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ZDF-Fernsehrat: Gutachter hoffen, dass ARD und ZDF nicht aussterben

Das lineare Fernsehen wird überleben – zu diesem Schluss kommt zumindest ein Gutachten, das ARD und ZDF bestellt haben und das auf veralteten Daten basiert. Wichtig sei aber, dass mehr Rundfunkgebühren für reine Online-Angebote ausgegeben würden. Wir haben uns das Gutachten angesehen.
/ Achim Sawall
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Sinkende Zuschauerzahlen: Tagesschau-Moderator Claus-Erich Boetzkes (Bild: ARD)
Sinkende Zuschauerzahlen: Tagesschau-Moderator Claus-Erich Boetzkes Bild: ARD

In einem Gutachten für den ZDF-Fernsehrat erklären die Verfasser(öffnet im neuen Fenster) , dass das lineare Fernsehen nicht verschwindet. "Es ist damit zu rechnen, dass dem Abruf von Inhalten aus der Cloud bei allen Altersgruppen immer größeres Gewicht zukommen wird. Dies wird jedoch das lineare Programmfernsehen auf absehbare Zeit nicht ablösen." Das Riepl'sche Gesetz lasse aber vermuten, dass kein Medium aussterbe, wenn sich eine neue Kommunikationsweise entwickle.

Die Professoren Dieter Dörr, Bernd Holznagel und Arnold Picot betonen in dem Gutachten "Legitimation und Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Zeiten der Cloud" die massiv wachsende Bedeutung von Streaming. Es hätten sich erfolgreiche Medienunternehmen entwickelt, die reine Videoportale wie Maxdome, Netflix oder Amazon Video bereitstellen. In der Studie heißt es: "Kommerzielle Online-Videotheken können in jüngster Zeit einen großen Zulauf verzeichnen. Diese Veränderungen im Nutzungsverhalten sind vermutlich eine Reaktion auf die günstigen Bezugspreise und die Popularität amerikanischer Serien, die en bloc und zeitlich selbstbestimmt angeschaut werden können. Dies dürften wichtige Gründe dafür sein, dass die Abonnementzahlen von Netflix und von Amazon Prime stark angestiegen sind."

Youtube-Kanäle mit drei Millionen Abonnenten

Zudem hätten sich bei Youtube Kanäle mit einer beachtlichen Reichweite auch für den deutschsprachigen Raum herausgebildet. "So gibt es auf Youtube bereits mehrere Kanäle, die mehr als eine Million Nutzer vorweisen können, und einzelne Kanäle kommen sogar auf circa drei Millionen Abonnenten." Die Abrufe der dort bereitgestellten Videos belegten diese Angaben.

Noch kein signifikanter Fernsehrückgang

Die zunehmende Online-Nutzung führe noch nicht dazu, dass "die durchschnittliche Nutzungsdauer des klassischen linearen Fernsehens signifikant sinkt." Die Nutzung stagniere auf hohem Niveau. Allerdings sind hier die Angaben aus dem Jahr 2014.

Die 14- bis 29-Jährigen sähen mit 126 Minuten deutlich weniger fern als die Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren mit 237 Minuten, und wendeten etwa doppelt so viel Zeit für die Nutzung von Onlinevideos im Internet auf (32 Minuten).

In dieser Altersgruppe überwiege inzwischen auch die Internetnutzung im Vergleich zur Fernsehnutzung. Das Internet werde 233 Minuten und das Fernsehen 128 Minuten täglich genutzt. Nur ein kleiner Anteil der Internetnutzung entfalle dabei auf die Nutzung des gestreamten Live-TV. Die Zuschauer des öffentlich-rechtlichen Fernsehens würden dagegen immer älter. Seit einiger Zeit verliere es zudem an Bindungskraft. "Insbesondere für jüngere Altersgruppen hat es längst an Anziehungskraft verloren." Auch die Zuschauerzahlen der Nachrichtensendungen der öffentlich-rechtlichen Sender seien stark rückläufig.

Die Gutachter legen dar, dass auch in Zeiten der Cloud ein vermeintlich "politisch und wirtschaftlich unabhängiger Rundfunk" essentiell sei. Es müsse sichergestellt werden, dass ZDF und ARD ihre Aufgaben auch in Zeiten des Cloud-TV weiter erfüllen könnten. Deshalb sollten Sendungen künftig länger als heute erlaubt in der Mediathek bleiben können. Außerdem müsse es möglich sein, spezielle Angebote extra für das Netz herzustellen. Die Gutachter plädieren dafür, mehr Möglichkeiten zum Austausch und zur Beteiligung des Publikums an Diskussionen anzubieten.


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