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Zelda Breath of the Wild im Test: ÜBERWELTigend!

Seit Mario 64 hat uns kein Launch-Titel für eine neue Konsole so begeistert wie das neue Zelda: Breath of the Wild für die Nintendo Switch .
/ Michael Wieczorek
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Link und Hyrule auf dem Cover für Breath of the Wild (Bild: Nintendo)
Link und Hyrule auf dem Cover für Breath of the Wild Bild: Nintendo

Da hinten auf dem Hügel steckt doch das Master-Schwert im steinernen Sockel. Wir erblicken das bedeutsame Relikt bereits in der ersten Viertelstunde mit dem neuen Action-Adventure von Nintendo auf einem einsamen kleinen Hügel. Mit einem formschönen und schick animierten Kopfsprung hechten wir von einer nahen Klippe in den kreisförmigen Teich, der das kleine Gebirge umgibt. Ein paar Brustschwimmzüge später stehen wir als Serienheld Link vor einem nicht weniger anstrengenden Klettergang. Oben angekommen reißen wir die Klinge mühelos aus dem Stein und der Infotext erscheint:

" Verrostetes Schwert: Vor langer Zeit hat dieses Schwert vielleicht einmal ein berühmter Kämpfer geführt. Aber jetzt ist es so mitgenommen, dass es nicht mehr als ein paar Schläge aushält."

Symbolträchtiger könnte der Auftritt des Master-Schwerts in Breath of the Wild kaum sein. Nintendo bricht mit der alten linearen Zelda-Formel, die A Link to the Past auf dem Super Nintendo eingeführt und Ocarina of Time auf dem Nintendo 64 in 3D veredelt hat.

Zelda Breath of The Wild – Fazit
Zelda Breath of The Wild – Fazit (02:07)

Der Software-Abgesang auf die Wii U und Starttitel für die Nintendo Switch ersetzt das alte Konzept mit einer unfassbar großen stimmig wirkenden Welt, die es zu erkunden gilt. Damit geht die Serie zurück zu ihrem absoluten Ursprung auf dem Famicom Disk System oder NES. Auch da gab es bereits keine lineare Abfolge, sondern nur den Helden Link und eine riesige frei erkundbare Welt voller Rätsel und Mysterien.

The Legend of Zelda (1986 und 1995) – Golem retro_
The Legend of Zelda (1986 und 1995) – Golem retro_ (09:13)

Nintendo übertrifft mit dem neuen Hyrule in puncto Detailverliebtheit bei der Welt nicht nur sich selbst, sondern auch den Rest der Videospielbranche einschließlich dem zuletzt erschienenen Horizon Zero Dawn. Auch wenn Sonys Open-World-Abenteuer auf der Playstation 4 aus technischer Sicht grafisch extrem beeindruckend ist, wirkt die Welt im Vergleich mit dem neuen Hyrule stumpf.

Hyrule – Land unzähliger Details

Wolken laufen in Breath of the Wild an den Bergspitzen zusammen und ergießen sich darauf in einem Regenschauer. Das erschwert Link das Klettern: Auf glatten Oberflächen findet er bei Regen nicht den nötigen Halt und muss sich einen anderen Weg suchen. Insekten verkriechen sich in den heißen Stunden tagsüber im hohen Gras und lassen sich morgens und Abends im seichten Nebel an feuchten Ufern leichter fangen. Rehe wollen getätschelt werden, bevor Link auf ihnen reiten darf.

Livestream beginnt ab Minute 49:50

Wir können einen Wald in Brand stecken und die erzeugten Hitzewellen danach als Auftrieb bei einem Gleitflug mit unserem Paraglider nutzen. Die Physik-Engine lässt Lebewesen und Objekte (selbst die Rubine) wuchtig aufeinanderprallen und reagieren. Während Troll- und Echsengegner sich zu Beginn effizient mit Bomben bekämpfen lassen, treten sie die Dinger später einfach aus dem Weg und hauen kurz darauf einmal kräftig zu, und wir sind tot. Alles wirkt so echt. Game over.

Streckenweise sind wir frustriert, wenn wir es auch nach dem dritten Anlauf nicht schaffen, ein Camp voller Bösewichte zu besiegen und den langen Kampf erneut angehen müssen. Allerdings sind wir auch immer wieder versöhnt, wenn wir einfach weiterziehen und hinter der nächsten Höhle oder dem nächsten Gipfel erneut etwas anderes Spannendes entdecken.

In Breath of the Wild entdecken Spieler so lange sie wollen diese zahllosen Details, lösen Kettenreaktionen aus oder stoßen auf lustige Zufälle. Das ist das Spiel. Deswegen hören wir an dieser Stelle auf, noch mehr von der Welt zu erklären. Wir haben für den Test 40 Stunden lang gespielt und haben erst knapp die Hälfte der Welt gesehen, und Zelda war immer noch gefangen.

Zelda retten: Kein Problem, oder doch?

Wann wir uns dazu entscheiden, Bösewicht Ganon im Schloss von Hyrule zu stellen, ist nach der kurzen Tutorialebene uns überlassen. Theoretisch können wir direkt zu ihm. In der Praxis sind wir allerdings bei allen Versuchen kläglich gescheitert, weil wir nicht genügend Lebensenergie sowie Ausdauer hatten und erst recht keine mächtigen Rüstungen oder Waffen führten.

Überall verteilt in Hyrule sind über 100 Schreine. Das sind Mini-Dungeons, in denen es meist darum geht, ein oder zwei Rätsel zu lösen. Länger als eine halbe Stunde dauert das nie, viele lösen wir auch in unter fünf Minuten. Mit jeweils vier Token, von denen es am Ende jedes Schreines eins als Beute gibt, können wir entweder unser Kontingent an Herzen oder Ausdauer erhöhen.

Rüstungen und Waffen finden wir entweder durch Zufall, in den serientypischen Schatzkisten oder kaufen sie bei Händlern. Genau wie in den großen Rollenspielen wie The Witcher oder Skyrim hat auch Link in Breath of the Wild ein komplexes Inventar. Dort sammeln sich Hiebwaffen, Bögen, Kleider, Zutaten fürs Kochen (für Buffs) sowie weiterer Krimskrams an.

Schöne, aber nicht ganz flüssige Grafik

Dass Hyrule wunderschön ist, haben wir ja schon beschrieben. Völlig stabil bleibt die Bildrate bei der von uns gespielten Switch-Version aber nicht immer. Vor allem beim Einsatz von Spezialfähigkeiten, Regen im hohen Gras oder in manchen Dörfern geht die Bildrate spürbar auf circa 20 Bilder pro Sekunde runter. Unspielbar wurde es aber nie.

Manche Spieler werden sich an den matschigen Texturen stören. Die Ladezeiten zu Beginn des Abenteuers, beim Teleportieren (Schnellreisefunktion) und beim Übergang in die Schreine sind mit 10 bis 15 Sekunden gerade noch schnell genug, um nicht zu stören.

Im Handheld-Modus (720p) läuft Zelda mit einer etwas stabileren Bildrate als im Konsolen-Modus (900p auf 1080p skaliert) der Switch. Dafür fällt die bilineare Filterung stärker auf. Link schiebt immer ein paar Linien vor sich her, die verschiedene Detailstufen bei Texturen offenbaren.

Auch die extreme Weitsicht hat ihren Preis: Beim Fliegen sind starke Pop-ups von Details erkennbar. Manchmal tauchen auch Kisten, Gegner und Bäume aus dem Nichts auf.

Verfügbarkeit und Fazit

Zelda Breath of the Wild erscheint für knapp 70 Euro am 3. März 2017 für die Wii U und Nintendo Switch. Die USK hat dem Spiel eine Altersfreigabe ab 12 Jahren erteilt.

Fazit

So eine lebendige, organische und überzeugende Fantasywelt wie Hyrule in Zelda Breath of the Wild haben wir noch nie zuvor erlebt. Nintendo überrascht und fesselt Spieler durch unfassbar viel Liebe im Detail. Auch topographisch ist Hyrule sehr realistisch: Die Größenverhältnisse stimmen, was echtes Reisegefühl aufkommen lässt.

Während 100 Schreine und nur vier primäre Dungeons auf dem Papier nach einer merkwürdigen Verteilung klingen, finden wir die Entscheidung zur Kleinteiligkeit von Nintendo schlussendlich aber genau richtig. Hyrule selbst überwältigt den Spieler nämlich mit einer Detailverliebtheit, die wir so ansonsten nur in Ansätzen von GTA kennen. Erkunden, sammeln, kochen und mit Gegnern oder schlicht ums Überleben kämpfen, ist in Breath of the Wild stets ein Genuss. Das lässt ein vollkommen neues Zelda-Gefühl aufkommen, das in seiner Freiheit nur mit dem ersten Zelda auf dem NES vergleichbar ist.

Daher ist es auch vorstellbar, dass sich Spieler, die eigentlich nur ein weiteres Zelda nach Machart von A Link to the Past oder Ocarina of Time erwarten, vor den Kopf gestoßen fühlen. Die streckenweise holprige Bildrate mit Slowdowns und das teils plötzliche Auftauchen von Objekten bei der Grafikdarstellung sind ebenfalls kleine Makel an diesem ansonsten unheimlich beeindruckend schönen Spiel.

Sei es das Wettersystem samt zufälliger Ereignisse und wunderschöner Sonnenauf- und Untergänge, das äußerst fordernde variantenreiche Kampfsystem oder die Physikrätsel: Alles wirkt in Zelda dermaßen stimmig, dass wir uns im Test regelmäßig ungläubig an den Kopf gefasst haben, wie toll das alles geworden ist.


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