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Zenbook UX31 im Retro-Test: Das erste Ultrabook läuft und läuft und ... nervt

Seit zehn Jahren ist eines der ersten Ultrabooks ein treuer Begleiter der Golem.de-Redaktion. Das Gerät zeigt, was mit guter Hardware möglich ist und was fehlt.
/ Sebastian Grüner
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Das Asus Zenbook UX31 läuft immer noch, aber leider nicht mehr so wie gewünscht. (Bild: Golem.de)
Das Asus Zenbook UX31 läuft immer noch, aber leider nicht mehr so wie gewünscht. Bild: Golem.de

Vor etwas mehr als zehn Jahren gab es eigentlich nur einen Hersteller, der schöne, schlanke und vor allem leichte, elegante Laptops angeboten hat: Apple mit seinen Macbooks. Intel, dessen OEM-Partner und nicht zuletzt wohl auch Microsoft haben dann mit den sogenannten Ultrabooks im Jahr 2011 zurückgeschlagen und damit eine Geräteklasse für ein gesamtes Jahrzehnt definiert - auch wenn der Begriff Ultrabook heute kaum noch verwendet wird.

Eins der allerersten Ultrabooks, das Asus Zenbook UX31 , konnte Golem.de bereits im Herbst 2011 testen und der Laptop war seit dem Jahr 2012 produktiv im Einsatz. Auch zehn Jahre später wird das Gerät ab und zu noch gebraucht - wenn auch immer seltener. Denn nicht immer braucht es hochgezüchtete Hardware für den Einsatz als Entwicklungsmaschine. Manchmal reicht es auch, einen leichten Laptop für unterwegs zu haben, auf dem sich im Editor noch kurz was schreiben lässt. Etwa auf der Zugfahrt während des kleinen Wochenendtrips.

Da muss es auch nicht das beste oder aktuelle Top-Gerät sein. Es reicht irgendeine alte Hardware, die halt noch rumliegt, weil sie zu schade ist zum Wegwerfen - wie unser Zenbook. Das zehnjährige Jubiläum ist Grund genug, das Gerät nicht mehr nur im absoluten Notfall auszupacken, sondern als alleinigen Arbeitslaptop für eine Woche im Homeoffice zu verwenden.

Vor allem bei Form, Design und Gewicht zeigt sich, mit wie viel Vision für die Zukunft die neue Ultrabook-Kategorie von Intel erstellt worden ist. So macht das Zenbook UX31 immer noch einen sehr schlanken Eindruck und wirkt dank des Aluminium-Gehäuses fast unverwüstlich. Außer einem kleineren Kratzer auf dem Gehäusedeckel hat das Ultrabook die zehn Jahre Einsatz weitgehend unbeschadet überstanden.

Schlank, aber nicht mehr transportabel

Verblüffend sind auch die immer noch zeitgemäßen und vor allem kompakten Maße des Zenbook. Mit 325 x 223 x 17,5 mm und einem Gewicht von 1,3 kg ist das mehr als zehn Jahre alte Ultrabook nur miminal größer und schwere als etwa ein aktuelles XPS 13 von Dell (295 x 199 x 15,3 mm und 1,24 kg) oder auch das Macbook Air 2020 (300 x 212 x 16mm und 1,3 kg).

Uns überrascht dabei nicht nur, wie gut sich das Zenbook im Vergleich zu aktueller Hardware gehalten hat. Vielmehr ist es offenbar so, dass die damals von Intel und seinen OEMs - sowie auch von der Konkurrenz Apple - gesetzten Maße schlicht ein für Kunden wie Hersteller dauerhafter Sweetspot sind. Experimente vor allem mit deutlich leichteren Laptops bleiben weiter selten oder sie sind sehr teuer.

Doch schon kurz nach dem ersten Start für unseren Retro-Test und der Eingabe des Passworts erinnern wir uns daran, warum das Zenbook vor allem in den letzten Jahren von uns vernachlässigt worden ist und eher verstaubt, statt auf einen Wochenendtrip mitgenommen zu werden: Die Tastatur klemmt teilweise und manche Taste ist nur noch mit viel Liebe und gutem Zureden benutzbar.

Mit einigem Fingerspitzengefühl und Gehirnjogging zur Erinnerung an das Passwort können wir uns schließlich anmelden und im Prinzip funktioniert auch noch alles, doch dazu später mehr. Da wir gerade eh im Homeoffice arbeiten, stört auch die Laptop-Tastatur nicht weiter und wir wollen das Zenbook in unserem Setup testen.

Schlecht aufgelöst und ungewohnte Peripherie

Klappen wir das Zenbook auf, fallen wir in eine tiefe und längst verloren geglaubte Zeit zurück - das Zeitalter des Displayrands. Dieser ist beim ersten Ultrabook etwa daumendick und aus grauem Plastik. Das wirkt in der Ära der randlosen Smartphones und nahezu randlosen Laptops nicht nur völlig aus der Zeit gefallen, sondern irgendwie auch billig. Derartig dicke Displayränder gibt es zwar immer noch, aber meist nur noch im unteren Preissegment.

Die aktuellen Laptops haben also nicht nur ein größeres Display, sondern sind auch deutlich besser aufgelöst als das Zenbook. Bei aktuellen Geräten jenseits der 1000-Euro-Marke sind 1080p-Displays zwar immer noch sehr weit verbreitet, Dell packt inzwischen jedoch sogar 3840 x 2400 Pixel in ein 13-Zoll-Gehäuse.

Das Zenbook-Panel mit 1.600 x 900 Pixeln hatten wir vor zehn Jahren noch als erfreulich hoch aufgelöst beschrieben . Das war damals sogar größer als beim Macbook Air 13 mit 1.440 x 900 Pixeln. Mittlerweile ist uns diese Auflösung aber deutlich zu niedrig. Und auch einige Desktops-GUIs oder auch Webseiten sind inzwischen auf 1080p ausgelegt, so dass bei der aktuellen Arbeit mit dem Zenbook UX31 ab und zu dann doch ein paar Pixel fehlen, die wir schmerzlich vermissen.

Vergessenes und verlorenes Micro-HDMI

Aber nicht nur das inzwischen schlecht aufgelöste Panel macht uns die Arbeit schwer, sondern auch längst verdrängte Probleme wie der Micro-HDMI-Anschluss. Denn für unseren Homeoffice-Einsatz mit externem Display benötigen wird eben einen passenden Adapter. Der für das Zenbook mal angeschaffte findet sich aber nicht mehr, so muss zunächst ein neuer her.

Auch über HDMI auf einem externen Display schafft die eingebaute Intel-GPU nur maximal 1920 x 1200 Pixel, was ebenso schlecht aufgelöst wirkt. Wir arbeiten sonst auf einem 4K-Gerät von Eizo auf 27 Zoll. Aber auch hier lässt sich gerechterweise einwenden, dass viele 27-Zoll-Monitore immer noch mit Full-HD-Auflösung verkauft und auch genutzt werden. Unser Zenbook kann diese problemlos weiter bespielen.

Davon abgesehen verfügt das Zenbook noch über einen USB-3.0-Anschluss, über den wir unseren Hub mit Tastatur, Maus und Ethernet anschließen können. Für die typische Büroarbeit reicht das eigentlich aus. Der USB-C-Anschluss an unserem Eizo mit integriertem Hub vereint dies zwar praktischerweise inzwischen in einem Kabel und kann einen modernen Laptop darüber sogar noch laden. Als massive Einschränkung empfinden wir das fehlende USB-C an dem Zenbook aber überraschenderweise nicht. Es ist nur etwas ungewohnt.

Was aber wirklich an dem Laptop nervt, ist das völlig veraltete und langsame WLAN, das nur auf dem 2,4-GHz-Band genutzt werden kann. Darüber hinaus nutzt die WLAN-Karte einen eigenen proprietären Anschluss und kann somit nicht gegen ein neues Modell getauscht werden. Auch hat der Akku zwar noch eine vom Betriebssystem angegebene Kapazität von 65 Prozent, realistisch arbeiten können wir damit aber höchstens noch zwei Stunden. Eingeschränkt wird die Arbeit zudem durch den Rest der Hardware.

Ein Ultrabook im Schneckentempo

Asus hat im schlanken Gehäuse des Zenbooks den damals schnellsten ULV-Prozessor von Intel verbaut. Der Core i7-2677M taktet seine beiden Kerne in der Regel mit 1,8 GHz und kann im Bedarfsfall auf 2,9 GHz hochtakten. Der Dual-Core unterstützt außerdem Hyperthreading.

Zwar verkauft Intel immer noch Kerne, die ungefähr den Daten der CPU aus dem Zenbook entsprechen. Doch im Fall der aktuellen Alder-Lake-CPUs wären das eben nicht mehr die schnellsten im Angebot, sondern eher die langsamsten. Hinzu kommen etwa zehn Jahre Weiterentwicklung der Mikroarchitektur, so dass die Alder Lake den alten Sandy-Bridge-Chip garantiert sogar bei einem geringeren Energiebudget schlagen.

Im Vergleich des i7-2677M(öffnet im neuen Fenster) mit dem Core i7-1185G7(öffnet im neuen Fenster) (Tiger Lake) schneidet letzerer selbst bei der Single-Thread-Leistung mit einem rund dreifach besseren Wert in Geekbench ab, der Multi-Core-Wert erreicht auf dem Tiger Lake gar rund das Vierfache des Sandy-Bridge-Chips. Das ist möglich dank Quad-Core und acht Threads - wohl gemerkt aber bei gleicher TDP von 15 W.

Und all diese im Vergleich zu heute schlechten Werte des Zenbook zeigen sich bei der täglichen Arbeit immer wieder. Seien es Webseiten mit viel Javascript oder Webassembly, die Darstellung von Videos, die wegen fehlender Hardware-Beschleunigung im Browser per CPU decodiert werden, oder intensivere Arbeitsschritte wie das Suchen in E-Mails oder das Kompilieren von Code - fast alles, was über das Tippen im Editor hinausgeht, fühlt sich einfach nur noch zäh an.

Langsamer RAM und SSD

Verschlimmert wird das eigentlich nur noch durch die 4 GByte DDR3 RAM. Der ist nicht nur langsam, sondern inzwischen schlicht auch zu klein bemessen. Eine für uns übliche Desktop-Nutzung mit mehreren Chat-Anwendungen in Electron-Clients, E-Mail-Client, eine Browser-Sitzung mit häufig mehr als 40 Tabs und einer Textverarbeitung zwingen den Arbeitsspeicher und das Betriebssystem an eine volle Auslastung.

Im beschriebenen Fall wird dann auch auf die ebenfalls nicht mehr wirklich schnelle Sata-SSD geswapped. Vom einstmaligen Versprechen, ein schneller Laptop zu sein, ist das Zenbook aus heutiger Sicht sehr weit entfernt. Zu sehr haben sich die eigenen Gewohnheiten wie auch die benötigten Ressourcen bestimmter Anwendungen verändert.

Fazit

Benutzt haben wir das Zenbook in unserem Test mit dem aktuellen Ubuntu 21.10, was weiter problemlos möglich ist. Das zeigt aber weniger die Stärken des Zenbook als die der Linux-Community. Denn mit dem aktuellen Windows 11 lässt sich das Zenbook aufgrund der neueren Hardware-Anforderungen nicht mehr verwenden.

Darüber hinaus wussten wir, dass die Ausstattung des Zenbook mit einem Dual-Core, 4 GByte RAM und einer 128 GByte SSD heutzutage eigentlich nur noch sehr günstigen Geräten wie Chromebooks entspricht, etwa einem Lenovo-Gerät für weniger als 300 Euro.

Zugegeben, dass das Zenbook aus heutiger Sicht absolut keine Maschine mehr für leistungshungrige Einsätze ist, war uns schon vor Beginn des Tests klar. Zum Entwickeln mit IDE, Emulator, VM oder Container wollten wir das erste Ultrabook sowieso nicht mehr benutzen. Gehofft hatten wir aber auf einen langfristig stabilen Einsatz in der Kategorie: leichte Schreibmaschine.

Praktisch möglich ist das inzwischen aber nicht mehr. Grund dafür ist etwa die mittlerweile leider kaputte Tastatur, die wirklich sehr kurze Akku-Laufzeit und das schlechte WLAN. Der Akku lässt sich allerdings noch leicht wechseln und Ersatzgeräte finden sich dafür online.

Zur Reparatur der Tastatur, die ebenfalls noch als Ersatzteil über Dritte beziehbar ist, muss aber das gesamte Gerät inklusive Mainboard auseinandergebaut werden. Praktikabel ist das unserer Meinung nach nicht. Ein WLAN-Upgrade ist gleich gar nicht möglich. Das Zenbook ist so eben nicht mehr wirklich als schlanker und leichter Laptop nutzbar.

Auch im Homeoffice-Einsatz macht sich die veraltete Hardware bemerkbar. Alles ist schleppend langsam und nichts an der Arbeit mit dem Gerät fühlt sich noch zeitgemäß an. Dennoch ertappen wir uns trotzdem immer wieder bei dem Gedanken, dass das Zenbook eigentlich noch in Ordnung ist und wir das Gerät gern weiter benutzen würden, statt 300 Euro für ein Neugerät als Schreibmaschine auszugeben. Vorausgesetzt das Zenbook wäre sinnvoll reparierbar und die Hardware aktualisierbar.

Eigentlich könnte es ausreichen, das Innenleben für diesen Preis zu aktualisieren und den lieb gewonnene Laptop zumindest als Zweitgerät auch noch die nächsten Jahre zu verwenden. Mit dem erst vor wenigen Wochen erschienen Framework-Laptop halten wir solch ein Szenario in den nächsten zehn Jahren durchaus für möglich und erreichbar, sofern das Unternehmen nicht pleite geht.

Im Fall unseres Zenbook bleibt genau das aber nicht mehr als ein Traum und wir müssen uns wohl vom ersten Ultrabook verabschieden - diesmal für immer.


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