Y - The Last Man: Eine Welt der Frauen

Vor knapp 20 Jahren wurde das erste Comic-Heft veröffentlicht, einige Jahre war die Fernsehserie Y - The Last Man in Entwicklung. Jetzt ist sie endlich bei Disney+.

Eine Rezension von Peter Osteried veröffentlicht am
Olivia Thirlby als Hero Brown in Y - The Last Man
Olivia Thirlby als Hero Brown in Y - The Last Man (Bild: Disney/Screenshot:Golem.de)

Achtung, Spoiler! Wir beschreiben in dieser Rezension einige Elemente der Handlung der ersten beiden Folgen der Staffel 1 der Serie Y - The Last Man. Wer nichts wissen möchte, bevor er selbst die Staffel schaut, sollte nicht weiterlesen.

Inhalt:
  1. Y - The Last Man: Eine Welt der Frauen
  2. Eine Gesellschaft ohne Männer

Die Grundidee von Y - The Last Man ist packend: Was wäre, wenn ein Virus den männlichen Teil der Menschheit töten würde und auch vor dem Tierreich nicht haltmacht? Die Idee stammt von Brian K. Vaughan, der im Jahr 2002 den Comic mit der Zeichnerin Pia Guerra startete und nun auch die Fernsehserie produziert. Die erste Staffel ist seit dem 22. September 2021 bei Disney+ zu sehen und besteht aus zehn Folgen. Sie alle wurden von Frauen inszeniert und erzählen nicht nur eine spannende Katastrophengeschichte, sondern beschäftigen sich auch mit großen gesellschaftlichen Fragen.

Die Serie beginnt mit Yorick, dem letzten lebenden Mann, der mit seinem Kapuzineräffchen durch die Straßen von New York zieht, immer auf der Suche nach der Frau, die er liebt. Dann gibt es einen Zeitsprung zurück. Ein paar Wochen zuvor ist die Welt noch in Ordnung. Yoricks Schwester Hero ist Sanitäterin, hat Probleme mit ihrer Affäre und einen schlechten Draht zu ihrer Mutter, der Politikerin Jennifer Brown. Die wiederum sitzt im Kongress und versucht, dem ihrer Meinung nach misogynen Präsidenten zuzusetzen. Agentin 355 ist mit der Terror-Abwehr beschäftigt.

Am Tag Null sterben innerhalb kürzester Zeit alle Männer. Die Welt verfällt in Chaos, Leichen säumen die Straßen, die Infrastruktur bricht zusammen. Gut zwei Monate später scheint die Lage ein wenig konsolidiert zu sein, doch wie die Präsidentin sagt: Es wird erst noch schlimmer werden, bevor es besser wird. Dann wird entdeckt, dass ihr Sohn Yorick noch lebt …

Hochwertige Produktion mit Liebe fürs Detail

Y - The Last Man sieht richtig gut aus. Das zeigt sich schon in den ersten Minuten, als Yorick durch die leeren Straßen von New York irrt. Zerstörte Autos auf den Straßen, Leichen überall, auf einem Dach hängt ein abgestürzter Helikopter - die Welt ist vor die Hunde gegangen. Und auch erzählerisch beweist die Serie Liebe fürs Detail und zeigt in vielen eindrucksvollen Momenten, was passiert, wenn eine Seuche sich rasant ausbreitet und die Männer sterben. So sieht das Publikum etwa, was geschieht, wenn Piloten ihre Flugzeuge nicht mehr fliegen können.

Das Ensemble ist gut zusammengestellt. Mit Yorick hat man den unfreiwilligen Helden, einen Entfesselungskünstler, der gezwungen ist, sich zu verstecken, weil er als einziger noch lebender Mann natürlich Begehrlichkeiten weckt, während seine Schwester Hero durch den Tag Null mit einem Mord davonkommt.

Die Wild Card ist Agentin 355, gespielt von Ashley Romans. Schon im Comic ist sie eine der faszinierendsten Figuren. Die von Diane Lane gespielte Präsidentin ist ebenfalls interessant. Wie alle anderen wird sie in eine unmögliche Situation manövriert, muss aber mehr als jede andere Zuversicht ausstrahlen.

Anders als der Comic

In den fast 20 Jahren seit dem Debüt des Comics hat sich unsere Gesellschaft verändert, und die Macher der Serie tragen dieser Tatsache Rechnung. Während im Comic das Schicksal von Transmenschen nur kurz erwähnt wird, wird nun eine Figur eingeführt, die es im Comic nicht gibt: Sam Jordan. Er überlebt, weil er kein Y-Chromosom hat. Gespielt wird er von Elliot Fletcher, der, wie seine Figur, ein Transmann ist.

"In dieser Welt nach dem Ereignis ist das Geschlecht irgendwie irrelevant", sagte Fletcher dem Magazin Variety. "Ich denke, eines der witzigsten Dinge an dieser Serie ist, dass Yorick nach dem Ereignis ohne Maske herumlaufen kann, weil man annimmt, dass er trans ist, während man vor dem Ereignis davon ausgeht, dass die Menschen cis sind. Ich denke also, dass es die traditionelle Vorstellung von Geschlecht komplett auf den Kopf stellt." Die Maske trägt Yorick ansonsten, um zu verbergen, dass er ein Mann ist, weil er in einer Welt, in der die Männer ausgestorben sind, zu einem Objekt der (wissenschaftlichen) Begierde geworden ist.

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Eine Gesellschaft ohne Männer 
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Komischer_Phreak 29. Sep 2021

Tja, da traue ich der Frau Doktor einfach mehr als Dir und der Google-Universität. Der...

peterbruells 29. Sep 2021

5% weltweit. Zudem wird es dann Fälle geben, in denen der männliche Co-Pilot im...

decaflon 28. Sep 2021

Oder man hat in der Schule in Chemie oder Biologie aufgepasst oder im Leben mal ein...

mfeldt 24. Sep 2021

Hab' mich schon gefragt, ob ich der einzige bin, der das Buch kennt. Würde mich aber...



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