Zbox Pico im Test: Der Taschenrechner, der fast alles kann

Zbox heißen die Kleinstrechner, die Zotac seit Jahren herstellt: Das Portfolio der Mini-PCs umfasste Modelle mit dedizierter Grafikeinheit, solche mit einem 15-Watt-Haswell-Prozessor wie im aktuellen Mac Mini und neuerdings Pico-Modelle, die kaum größer sind als zwei aufeinandergelegte iPhones. Wir haben uns eine Zbox Pico genauer angesehen.
Der Mini-PC misst 116 x 66 x 19 mm und wiegt 148 Gramm – das reicht, um ihn in die Hosentasche zu stecken. Zielgruppe sind unter anderem Weltenbummler: Zotac legt dem klobigen, mit einem kurzen Kabel versehenen 15-Watt-Netzteil einen Adapter für Großbritannien und Nordamerika bei.









Die Zbox Pico ist unkompliziert in der Handhabung, da bereits Windows 8.1 als 32-Bit-Bing-Version installiert ist. Die drei USB-2.0-Anschlüsse oder die Bluetooth-4.0-Schnittstelle eignen sich für Maus und Tastatur, an den HDMI-1.4a-Ausgang wird der Bildschirm oder Fernseher gehängt. Vorsicht: USB 3.0 oder Auflösungen oberhalb von 1.920 x 1.080 Pixeln bei 60 Hz unterstützt der verbaute Atom Z3735F nicht.
Neben USB und HDMI hat Zotac einen Micro-SD-Kartenleser verbaut, da die interne eMMC nur 32 oder 64 GByte groß ist und Windows 8.1 rund 7 GByte belegt. Etwas ärgerlich: Der Mini-PC unterstützt WLAN nur nach n-Standard und bietet einzig 100-MBit-Ethernet, was aber beim Streaming von Filmen oder Spielen nicht stört.









Die 3,5-mm-Klinken-Buchse dient als Kopfhörerausgang, nicht aber als zusätzlicher Mikrofoneingang – schade. Wer Voice-over-IP -Programme wie Skype nutzen möchte, muss auf ein Headset mit USB-Anschluss zurückgreifen. Praktisch finden wir die Vesa-Halterung, um die Zbox am Fernseher zu befestigten.
Flottes Streaming, gute eMMC
Beim Atom Z3735F(öffnet im neuen Fenster) handelt es sich um ein System-on-a-Chip der Bay-Trail-T-Reihe, wie es in vielen Windows-Tablets steckt. Die vier Silvermont -Kerne takten mit bis zu 1,83 GHz und sind für alltägliche Aufgaben wie Surfen, Skypen, Filme betrachten oder einfache Office-Arbeiten gut geeignet.









Die integrierte Grafikeinheit erreicht bis zu 646 MHz, weniger als die meisten Z-Atoms. Da sie zudem einen Teil des 2 GByte großen DDR3L-1333-Arbeitsspeichers belegt und der mit einem schmalen 64-Bit-Interface angebunden ist, eignet sich die HD Graphics nur für ältere sowie anspruchslose Spiele. Dafür hat die Grafikeinheit einen H.264-Hardware-Decoder, wodurch die Zbox Pico ideal zum Streamen ist.
Wir haben das mit der Netflix-Serie House of Cards, dem aktuellen James-Bond-Film Skyfall und Steams In-Home-Streaming mit mehreren Spielen ausprobiert: Eine flüssige Wiedergabe von 1080p-Material gelingt der Zbox Pico problemlos (unter 30 Prozent CPU-Last), die Leistungsaufnahme beträgt nur rund 8 Watt statt gut 5 Watt wie im Leerlauf.









Schicken wir Spiele vom High-End-Rechner zum Mini-PC, klappt das wunderbar – wenngleich Ryse durch die Kompression nicht mehr ganz so schick aussieht. Wir empfehlen, die Zbox Pico per Ethernet-Kabel mit dem Spielesystem zu verbinden und zugunsten des Spielgefühls die vertikale Synchronisation zu aktivieren. Mit dem aktuellen Steam-Client sind 1080p-Streams mit mehr als 60 fps möglich.
Die CPU-Kerne und die Grafikeinheit des Atom Z3735F gehören zwar nicht zu den schnellsten, bei den meisten Geräten mit Tablet-Hardware ist aber der lahme eMMC-Speicher der Bremsklotz. Zotac hat dies erkannt: Dem Teardown von The SSD Review(öffnet im neuen Fenster) zufolge steckt in der Zbox Pico Samsungs KLMBG4GEAC .
Die liest in unseren Tests mit bis zu 168 MByte pro Sekunde fast doppelt so schnell wie die eMMCs vieler Tablets, auch die Schreibrate ist klar höher. Der Controller des Atoms beherrscht jedoch nur eMMC 4.5, der Samsung-Flash könnte flotter sein.









Bedingt durch die geringe Leistungsaufnahme von maximal rund 10 Watt verzichtet Zotac auf einen Lüfter: Die Zbox Pico wird passiv gekühlt. Erfreulicherweise fiepen die verbauten Komponenten nicht, der Mini-PC arbeitet lautlos. Hitzeprobleme gab es im Test nicht: Das Gehäuse wird handwarm, das System-on-a-Chip selten heißer als 60 Grad Celsius.
Linux trotz 32-Bit-UEFI
Ubuntu Linux auf dem Zotac Pico auch nur zu starten, erwies sich als schwierig, denn der kleine Rechner hat ein 32-Bit-UEFI. Linux-Systeme unterstützten hingegen gegenwärtig standardmäßig nur Systeme mit 64-Bit-UEFI, selbst wenn später eine 32-Bit-Version von Linux installiert werden soll. Wir folgten einer Anleitung auf der Webseite Liliputing(öffnet im neuen Fenster) .
Dort wird beschrieben, wie ein 32-Bit-UEFI-Bootloader nachträglich auf einen startfähigen USB-Stick mit Ubuntu Linux 14.04 LTS übertragen werden kann. Allerdings mussten wir die benötigte Startdatei unter Linux selbst kompilieren, weil die zum Download angebotene nicht funktionierte.









Um den USB-Stick zu installieren, nutzen wir das Windows 8 auf dem Zotac Pico. Dort luden wird das ISO-Image von Ubuntu herunter und besorgten uns die Software Rufus(öffnet im neuen Fenster) , mit der sich Linux-Images auf einen USB-Stick schreiben lassen.
Wir wählten die im Liliputing-Artikel erwähnte Option "GPT Partitionierungsschema für UEFI Computer" sowie das zuvor heruntergeladene ISO-Image aus und beließen es bei den verbleibenden Optionen mit den Voreinstellungen.
In einem ersten Versuch kopierten wir schließlich noch den dort verlinkten 32-Bit-UEFI-Bootloader namens bootia32.efi gemäß Anleitung in das Verzeichnis /EFI/BOOT . Nach einem Neustart des Zotac Pico prüften wir zunächst, ob Sercure Boot im Bios deaktiviert war, was standardmäßig der Fall ist. Das Bios lässt sich kurz nach dem Einschalten des Geräts über die ESC-Taste öffnen.
Ungelöste WLAN-Probleme
Dort änderten wir auch die Bootreihenfolge so, dass der USB-Stick an erster Stelle stand. Alternativ lässt sich das Startmedium per F8-Taste auswählen. Windows 8 bringt ebenfalls eine Option mit, von einem bestimmten Gerät zu starten.
Dazu muss die Umschalttaste gedrückt und anschließend die Option Neustart gewählt werden. Schließlich wählten wir dort den Eintrag "Ein Gerät verwenden" und dann "UEFI: Removable Device" .









Wie bereits erwähnt funktionierte die verlinkte Version(öffnet im neuen Fenster) von Bootia32.efi nicht. Daher folgten wir der Anleitung auf der Github(öffnet im neuen Fenster) -Seite und kompilierten die Datei aus dem Github-Quellcode selbst. Danach startete die Live-Version von Ubuntu problemlos. Da wir auf unserem Leihgerät weder die Partition noch den Bootloader ändern wollten, beließen wir es bei einem kurzen Test von Ubuntu im Live-Modus.
Die meiste Hardware lief direkt, lediglich die Benutzeroberfläche ruckelte etwas auf dem integrierten Intel HD-Graphics-Chip. Ubuntu Linux 14.04 erkannte das integrierte WLAN des Atom-Chips aber nicht, selbst bei einer Abfrage des Low-Level-Tools Lshw oder Dmidecode.
Zotac bietet zumindest für seine Zbox Mini-PCs mit Ion- oder Radeon-Grafikeinheit eine angepasste Live-Version des Multimediasystems XBMC – jetzt Kodi genannt – zum Download(öffnet im neuen Fenster) an. Da der Zotac Pico aber noch nicht lange erhältlich ist, könnte es später noch eine Version für den kleinen Rechner geben.
Verfügbarkeit und Fazit
Zotac bietet die Zbox Pico in zwei Varianten an: Die PI320 nutzt eine 32 GByte große Samsung eMMC und kostet etwa 200 Euro, in der PI321 ist für einen Aufpreis von 40 Euro ein doppelt so großer Speicher verbaut. Zotac gibt eine Garantie von zwei Jahren, mit auf Rechnung registriertem Mini-PC sind es fünf Jahre.









Fazit
Uns hat die Zbox Pico im Test gut gefallen: Salopp ausgedrückt ist der kleine Rechner im Smartphone-Format eine Mischung aus Office-PC und Streaming-Client. Er eignet sich als Surf- und Skype-System für die Eltern ebenso wie als Steambox, die Daten per Stream vom High-End-Rechner erhält. Auch als Empfänger für Netflix-Serien lässt er sich gut einsetzen.
Da im Inneren Tablet-Hardware von Intel steckt, ist die Zbox Pico nicht für aufwendige Bild- oder Videobearbeitung geeignet, da die Berechnung sehr lange dauert. Wenn es aber nur darum geht, ein paar Urlaubsschnappschüsse zu verkleinern, überfordert das die Zbox Pico nicht.
Der verbaute Atom bietet zwar vergleichsweise wenig Rechenleistung, dekodiert aber H.264-Streams in Hardware und benötigt hierzu samt restlichen Komponenten unter 10 Watt – die Kühlung ist daher lautlos, weil passiv.
Für eine kommende Version des Mini-PCs wünschen wir uns USB 3.0 und einen kombinierten Kopfhörer-Mikrofon-Steckplatz. Den schnellen eMMC-Speicher sollte Zotac beibehalten.