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Yapital wird eingestellt.
Yapital wird eingestellt. (Bild: Marton Wolf/Golem.de)

Yapital: Das schnelle Ende vom schnellen Bezahlen

Yapital wird eingestellt.
Yapital wird eingestellt. (Bild: Marton Wolf/Golem.de)

Lebe mobil, zahle mobil. So lautete das Versprechen der Bezahl-App Yapital. Jetzt wird der Dienst eingestellt. Doch hat das Leben ohne Bargeld je funktioniert? Ein Selbstversuch im Sommer ließ Zweifel aufkommen.
Von Matthias Streit

"Kappi… was?", fragt der Kassierer ungläubig. Er blickt mich misstrauisch an. Offenbar fühlt er sich veräppelt. "Yapital", antworte ich. "Wie ‚Kapital', nur mit y vorn. Das ist eine App. Und mit der kann ich hier bezahlen. Da." Ich zeige ihm die Karte auf meinem Smartphone. Auf dem Rewe-Laden im Frankfurter Grüneburgweg klotzt ein fetter lila Pfeil des Yapital Shop Finders. Der bedeutet: In diesem Laden können Kunden mit Yapital zahlen.

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"Davon hab' ich noch nie gehört. Sie sind der Erste, der damit hier zahlen will", sagt er. Verunsichert wendet sich der junge Mann an diesem Spätsommertag 2015 an seine Kollegen. "Weiß einer von euch, was Yapital ist?" Nein, wissen sie nicht. Sie sind genauso ratlos. Weil nun die wartenden Kunden hinter mir entnervt stöhnen, gebe ich auf. Statt mit einem Wisch auf dem Smartphone zu zahlen, krame ich doch das Portemonnaie heraus. Ich zahle mein Brot, Birnen und Bananen ganz einfach in bar.

Genauso misslingt ein weiterer Versuch in einer anderen Filiale der Supermarktkette im Frankfurter Vorort Rodgau. Auch dieser Supermarkt ist laut Yapital-App ein Partner des mobilen Zahlsystems. Der Bäcker oder der Imbissladen um die Ecke bieten die neue Zahlungsart gar nicht erst an. Der Blick in den Shop-Finder verrät: Das Partnernetz von Yapital ist selbst in der Finanzmetropole Frankfurt nur dünn.

So sollte es eigentlich nicht laufen. Einst wollte Yapital europaweit das erste mobile Zahlungssystem etablieren. Das ging gehörig schief. Nach knapp fünf Jahren stellt die Muttergesellschaft, die Otto Group, zum 31. Januar 2016 das Endkundengeschäft des Zahlungsdienstleisters ein. "Bereits vor drei Jahren sprach man vom Mobile-Payment Durchbruch, und dennoch gibt es heute laut Studien gerade mal 200.000 Nutzer in Deutschland", konstatiert Yapital-Geschäftsführer Marc Berg. Nur geschätzt die Hälfte davon ist bei Yapital angemeldet. Für das Startup ist das zu wenig. Nun kommt das schnelle Ende vom schnellen Bezahlen.

Zumindest an starken Partnern im stationären sowie im Onlinehandel habe es nicht gemangelt, sagt Yapital-Chef Berg. Das stimmt aber nur so halb. Zwar zählen zu den großen Partnern unter anderem die Parfümerie-Kette Douglas, die Schuhläden von Görtz oder Cinemaxx-Kinos. Doch auch weniger namhafte Unterstützer wie das italienische Restaurant Bella Ciao am Hamburger Stadtrand, eine kleine Werbeagentur namens Gerhardt oder der Onlinevertrieb für wasserdichte Taschen, Aquaman, preist Yapital auf seiner Internet-Seite als prominente Partner an. Letztere sind allesamt Handelspartner, die aber im Alltag der meisten Deutschen wohl kaum eine Rolle spielen.

Und als es klappt, dauert es ewig

Dann also doch Rewe. Dritter Versuch. Zurück im Frankfurter Grüneburgweg. Neue Kassierin. "Kann ich hier mit Yapital zahlen?" "Mit was?" "Yapital. Das ist eine Smartphone-App, mit der ich hier per QR-Code bezahlen kann." Die Kassiererin mit den blonden Löckchen, Anfang vierzig überlegt. Irgendwie kommt ihr das bekannt vor.

Und tatsächlich: "Ok, das habe ich zwar noch nie gemacht, aber ich glaube es geht so…", leitet sie den Prozess ein. Sie schnappt sich das Kartenterminal. Die digitale Anzeige fordert sie auf, eine Bankkarte einzuführen. Ein kleines, lila Y-Symbol lässt vermuten: Hier drücken, um per App zu zahlen. Die Frau drückt darauf und - wer hätte das gedacht - ein quadratischer QR-Code aus vielen weißen und schwarzen Kästchen taucht auf dem Display auf. Es kann losgehen.

Ich halte das Smartphone über den Code. Die App scannt das minimalistische Kunstwerk blitzschnell ein. Freude macht sich breit. Es funktioniert. Doch dann beginnt das lange Warten. Der Betrag erscheint auf dem Smartphone Display. 5,41 Euro. Bestätigen. Wieder warten. Bestätigung erhalten. Fertig. Von Anfang bis Ende der Transaktion vergehen deutlich mehr als zwei Minuten. Da wäre Barzahlen deutlich schneller gewesen.

Das klingt wie eine Lappalie, ist jedoch ein großes Problem: Warum sollten Kunden von Scheinen und Münzen umschwenken, wenn die neuen Dienste nicht wirklich schneller sind? Wo liegt der Mehrwert? Sicherheit mag ein Argument sein. Aber das bieten auch Rivalen des mobilen Bezahlens, bei denen Kunden per NFC-Technologie einkaufen können. Bei der alternativen Technik wird das Smartphone an einen Sensor gehalten und bis zu einer Summe von 25 Euro wird alles ohne lästige PIN quasi im Vorbeigehen bezahlt. Da kann der QR-Code von Yapital nicht mithalten.

"Na das hätten Sie auch schneller haben können", neckt sogar die Kassiererin. Recht hat sie. Die App braucht insgesamt vielleicht nicht so lang wie eine sehschwache Rentnerin, die in ihrem überfüllten Portemonnaie nach einem Ein-Cent-Stück wühlt. Die Zahlung mit Bankkarte wäre aber sicher schneller gewesen. Einen neuen Versuch mit Yapital wird es nicht geben.


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Prinzeumel 26. Nov 2015

Dann trackt nicht mehr der laden sondern applepay. Super. Also das tracking argument...

wikwam 26. Nov 2015

Wenn jeder seine 5,41¤ mit Bargeld bezahlt, sind Schlangen an Kassen bei Netto, Lidl und...

dura 26. Nov 2015

Ich hab in den letzten Jahren kein Taxi ohne KK gesehen. Alleine wg. der ganzen Business...

Sea 25. Nov 2015

Dito. Ich schrieb ja extra "die typischen" und nicht alle. Nur weil du das für dich so...

Kleba 25. Nov 2015

Auch in Schweden geht es sehr viel bargeldloser zu als hier. Dort kann man auch seine...



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