Zehn Film-Highlights: Der Hacker als moderner Held
Schon lange, bevor Computer in jedem Haushalt standen, gab es Filme, die sich mit Computern, aber auch ihrer Sicherheit oder Unsicherheit auseinandersetzten. Der Hacker's Movie Guide gibt da einen sehr kompakten Überblick, online findet sich aber auch eine ausführliche Liste mit Filmen(öffnet im neuen Fenster), die sich mit Hackern oder aber Cybersecurity auseinandersetzen.
Die Liste ist lang, vieles mag nicht unbedingt dem entsprechen, was man gemeinhin unter Hacken versteckt, aber interessant ist doch, wie umfangreich diese Form der filmischen Erzählung ist. Zehn Höhepunkte wollen wir in den Fokus rücken.
Leicht verständlich: Untraceable (2008)
Diane Lane spielt eine FBI-Agentin, die in der Cybercrime-Division tätig ist. Ein anonymer Tipp führt zur Webseite Killwithme.com, auf der Menschen live umgebracht werden. Die Opfer scheinen willkürlich gewählt, aber es steckt System dahinter, wodurch auch die Agentin in Gefahr gerät.
Untraceable ist ein mitreißender Thriller. Die technischen Fähigkeiten des Täters sind jedoch absolut wichtig für das Gelingen der Geschichte, denn er benutzt Mirror-Server, um seine Website davor zu schützen, abgeschaltet zu werden. Das ist ein interessantes Detail, verständlich ist der Film aber auch für ein nicht technikaffines Publikum.
Im Cyberspace: Hackers – Im Netz des FBI (1995)
Aus heutiger Sicht mag der Film fragwürdig sein, aber Hackers erzählt interessant die Geschichte einiger Hacker, die einer Verschwörung auf die Schliche kommen, deren Pläne mit einem Computervirus umgesetzt werden sollen.
Der mit Angelina Jolie und Jonny Lee Miller besetzte Film wurde lange belächelt, insbesondere in den Neunzigerjahren. Er mutete damals abstrus und phantastisch an. Aber es gab eine Neubewertung, die mit einem Satz zu tun hat, den Jolies Figur sagte: "RISC architecture is gonna change everything." Wired(öffnet im neuen Fenster) widmete dem einen ganzen Artikel. Dass das einem Drehbuchautor im Jahr 1995 bekannt war, ist bemerkenswert.
Eine wahre Geschichte: Snowden (2016)
Oliver Stone ist der perfekte Regisseur, um einen Film über Edward Snowden zu machen, den Whistleblower, der die Welt darüber informierte, wie die USA weltweit Regierungen und Privatleute ausspionierten. Joseph Gordon-Levitt spielt Snowden, der schließlich nach Russland fliehen musste, um einer Verfolgung in den USA zu entgehen.
Der Film schafft es sehr gut, die damaligen Ereignisse in einen spannenden Kontext einzubauen. Snowden gilt manchen seiner Landsleute als Verräter, andere feiern ihn als Helden, der die Interessen der Bevölkerung geschützt hat. Stone zeigt in seinem Film nicht nur, wie ruchlos US-Politik sein kann, sondern auch, wie die Technologie mit und ohne Wissen ihrer Nutzer immer tiefer in deren Leben eingedrungen ist.
Korruption, kriminelle Hacker und McClane
Eine Figur wie Bill Gates: Antitrust (2001)
Die Hauptfigur des Films ist offenkundig an Bill Gates angelegt. Ryan Phillippe spielt das Computergenie Milo Hoffman, der als Programmierer für eine Firma rekrutiert wird. Diese Firma ist dabei, ein revolutionäres Medienvertriebsnetwork namens Synapse zu errichten. Als einer von Milos Freunden ermordet wird, wird ihm klar, dass sein Brötchengeber das von ihm entwickelte Programm nutzt, um den Quellcode zu finden und zu stehlen.
Als Antitrust in die Kinos kam, war das Subgenre rund um Hacker noch recht neu. So funktioniert Antitrust als Thriller, der sich mit Korruption und Gier in einem Konzern befasst, aber auch eine spannende Geschichte erzählt. Die ist technisch so aufgepeppt, dass sie für Eingeweihte vielleicht sogar interessanter ist als für Technik-Noobies. Die wiederum bekommen soliden Thrill geboten.
Blackhat (2015)
Der von Michael Mann inszenierte Film erhielt dseinerzeit keine guten Kritiken und erwies sich im Kino als Flop. Das mag auch daran gelegen haben, dass er viel Terminologie verwendete, die das Publikum, das Computer nur zum Surfen oder Arbeiten nutzte, kaum kannte. Im Fokus steht der von Chris Hemsworth gespielte Nick Hathaway, ein genialer Hacker, der im Gefängnis sitzt, weil Teile eines Computercodes, den er geschrieben hat, bei einem Terroranschlag Verwendung fanden. Nick will der Regierung beim Finden der Schuldigen helfen, wenn seine Strafe reduziert wird.
Blackhat ist die Bezeichnung für einen kriminellen Hacker, der mit bösartiger Absicht in ein Computernetzwerk eindringt. Damals gab es einige Kritik, dass Hemsworth als Hacker nicht überzeugt, aber wieso sollten Geeks und Nerds nicht auch groß und gutaussehend sein?
Cyberangriff auf die USA: Stirb Langsam 4.0 (2007)
John McClane ist eigentlich der Mann fürs Grobe, immer zur falschen Zeit am falschen Ort, aber gut darin, Schurken zu erledigen. Jetzt hat er die Aufgabe, den Hacker Matt Farrell (Justin Long) zum FBI zu bringen, aber just in dem Moment schlagen Cyberterroristen zu und legen Washington lahm.
Stirb Langsam 4.0 ist vielleicht der einzige Film, in dem ein echter Actionheld und ein Computernerd zum Team werden müssen. Beide gehen den Kampf gegen die Schurken von einer ganz eigenen Warte heraus an. Mit dem Hackingthema wurde die Stirb-Langsam-Reihe ins neue Jahrtausend transportiert. So modern war keiner der vorherigen Filme.
Paranoia, Kriegsspiele und das Leben im Game
Die totale Überwachung: Der Staatsfeind Nr. 1 (1998)
Damals mag es noch wie Science-Fiction angemutet haben, die technologisch mögliche Überwachung von 1998 ist aber ein Witz gegen das, was heutzutage denkbar ist. Will Smith spielt Robert Clayton Dean, der versehentlich in den Besitz eines Videos kommt, das einen politischen Anschlag zeigt. Die NSA will das Tape zurück und nutzt ihre technischen Ressourcen, um Deans Leben aus den Angeln zu heben.
Der rasante Thriller erfordert keine großartigen technischen Kenntnisse. Er ist ein Paranoia-Thriller, der schon damals vor einem Big Brother warnte, der alles sehen kann. Weniger als drei Jahrzehnte später sieht man Der Staatsfeind Nr. 1 mit anderen Augen.
Blaue oder rote Pille: Matrix (1999)
Keanu Reeves spielt einen Hacker, der nach einer Antwort auf eine Frage sucht: Was ist die Matrix? Die Spur führt ihn zur Wahrheit. Er wird Neo und erfährt, dass die Welt nur eine Computersimulation ist, während die Menschen von Maschinen versklavt wurden.
Hacken ist hier wichtiger denn je, denn es sind die Operators in der echten Welt, die für die Akteure in der simulierten Welt alles bereiten. Das ist im Grunde ein Element, das damals ziemlich wenig erkannt wurde, weil der Look des Films so einzigartig war, und die Geschichte Tiefgang besitzt – ganz zu schweigen von grandioser Action.
Es gewinnt nur, wer nicht spielt: Wargames (1983)
Wargames entstand auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs und fühlt sich heute aktueller denn je an. Matthew Broderick spielt einen Hacker, der glaubt, Zugang zu einem noch unveröffentlichten Spiel zu haben, aber stattdessen mit einem Supercomputer verbunden ist, der eine militärische Simulation ablaufen lässt. Dies könnte zum Dritten Weltkrieg führen.
Die Technik des Jahres 1983 mag angestaubt wirken, es ist aber faszinierend, den Film auch unter dem Aspekt zu sehen, wie die Technologie in jenem Jahrzehnt Einzug in die Privathaushalte hielt. Zudem zeigt er, welche Gefahren mit einer Automatisierung einhergehen. Denn wenn es nur 0 und 1 gibt, dann gibt es auch keine Grautöne und kein übergeordnetes Bewerten eines Befehls. Wenn der Computer den Krieg erstmal auslöst, ist es zu spät.
Im Game: Tron (1982)
Tron ist der große Klassiker des Subgenres. Jeff Bridges spielt Kevin Flynn, einen Computerspielentwickler, der in die Büros seines ehemaligen Arbeitgebers einbricht, weil er nach Beweisen sucht, dass ihm sein Spiel gestohlen wurde. Aber er wird erwischt und in die digitale Welt transferiert.
Das Thema von Tron ist modern, der mittlerweile 43 Jahre alte Film ist aber auch deswegen ein Kleinod des Genres, weil er mit dem Einsatz damals bahnbrechender Technik die Möglichkeiten dessen, was im Film möglich ist, ausgeweitet hat.
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