindestens hinnehmen, wenn nicht sogar davon profitieren. Auch andere Zertifizierungsorganisationen sollen bei der Bewertung von Waldgebieten Probleme absichtlich übersehen.


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