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Zeitreisefilme der 80er: Alles andere als Zeitverschwendung!

Kopf in den Sand!
In die Vergangenheit oder Zukunft? Das ist die Frage in den Zeitreisefilmen der 80er, die – natürlich – Zurück in die Zukunft, aber noch mehr zu bieten haben.
Aktualisiert am , veröffentlicht am / Peter Osteried
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Bill und Ted mit der Telefonzelle unterwegs durch Raum und Zeit (Bild: Plaion Pictures)
Bill und Ted mit der Telefonzelle unterwegs durch Raum und Zeit Bild: Plaion Pictures

Hier wird das Nerd-Herz erwärmt: Diese Serie ist für alle von euch, die sich jeden Tag eine kleine Auszeit von der Weltlage wünschen. Es gibt täglich eine Geschichte für euch aus unserem Archiv – geeignet für ein wenig fröhlichen Eskapismus. Viel Spaß!

Zeitreisen waren schon immer ein populäres Thema der Science-Fiction. Die Achtzigerjahre haben ein paar ganz besondere Filme hervorgebracht, wobei manche Zufälle auch faszinierend sind, wie der um den 5. November.

Schon 1981 verschlug es den Motocross-Fahrer Lyle Swann ins Jahr 1877. Swann kommt am 5. November in der Vergangenheit an. An dem Tag kommt auch Marty im ersten Zurück in die Zukunft-Film im Jahr 1955 an. Zuvor wurde der 5. November als Ankunftstag aber schon in Nicholas Meyers Flucht in die Zukunft aus dem Jahr 1979 benutzt.

Neben diesen Filmen gab es in dem Jahrzehnt aber auch noch weitere bemerkenswerte Zeitreisefilme. Wir stellen insgesamt zehn vor, beginnend mit dem schon erwähnten Timerider.

Zurück in den Wilden Westen: Timerider (1981)

In William Dears Film ist Fred Ward als Motocross-Fahrer in der Wüste unterwegs und passiert eine Zeitmaschine, die ihn ins Jahr 1877 verschlägt. Das merkt er aber lange nicht. Vermutlich denkt er, auf Hinterwäldler zu treffen, weil diese von seiner Maschine so beeindruckt sind, und aussehen, als hätten sie im Wilden Westen gelebt. Der Gangster Reece Porter wirft ein Auge auf Swanns Maschine, während der eine Frau kennenlernt, die er umwerfend findet.

Timerider spielt mit dem Ontologie-Paradoxon, aber nicht nur damit. Auch das Großvater-Paradoxon(öffnet im neuen Fenster) kommt zum Zug. Darin geht es um ein Objekt, das niemals entsteht, sondern immer in einer Zeitschleife gefangen ist – so wie Lyle Swanns Kette mit dem Anhänger, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Das alles wird nicht sehr komplex präsentiert, aber für einen Abenteuerfilm, der keine großen Ansprüche an sich und das Publikum hat, ist das aber schon in Ordnung.

Timerider – Das Abenteuer des Lyle Swann war auf dem Avoriaz Fantastic Film Festival für den Grand Prize nominiert und gewann beim Fantafestival den Preis für das beste Drehbuch. Das war vielleicht ein bisschen viel der Ehre, aber ein amüsantes Sci-Fi-B-Movie ist dieser "Western" allemal.

Die Zeit wartet auf niemanden: Trancers (1984)

Jack Deth ist ein pensionierter Polizist im 23. Jahrhundert, der zurück in den Dienst gerufen wurde, um bei der Jagd auf Martin Whistler zu helfen, einem kriminellen Superhirn, das parapsychische Kräfte einsetzt, um Menschen in geistlose "Trancers" zu verwandeln und seine Befehle auszuführen. Die Trancers(öffnet im neuen Fenster) werden zu ihren Killern. Als Whistler ins Jahr 1985 entkommt, folgt ihm Deth, indem er den Körper seines Vorfahren übernimmt.

Tim Thomerson ist Jack Deth und noch Jahre später schwärmte Regisseur Charles Band in seiner Autobiographie Confessions of a Puppet Master von der tollen Chemie der beiden Hauptdarsteller. Denn an seiner Seite agierte die später zum Star gewordene Helen Hunt (Twister).

Hunt ist in der Rolle aufgeweckt, frech, nicht auf den Mund gefallen, schlagfertig und sexy. Es ist eine starke Rolle für die damals 21-Jährige. Nach einem Film war sie mit Trancers längst nicht fertig: 1988 spielte sie in dem Kurzfilm Trancers: City of Lost Angeles mit, der als Teil der Anthologie Pulse Pounders gedacht war, aber erst Jahrzehnte später veröffentlicht wurde. Trancers II kam 1991. Ihr letzter Auftritt als Leena war in Trancers 2010 (1992). Danach folgten noch zwei Film mit Tim Thomerson und einer ohne ihn.

Produziert wurde der Film im Fahrwasser von Terminator. Regisseur und Produzent Charles Band sprang auf den Zug auf, erschuf aber zugleich einen kleinen B-Film-Klassiker.

Die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen

Die eigene Vergangenheit verändern: Peggy Sue hat geheiratet (1986)

Der Film ist keiner der großen Klassiker von Regisseur Francis Ford Coppola. Der mit Kathleen Turner besetzte Film erzählt, wie Peggy Sue bei ihrem 25. High-School-Jahrestreffen bewusstlos wird und im Jahr 1960 wieder aufwacht – in ihrem jüngeren Körper. Nun setzt sie alles daran, die Fehler zu vermeiden, von denen sie glaubt, dass sie ihr Leben in der Gegenwart haben entgleisen lassen.

Der Gedanke ist verführerisch: Alles richtig zu machen, von dem man glaubt, dass es früher falsch war. Aber jede Änderung zieht unvorhergesehene Komplikationen nach sich, weil die Variablen nicht mehr berechenbar sind. Vor allem aber ist Peggy Sue hat geheiratet ein warmherziger, freundlicher, zutiefst sympathischer Film – absolutes Wohlfühlkino.

Aus heutiger Sicht ist die Besetzung grandios. Im Schulumfeld von Peggy Sue tummeln sich Nicolas Cage , Catherine Hicks (Star Trek IV), Helen Hunt und Jim Carrey.

Ein moderner Flugzeugträger im Zweiten Weltkrieg: Der letzte Countdown (1980)

Der von Don Taylor (Flucht vom Planet der Affen) inszenierte Film befasst sich im Kern mit einem moralischen Dilemma. Das lässt sich am ehesten so verdeutlichen: Wenn man in der Zeit zurückgehen und Hitler als Baby töten könnte, dürfte und sollte man das tun? (öffnet im neuen Fenster)

So ähnlich ist es hier, denn es verschlägt den modernen Flugzeugträger Nimitz durch ein temporales Phänomen in die Zeit des Zweiten Weltkriegs – und zwar nur wenige Stunden vor dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor. Die moralische Frage ist nun, ob die Nimitz mit ihrer überlegenen Waffentechnik eingreifen und den Angriff abwehren soll. Aber was würde das für die Zeit bedeuten, aus der das Schiff kommt? Wären die Amerikaner überhaupt jemals in den Zweiten Weltkrieg eingetreten?

Der mit Kirk Douglas und Martin Sheen prominent besetzte Film ist in erster Linie ein Actionfilm, da es einige Hindernisse gibt, die beseitigt werden müssen, damit der Flugzeugträger in seine Zeit zurückkehrt. Das Sci-Fi-Element wird vor allem für die moralischen Fragen aufgefahren, die im Spektakel aber etwas unterzugehen drohen.

Dennoch: Es ist ein rasant erzählter Film, dessen Ideen noch größer als seine teure Umsetzung sind.

Vom Mittelalter in die Gegenwart: Navigator (1988)

Zeitreisen funktionieren meist von der Zukunft oder Gegenwart in die Vergangenheit. Die neuseeländische Produktion Der Navigator geht jedoch den umgekehrten Weg. Der Navigator ist ein kleiner, auch heute noch eher obskurer Film, der aber das untrügliche Geschick des Regisseurs für das Erschaffen eindrucksvoller Filme beweist.

Es ist nicht verwunderlich, dass Fox Vincent Ward nach diesem Film als Regisseur für den dritten Alien-Teil wollte. Er schrieb auch ein Drehbuch, dann gab es jedoch die berühmten "kreativen Differenzen", weswegen Wards Vision niemals Wirklichkeit wurde.

Die Geschichte: Im England des Jahres 1348 breitet sich die Pest aus. Ein Junge hat eine Vision und führt seine Leute in eine Höhle, die sie durchschreiten und in der Gegenwart des Jahres 1988 herauskommen. Aber sie verstehen nicht, wo sie sind und was mit ihnen passiert ist.

Die Bilder brennen sich geradezu ins Gedächtnis. Sie sind von erlesener Schönheit, wobei Ward einen interessanten Kunstgriff macht, um vergangene von gegenwärtiger Handlung zu unterscheiden. Die im Mittelalter spielenden Szenen sind allesamt in Schwarzweiß gehalten, farbig wird der Film nur in der Gegenwart. Ein starkes Stilmittel, das das Mittelalter – "the dark ages" – sehr schön unterstreicht.

Der Film ist Science-Fiction, aber auch mehr. Es geht auch um den Glauben. Entsprechend sehen und kommentieren die Besucher aus dem Mittelalter die Gegenwart auch durch den religiösen Fokus. Sie scheinen Wunder zu sehen – oder die Tore der Hölle, die sie geöffnet haben. Ein eindrucksvoller, bildgewaltiger Film, der wie kaum ein anderer das Gefühl heraufbeschwört, das Mittelalter so zu sehen, wie es vielleicht tatsächlich gewesen ist.

Die Star-Trek-Crew auf der Suche nach Walen

Der Junge und die Diebesbande: Time Bandits (1981)

Für Apple TV+ wurde unter dem Titel Time Bandits eine Serie produziert, die die Geschichte neu erzählt. Der Originalfilm von Terry Gilliam ist jedoch unübertroffen. Im Zimmer eines Jungen taucht eine Bande von Zeitdieben auf, der Junge begleitet sie auf ihren Abenteuern – inklusive eines Treffens mit Agamemnon und Robin Hood.

Der Film hat das typische Gilliam-Flair. Der ehemalige Monty Python hat ein überbordendes Fantasy-Abenteuer erschaffen, das auch deswegen ungewöhnlich ist, weil er die Zeitdiebe allesamt mit kleinwüchsigen Menschen besetzt hat. Er ist ein bisschen episodisch in seiner Struktur, weil es von einem Abenteuer zum nächsten weitergeht, aber das macht er mit rasanter Erzählweise und imposanter Optik wett. Die britische Produktion sieht einfach unkonventioneller aus, als es ein amerikanischer Film gewesen wäre.

Time Bandits war so erfolgreich, dass Terry Gilliam immer wieder über eine Fortsetzung nachdachte, die aber nicht kam, weil einige der Hauptdarsteller verstorben waren.

Die Maschine aus der Zukunft: Terminator (1984)

James Camerons zweite Regie-Arbeit ist ein zeitloser Film, der auch 40 Jahre nach seiner Entstehung noch immer bestens funktioniert. Er erzählt von einer KI aus der Zukunft, die den Krieg gegen die Menschheit zu verlieren droht, weswegen sie eine Killermaschine, einen Terminator, in die Vergangenheit schickt, damit dieser Sarah Connor, die Mutter des Anführers des Widerstands, noch vor dessen Geburt tötet. Kyle Reese wird ebenfalls aus der Zukunft entsandt, um Sarah Connor zu beschützen.

Der nur sechs Millionen US-Dollar teure Film hat starke Effekte, am eindrucksvollsten ist aber Arnold Schwarzenegger, der hier nach Conan der Barbar die nächste Rolle gefunden hatte, die er ohne großartige Mimik spielen konnte. Seine Präsenz ist enorm, dabei hatte Cameron zuerst daran gedacht, den Terminator mit einem hageren Mimen wie Lance Henriksen(öffnet im neuen Fenster) zu besetzen.

Der Film machte aus allen Beteiligten Stars. Das gilt nicht nur für Cameron und Schwarzenegger, sondern auch für Linda Hamilton und Michael Biehn, die als Sarah und Kyle zu sehen sind. Die Zeitreise-Thematik ist klassisch, mit einem Sprung aus der Zukunft in die Gegenwart – immer ein opportunes Mittel, um das Budget im Griff zu behalten.

Kirk und Co. in der Vergangenheit: Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart (1986)

Bei der klassischen Star-Trek-Serie gab es mehrere Folgen, die sich mit Zeitreisen befassten. Durch die Bank gehören diese Episoden zu den Klassikern. Da war es nur eine logische Konsequenz, das Thema auch in dem Film zu bemühen. Herausgekommen ist der vierte Teil, der am erfolgreichsten an der Kinokasse war, weil hier eine Geschichte erzählt wurde, die nicht nur Fans ansprach.

Kirk und seine Crew müssen in das Jahr 1986 reisen, um dort zwei Wale zu finden. Sie müssen in die Zukunft transportiert werden, da nur sie eine Sonde stoppen können, die mit Walgesängen Kontakt aufzunehmen versucht und drauf und dran ist, die Erde zu vernichten.

Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart(öffnet im neuen Fenster) ist immens witzig, weil die Culture-Clash-Thematik sehr schön eingesetzt wird. Kirk und seine Leute verstehen die Achtzigerjahre nicht.

Es gibt herrliche Szenen, in denen Kirk ohne zu schauen über die Straße läuft und dann von einem Taxifahrer beschimpft wird, woraufhin er sich zu einem "Sie blöder Arsch" hinreißen lässt, oder in der Chekov als Russe mitten in Zeiten des Kalten Kriegs auf der Straße die Leute fragt, wo die atomgetriebenen Kriegsschiffe sind. Fast wäre sogar Eddie Murphy dabei gewesen. Gerade Spock versteht Kirks "farbige Metatphern nicht. Spock: "Admiral, Ihre Ausdrucksweise hat sich verändert, seitdem wir an diesem Ort sind. Sie ist jetzt voller ... farbiger Metaphern, zum Beispiel 'Sie blöder Arsch' und so weiter." Darauf antwortet Kirk: "Das finden Sie vulgär, nicht?"

Die Zeitreise wird hier übrigens nicht mittels einer Maschine erzeugt, sondern indem das Schiff in nahem Abstand um die Sonne herumrast und dabei beschleunigt.

Bill & Ted und der DeLorean dürfen nicht fehlen

Volle Kanne, Hoschi: Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit (1989)

Bill und Ted sind Schüler, die gerne großartige Musiker wären – richtig gut ist der Sound der Wyld Stallions aber nicht. Die Zukunft der Band ist indes eh ungewiss, da die Jungs ein Referat halten müssen, aber von Historie keine Ahnung haben. Da kommt ihnen Rufus mit einer Zeitmaschine zu Hilfe, denn in der Zukunft hat die Musik der Wyld Stallions alles verändert. Das stünde auf dem Spiel, wenn die Band jetzt zerbrechen würde.

Der Zahn der Zeit ist zu vielen Filmen nicht gnädig, an Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit hat er aber nicht genagt. Ganz im Gegenteil: Er ist heute noch so frisch wie eh und je. Und dafür muss man nicht mal die rosarote Nostalgie-Brille aufsetzen.

Das Skript ist ausgesprochen clever, noch besser ist jedoch die Inszenierung von Stephen Herek, der einen unglaublich schnellen Film abgeliefert hat. Er entspricht eher modernen Sehgewohnheiten, weswegen er zum Ende der 1980er Jahre seiner Zeit weit voraus war.

Erwähnenswert ist auch die gelungene Synchronisation, die mit Fantasie und Kreativität tolle lokale Alternativen gefunden und den deutschen Sprachschatz erweitert hat. Vor diesem Film wusste niemand, was ein Hoschi ist(öffnet im neuen Fenster) . Oder, dass das Dasein bunt und granatenstark ist.

Die Hauptrollen werden von Keanu Reeves und Alex Winter gespielt, die im Verlauf der Jahrzehnte noch zweimal in diese Rollen schlüpften. Grandios ist nicht nur, wie sie querbeet in der Historie Persönlichkeiten wie Sokrates oder Billy the Kid abholen, sondern dass sie mit einer Telefonzelle unterwegs sind. Wohl eine Verbeugung vor Doctor Who .

Der größte Zeitreisefilm bisher: Zurück in die Zukunft (1985)

Im Grunde ließe sich auch der zweite Teil hier nennen – beide Filme sind Kinder der Achtzigerjahre – dass wir ihn nicht gesondert führen, ist nur dem Willen zur Abwechslung geschuldet. Im ersten Teil verschlägt es Marty McFly von 1985 ins Jahr 1955, wo sich seine Mutter in ihn verknallt, was heißt, dass sie nicht mit seinem Vater zusammenkommt. Das wiederum bedeutet, dass Martys Existenz bedroht ist.

Der von Robert Zemeckis inszenierte Zurück in die Zukunft ist bestes Popcorn-Kino. Er lässt die Fünfzigerjahre auferstehen, bietet Abenteuer und Romantik und hat mit Michael J. Fox einen grandiosen Hauptdarsteller (der nach Beginn der Dreharbeiten Eric Stoltz ersetzt hat). Zurück in die Zukunft ist im besten Sinne eine Steven-Spielberg-Produktion: Perfekt gestaltetes Popcorn-Kino, bei dem die Zeitmaschine ein aufgemotzter DeLorean ist.

Update:

Der Artikel wurde auf seine Aktualität überprüft.


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