Zensurvorwürfe: Will Xiaomi vor allem Porno-Werbung filtern?
Was steckt hinter den Wörterlisten auf Xiaomi-Geräten, die nach Ansicht litauischer Behörden für politische Zensur genutzt werden könnten ? Während das Unternehmen jede Art von Zensur zurückweist, haben sich Android-Experten die Listen genauer angeschaut. Dabei ist aufgefallen, dass sie neben politischen Begriffen wie "Freies Tibet" , "demokratische Bewegung" oder "Lang lebe das demokratische Taiwan" auch Gerätebezeichnungen wie "xiaomi mi5" oder "sony ericsson" enthielten. "Die große Mehrheit der Begriffe hat tatsächlich mit Sex, Porn und anderen Smartphone-Marken zu tun" , schreibt das Portal Xda-Developers(öffnet im neuen Fenster) .
Das litauische Zentrum für Cybersicherheit hat am 22. September 2021 vor Sicherheitsproblemen bei der Nutzung chinesischer 5G-Smartphones gewarnt. Demnach laden mehrere Apps auf Xiaomi-Geräten, darunter der Mi Browser, regelmäßig eine Liste mit verbotenen Schlüsselwörtern herunter. Wenn ein Nutzer Inhalte herunterlade, die solche Schlüsselwörter enthielten, werde der Download automatisch blockiert. Diese Funktion sei in der EU nicht aktiv, zudem enthalte die Liste nur chinesische Schriftzeichen.
Mehr als 2.000 Begriffe gefunden
Anders als auf dem Xiaomi Mi 10T 5G der litauischen Behörden enthielt die beanstandete Datei MiAdBlacklistConfig auf dem Gerät des Xda-Developer-Autors Adam Conway (Xiaomi Mi 11 Ultra) deutlich mehr Einträge. Während die Liste der litauischen Untersuchung (PDF)(öffnet im neuen Fenster) zufolge 449 Begriffe enthielt, zählte Conway 2.210 Einträge. Davon hätten die wenigsten einen Bezug zu politischen oder religiösen Gruppen. Zudem werde die Liste nur in einer Video-App verwendet und nicht in dem Mi-Browser.
Conways Analyse zufolge wird die JSON-Datei in einer Java-Methode eingesetzt, die in einem Xiaomi-SDK zur Darstellung von Anzeigen enthalten sein soll. "Es ist ziemlich klar, dass der Filter speziell zum Filtern von Werbung verwendet wird, und ich denke auch, dass es ziemlich offensichtlich ist, warum er benötigt wird" , schreibt Conway und verweist auf ein Problem Xiaomis mit vulgären und anstößigen Anzeigen(öffnet im neuen Fenster) . Daher fänden sich auch entsprechende Suchbegriffe in der Liste.
Allerdings kann sich auch Conway nicht erklären, warum Begriffe wie "Mi" oder "hottest" in der Liste enthalten sind. Völlige Entwarnung gibt er jedoch nicht, da nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Liste künftig nicht tatsächlich für die Zensur von Inhalten verwendet werde.
SPD-Politiker besorgt
Entsprechend besorgt zeigt sich daher weiterhin der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jens Zimmermann. "Die Entdeckungen der Behörden in Litauen sind alarmierend" , sagte Zimmermann dem Handelsblatt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) müsse den Hinweisen "umgehend" nachgehen und das Ausmaß der Gefährdung bewerten. "Insbesondere muss geklärt werden, ob diese Geräte die entsprechende Zensur auch jeweils an chinesische Stellen melden" , sagte der SPD-Politiker.
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Auch Sven Herpig, Leiter für Internationale Cybersicherheitspolitik bei der Stiftung Neue Verantwortung, sieht die deutsche Cybersicherheitsbehörde am Zug. "Das BSI sollte hier Aufklärungsarbeit leisten und den Verbrauchern mitteilen, wie sie sich jetzt verhalten sollen" , sagte Herpig dem Handelsblatt. Die Behörde habe sich auch den digitalen Verbraucherschutz auf die Fahnen geschrieben, dann solle sie auch entsprechend handeln und zu dem litauischen Regierungsbericht Stellung beziehen. "Die Warnung der litauischen Regierung vor chinesischen Smartphones ist schon schwerwiegend."
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