Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Zahlenspiel: Apple rechnet sich Umsatz durch App Store schön

Eine von Apple beauftragte Studie kommt zu dem Schluss, dass Apps aus dem App Store 1,1 Billionen US-Dollar generiert haben – ist dabei aber sehr großzügig.
/ Tobias Költzsch
17 Kommentare undefined News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Apples App Store hat für Billionenumsätze gesorgt. (Bild: Jakub Porzycki via Reuters Connect)
Apples App Store hat für Billionenumsätze gesorgt. Bild: Jakub Porzycki via Reuters Connect

Apple hat bekanntgegeben, dass Apps aus seinem "App-Store-Ökosystem" im Jahr 2022 für Einnahmen in Höhe von 1,1 Billionen US-Dollar verantwortlich sein sollen. Wie das Unternehmen in einem Blogbeitrag(öffnet im neuen Fenster) erklärt, entfielen bei 90 Prozent der Transaktionen keine Gebühren an Apple.

In der Vergangenheit hatten die 15 bis 30 Prozent an Kommission, die viele Entwickler bei einem App-Verkauf an Apple zahlen müssen, immer wieder für Aufregung gesorgt. Die von Apple in Auftrag gegebene Studie(öffnet im neuen Fenster) dürfte zum Bestreben des Unternehmens gezählt werden können, sein Image bei den Entwicklern zu verbessern. Apple betont zudem seit Jahren, dass nur über den App Store geladene Anwendungen sicher seien – und offenbar auch erfolgreich, wie die Zahlen wohl zeigen sollen.

Allerdings interpretiert Apple die wirtschaftlichen Eckdaten recht großzügig zu seinen Gunsten – zumindest im generellen Ton der Mitteilung. In der von der Analysis Group im Auftrag von Apple erstellten Studie werden nicht nur die direkten Einnahmen durch App-Verkäufe, In-App-Käufe oder App-Abonnements zum App-Store-Ökosystem gezählt, sondern alle durch Apps entstehenden Transaktionen.

Auch Essensbestellungen und Taxifahrten werden gezählt

Laden Nutzer beispielsweise eine Taxi-App aus dem App Store herunter und bezahlen damit eine Fahrt, fällt diese Transaktion ebenso in die Einnahmenrechnung von Apple wie eine Essensbestellung über eine App wie Lieferando oder Wolt. Satte 910 Milliarden US-Dollar entstanden 2022 letztlich durch derartige Transaktionen, mit denen Apple und der App Store am Ende nichts mehr zu tun haben.

Diese Umsätze entstünden zudem auch dann, wenn die Apps aus einem alternativen App-Marktplatz heruntergeladen würden. In der Studie werden die Einnahmen zwar in Tabellen aufgeschlüsselt, in der Pressemitteilung formuliert Apple dies aber geschickter.

Die Höhe der Einnahmen durch den eigentlichen Verkauf von Apps, Abos oder In-App-Käufen liegt bei 104 Milliarden US-Dollar. Das ist immer noch viel, aber wesentlich weniger als die offensiv kolportierten 1,1 Billionen US-Dollar. Auf Einnahmen durch Werbung entfallen 109 Milliarden US-Dollar.

Apple rechnet Kommissionen schön

Unter diesen Gesichtspunkten ist auch die Aussage aufzufassen, dass 90 Prozent der Transaktionen keine Kommission an Apple erfordern. Wenn 81 Prozent der ausgewiesenen Einnahmen außerhalb des App Stores anfallen, ist es wenig verwunderlich, dass kaum Kommissionen anfallen.

Verglichen mit 2021 sind die durch Apple berechneten Einnahmen durch den App Store von 868 Milliarden auf 1,1 Billionen US-Dollar gestiegen. Die Einnahmen durch App-Verkäufe hingegen stiegen nur minimal von 102 auf 104 Milliarden US-Dollar. Der Großteil der Erhöhung kommt durch Transaktionen, die letztlich ohne Apples Zutun über die Apps getätigt werden.

Während der Coronapandemie stiegen der Studie zufolge Transaktionen über Apps sprunghaft an, vor allem im Bereich der Essensbestellungen. 2022 stiegen dann auch wieder Ausgaben für Reisen, nachdem die Pandemiebeschränkungen größtenteils aufgehoben wurden. China gab laut der Studie 2022 523 Milliarden US-Dollar für über App-Store-Anwendungen bestellte Produkten und digitalen Services aus – mehr als der Rest der Welt zusammen.


Relevante Themen