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Yoshi's New Island im Test: Neue, alte Dino-Insel

Der kleine grüne Dinosaurier Yoshi streckt Spielern seit 1990 in Super Mario World die Zunge raus. In Super Mario World 2: Yoshi's Island bekam er zum ersten Mal die Hauptrolle. Golem.de testet die Neuauflage dieses Nintendo-Klassikers für den 3DS namens Yoshi's New Island.
/ Michael Wieczorek
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Artwork zu Yoshi's New Island (Bild: Nintendo)
Artwork zu Yoshi's New Island Bild: Nintendo

Das Herz von Yoshi's New Island ist sein Vorbild aus den 90ern. Das Grundprinzip ist daher komplett gleich geblieben: Wir spielen nicht Mario, sondern schlüpfen in die Rolle des Dinos Yoshi, der Baby Mario auf seinem Rücken durch diverse Level auf Yoshi's Island trägt und vor Gegnern beschützen muss. Das Ziel: Baby Luigi finden, der abhandengekommen ist. Und natürlich auf Wohl und Gesundheit der Klempner-Wonneproppen achten. Haut ein Gegner mal zu fest zu, schwirrt Baby Mario in einer Blase davon und schreit unsagbar laut, während ein Countdown erscheint, der auf unser Versagen herunterzählt.

Yoshi's New Island - Trailer (Launch)
Yoshi's New Island - Trailer (Launch) (02:27)

Sammelt Yoshi das Kind zeitig wieder ein, dürfen wir weiterspielen. Wir bekommen also eine Art zweite Chance, was den Mix aus klassischen Sprungpassagen und Puzzle-Elementen zumindest in den ersten Themenwelten eher leicht zu bewältigen macht.

Nicht nur die Rahmenhandlung ist geblieben: Vom Menü über die Aufgabe, Sterne, rote Münzen Blumen und normale Münzen zu sammeln, bis zu typischen Yoshi's-Island-Elementen wie der Möglichkeit, mit grün gepunkteten Eiern entfernte Ziele abzuschießen, findet der Spieler nahezu alle Elemente des früheren Spiels. Das sorgt für viele schöne Momente der Erinnerung.

Neuland für Yoshi

Doch wenn so viele Level dem Original gleichen, welche neuen Dinge macht denn nun die Neuauflage für Nintendos 3DS? Werfen Fans des Originals einen Blick auf das Spiel, dürfte ihnen vor allem der neue Grafikstil auffallen. Der erinnert rudimentär zwar noch an Yoshi's Island, hat aber viel von seiner knallig bunten Optik mit den dicken schwarzen Linien verloren. Stattdessen blickt der Spieler nun auf eine in Pastelltönen gehaltene Welt. Das mag zwar etwas moderner aussehen, lässt die spielerisch reichhaltige Welt aber farbloser wirken, als sie eigentlich ist.

Yoshi's New Island macht nur teilweise Gebrauch von den Handheld-Fähigkeiten. Das Gyroskop kommt in Minispielen zum Einsatz. Darin verwandelt sich Yoshi in diverse Fahrzeuge oder Nutzgegenstände, wie ein U-Boot oder einen Presslufthammer. Nun liegt es am Spieler, Yoshi in seiner neuen Form zu unterstützen und ihn durch Neigen des 3DS ans Ziel zu bringen. Diese Passagen unterbrechen zwar den Spielfluss des Levels, sind aber eine angenehme Abwechslung zwischen Springen, Eierwerfen und Münzenfinden.

Der 3D-Effekt hingegen ist eher unnötiger Bonus und sorgt ausschließlich dafür, dass der Hintergrund des Spiels, der an seltenen Stellen Einfluss auf den Spielinhalt hat, plastischer wirkt als ohne 3D-Option. Während der Effekt in Super Mario 3D Land richtig gut funktionierte, kann er bei Yoshi's New Island auch getrost ausgeschaltet werden.

Auf spielerischer Ebene hält sich Yoshi's New Island an sein Vorbild, bringt aber auch die ein oder andere Neuerung mit. Beispielsweise erhält der Spieler die Möglichkeit, nun auch riesig große Metallgegner mit der Zunge aufzusaugen, um neben den gewohnt grün-weißen Eiern schwere Metalleier zu erhalten, die durch das Level rollen und Barrieren zerstören. Was beim ersten Mal witzig wirkt, ist allerdings kaum Gameplay-relevant. Die Passagen, an denen dem Spieler diese Möglichkeit eröffnet wird, wirken recht isoliert und sind keine wirkliche Herausforderung, da sie immer funktionieren müssen, um den Spielfluss nicht auszuhebeln.

Enttäuschende Soundkulisse und Fazit

Interessanter sind an dieser Stelle sicherlich Ideen wie ein Geist, der Baby Mario verscheucht und es sich auf dem Rücken von Yoshi bequem macht. Statt wie gewohnt das Baby zu fangen und den Gegner zu verscheuchen, muss der Spieler nun spiegelverkehrt denken und agieren, um die Null auf dem Counter zu vermeiden.

Yoshi's New Island - Trailer (Februar)
Yoshi's New Island - Trailer (Februar) (01:17)

Sollte eine Stelle wiederholt nicht geklappt haben, erhält man im neuen Yoshi-Teil übrigens erst Flügel und später goldene Flügel, die Yoshi unverwundbar machen und ihm einen unendlich langen Sprung erlauben. Plattformer-Fans, die die (sowieso nicht besonders große) Herausforderung lieber mögen, können die Flügel einfach liegenlassen. Jüngeren Spielern hingegen eröffnen die Flügel die Möglichkeit, das Level einwandfrei - dafür aber nur mit wenig oder gar ohne Sammelgegenstände - zu bewältigen.

Kein Nintendo-Sound

Einzig beim Klang hat sich Nintendo unserer Meinung nach einen großen Patzer geleistet. Die einst so charmante Soundkulisse des Originals fehlt gänzlich und wurde durch Stücke ersetzt, die zum einen sehr mager klingen, zum anderen wenig Wiedererkennungswert haben und rein gar nicht nach einem typischen Nintendo-Titel klingen. Da besonders Mario-Titel sonst mit einem herausragenden Soundtrack glänzen können, ist Yoshi's New Island auf diesem Feld enttäuschend.

Fans des Klassikers dürften zumindest zu Beginn des Spiels auch über die ausgetauschten Sound-Effekte stolpern. Baby Mario kreischt nun ganz anders - aber immer noch nervig genug, um ihn schnell wieder zu retten. Und Yoshi selbst macht gewöhnungsbedürftige Geräusche beim Hüpfen und Legen der Yoshi-Eier. Während sich das Spielerohr daran nach einer halben Stunde gewöhnt haben dürfte, kann er sich bei der Klangkulisse nur mit extern zugeschaltetem Soundtrack von Super Mario World 2: Yoshi's Island helfen.

Fazit

Yoshi's New Island ist sowohl für Fans des Originals als auch für neue Spieler geeignet. Wer sich zur ersten Gruppe zählt, wird sich über massig Aha-Effekte und wiederkehrende Features freuen, die man in den letzten neun Jahren fast schon vergessen hatte. Genau diese Spieler bedient der 3DS-Titel, indem er wenig neue Experimente wagt, sondern alte, zeitlose Elemente neu zusammenwürfelt und so für Nostalgie sorgt. Doch trotzdem gibt es ein paar wenige Wermutstropfen für Oldtimer. Die etwas flapsig entworfenen Boss-Gegner zum Beispiel: Früher hatten die Herrschaften wie Roger, der eingetopfte Geist, oder der Magen von Prinz Froggy mehr Persönlichkeit. Heute trifft der Spieler fast ausschließlich auf vergrößerte Versionen der Level-Gegner, die durch unterschiedliche Eierwerf-Taktiken erledigt werden müssen. Auch die etwas farblose Pastellgrafik und vor allem die magere Soundkulisse dürften für gemischte Gefühle sorgen.

All diejenigen, die Yoshi's Island noch nie angerührt haben, machen mit dem Kauf der Neuauflage für Nintendos 3DS nichts falsch. Die spärliche Soundkulisse bleibt zwar weiterhin ärgerlich, der ansonsten rundum gelungene Plattformer entschädigt aber schnell dafür.


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