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XPS 15 (9550) im Test: Dells großes Notebook ist eine kleine Enttäuschung

Dells XPS 15 ist ein sehr gutes Notebook , der Akku hält aber kaum ein paar Stunden durch und ohne Netzteil drosselt das Gerät die Leistung. Das tolle Infinity-Display und der USB-C -Anschluss gefallen uns dafür, allerdings bietet Dell das XPS in unsinnigen Konfigurationen an.
/ Marc Sauter
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Dell XPS 15 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Dell XPS 15 Bild: Martin Wolf/Golem.de

Einer der meistgelesenen Hardwareartikel in diesem Jahr war der Test von Dells XPS 13 im März 2015, auch für den Hersteller war das Gerät ein Erfolg. Denn an dem Ultrabook gab es kaum etwas zu kritisieren – aber viel zu loben. Wenig überraschend also, dass Dell noch ein kleineres und ein größeres Modell nachschiebt. Wir haben uns das neue XPS 15 (Dell-intern 9550) schicken lassen, um es einem Test zu unterziehen – und wurden überrascht.

Auf den ersten Blick sieht das XPS 15 gar nicht aus wie einer der typischen 15,6-Zoll-Klopper: Das schlanke Notebook misst zugeklappt gerade einmal 357 x 235 mm. Ein oben draufgelegtes 14-Zoll-Thinkpad-Ultrabook ist einige Millimeter weniger tief und knapp zwei Finger schmaler. Ein günstiges 15,6-Zoll-Gerät sieht im Vergleich zum XPS 15 aus wie ein Relikt aus den 1980er Jahren. Dells neues Notebook ist 19 mm hoch, mit den beiden Gummistreifen 22,5 mm. Unsere von Dell gestellte Ausstattungsvariante wiegt exakt 1,911 kg.

Dell XPS 15 – Overview
Dell XPS 15 – Overview (01:26)

Uns gefällt die exzellente Verarbeitung des Dell-Notebooks. Ein Großteil des Barebones ist aus gebürstetem Aluminium gefertigt und die Tastatur- sowie Clickpad-Einfassung mit Kohlefaser beschichtet. Die Oberfläche des XPS 15 erweist sich daher als nahezu immun gegen unschöne Fingerabdrücke. Die Basiseinheit ist enorm verwindungssteif, selbst der im Vergleich zum XPS 13 deutlich größere Deckel gibt einzig bei starkem Druck sichtbar nach.

Bei den Anschlüssen hat sich Dell für einen guten Mittelweg entschieden: Rechts befinden sich in der hinteren Hälfte eine Öse für ein Kensington-Schloss, eine LED-Leiste, die auf Knopfdruck den Akkufüllstand anzeigt, ein USB-3.0-Port in Typ-A-Bauweise und ein SD-Kartenleser. Links hat Dell den Netzteilanschluss, einen weiteren USB-3.0-A-Port, einen HDMI-1.4a-Ausgang, einen kombinierter Kopfhörer-Mikrofon-Anschluss und eine USB-Typ-C-Schnittstelle verbaut.

Dahinter verbirgt sich ein Thunderbolt-3-Controller, genauer Intels Alpine Ridge : Über die USB-Typ-C-Schnittstelle können entsprechende Sticks mit 3.1-Gen2-Geschwindigkeit angeschlossen werden, für alles andere braucht es einen Adapter. Das passende Kit verkauft Dell für stolze 170 US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) : Es unterstützt HDMI, VGA, Gigabit-Ethernet und USB 3.0 mit Typ A.

Da HDMI nur in der Version 1.4a unterstützt wird, gilt allerdings eine Einschränkung: Wer einen UHD-Monitor anschließen will, ist beim Dell XPS 15 ergo auf 30 Hz beschränkt. Erst wenn es Displayport-Adapter oder passende Bildschirme mit USB-C-Anschluss gibt, sind 60 Hz selbst mit zwei Monitoren möglich.

Apropos Einschränkungen: Die hat das Notebook noch an anderen Stellen, genauer gesagt beim Akku. Der ist – abhängig vom Modell – entweder klein oder wird durch die Leistungsaufnahme des Displays schnell in seiner Kapazität reduziert. Der Bildschirm selbst erreicht jedoch sehr gute Werte.

Tolles Display mit guter Peripherie

Dell verbaut erneut ein von Sharp gefertigtes, blickwinkelunabhängiges IPS-Panel mit besonders dünnem Rahmen. Der misst nur 5 mm und ist der Grund, warum das XPS 15 so kompakt ist. Unser Modell verfügt über ein mattes Display mit 1.920 x 1.080 Pixeln ohne Touch-Unterstützung. Die durchschnittliche maximale Helligkeit beträgt hohe 299 cd/m², die Helligkeitsverteilung ist mit einer Abweichung von neun Prozent exzellent. Mit 1.037:1 messen wir einen guten, aber nicht extrem hohen Kontrast.

Bedingt durch den dünnen Rahmen sitzt die Display-Elektronik unter dem Panel, genauso wie die 720p-Kamera, die kein Windows Hello unterstützt und bildlich eine ungewöhnliche Froschperspektive bietet. Man schaut dadurch bei der Videotelefonie über den Gesprächsteilnehmer hinweg. Bei der Tastatur hat sich Dell für ein Chiclet-Design ohne Ziffernblock entschieden, die weiße Beleuchtung ist zweistufig justier- oder komplett abschaltbar. Die Fn-Taste befindet sich rechts vom Strg-Knopf, sie muss zum Funktionswechsel gedrückt gehalten werden. Der Druckpunkt der Tasten ist mit einem Hubweg von 1,3 mm vergleichsweise gering – selbst das Type Cover des Surface Pro 4 weist 1,4 mm auf. Wir hätten uns einen etwas längeren Hub gewünscht, nach einer guten halben Stunde tippt es sich aber flüssig auf dem XPS 15.

Wenig Neuerungen gibt es beim sehr guten Clickpad aus Glas, das präzise reagiert und zu den besten Pads gehört, die in einem Windows-Gerät verbaut sind. Thinkpad-Nutzer mögen sich bestätigt fühlen: Ein Trackpoint mit drei dedizierten Maustasten ziehen wir jedem Clickpad vor. Aufgrund des Windows-Standard-Treibers gibt es kaum Clickpad-Einstellungsoptionen. Wer möchte, kann aber das Pad automatisch deaktivieren lassen, wenn eine dedizierte Maus angeschlossen wird, und Gesten ab- oder einschalten.

Unter der Tastatur und dem Clickpad sitzt die Hardware. Die verwindungssteife Schale ist mit zwölf Schrauben befestigt und mit ein bisschen Fingerspitzengefühl abnehmbar. Vergleichsweise viele Komponenten sind durch den Nutzer austauschbar: Der 56-Wattstunden-Akku ist genauso wie die Festplatte und die kleine SSD nur verschraubt, die beiden Speichermodule sind gesteckt. Wer möchte, kann bis zu 32 GByte DDR4-RAM (SO-DIMM), eine 2-TByte-Festplatte und eine 1-TByte-SSD einsetzen.

Die zweigeteilte Kühlung mit Doppelbelüftung sitzt auf dem verlöteten Prozessor und der fest verbauten Grafikeinheit, der HM170-Chipsatz (Platform Controller Hub) kommt ohne Kühlkörper aus. Die zwei Lüfter saugen durch die gelochte Bodenplatte Frischluft an, das XPS 15 sollte für längere Lasten besser auf einer harten Oberfläche stehen. Im Bett werden durch den weichen Untergrund die Lufteinlässe verdeckt und die Lüfter drehen hoch. Die warme Abluft wird durch Schlitze unterhalb des Displays nach hinten ins Freie gepustet.

Zu den weiteren einsehbaren Komponenten zählen eine Broadcom-Karte mit Bluetooth 4.1 und erfreulicherweise ac-WLAN 3x3, was in Notebooks selten ist. Die beiden Stereolautsprecher befinden sich vorne links und vorne rechts an der Unterkante. Die kleinen Boxen tönen auf Wunsch zwar sehr laut, notebooktypisch sind aber die Höhen stark überpräsent und der Bass ist kaum vorhanden.

Der kleine Akku ist schnell leer

Ein besonders gutes Merkmal des Dell XPS 13 war die sehr lange Akkulaufzeit, beim XPS 15 hingegen enttäuscht sie. Aber zuerst die Hardware: Die von uns getestete Variante des Dell XPS 15 nutzt einen Core i5-6300HQ(öffnet im neuen Fenster) . In dem stecken vier Skylake-Kerne mit einem Basistakt von 2,3 GHz und einer Boost-Frequenz von bis zu 3,2 GHz. Mit im Chip sitzt eine integrierte Grafikeinheit vom Typ HD Graphics 530 mit 24 Ausführungseinheiten und bis zu 950 MHz Turbo-Takt. Der Prozessor wird von Intel in die 45-Watt-Klasse einsortiert und arbeitet mit DDR4-2133-Arbeitsspeicher zusammen. Dell verbaut 8 GByte RAM im Dual-Channel-Betrieb, beide Slots sind also bestückt.

Im Cinebench R15 taktet der Core i5-6300HQ im Single-Core-Test mit 3,1 GHz und erreicht 128 Punkte, im Multi-Core-Test läuft er mit 2,8 GHz und kommt auf 470 Punkte. Das entspricht etwa einem Core i5-2500K aus dem Jahr 2011. Aber Vorsicht: Im Akkubetrieb drosselt die CPU ihren Takt deutlich. Bei Last auf allen Kernen liegen 1,6 GHz an, und auch wenn nur ein Kern rechnet, steigt die Frequenz nicht. Die Leistung sinkt auf 269 und 71 Punkte. Damit das XPS 15 den Prozessor wieder mit voller Geschwindigkeit taktet, muss das Netzteil angeschlossen und das Dell-Notebook neu gestartet werden.

In Spielen oder Programmen wie Adobe Premiere Pro springt dank Optimus die Geforce GTX 960M mit 2 GByte GDDR5-Videospeicher an. Diese Grafikeinheit basiert auf dem älteren GM107-Chip mit Maxwell-v1-Architektur, sie verfügt über 640 Shader-Einheiten und ein 128 Bit breites Speicherinterface – so wie die Geforce GTX 750 Ti . In unserem Test mit Star Wars Battlefront taktet der GM107-Chip der Geforce GTX 960M im Netzbetrieb mit 1.176 MHz und im Akkubetrieb mit nur noch 980 MHz: Die Bildrate fällt in 1080p mit Ultra-Details von 37 auf 29 fps. Die maximale Temperatur liegt bei 86 Grad Celsius, dabei bleibt das XPS 15 auf der Unterseite kühl – die beiden Lüfter rauschen in Spielen zwar mit dumpfer Frequenz, aber deutlich hörbar bis laut.

Trotz gedrosselter Leistung im Akkubetrieb hält das XPS 15 in Star Wars Battlefront bei mittlerer Helligkeit (150 cd/m²) keine zwei Stunden durch. Der Productivity-Test des Futuremark Powermark gibt gar nur fünf Stunden aus. In diesem Szenario wird textlastiges Webbrowsing simuliert, der Test stoppt bei 20 Prozent verbleibender Akkukapazität. Im Büroalltag mit Flash-Webseiten, Down- und Uploads sowie leichter Fotobearbeitung schafft das XPS 15 eine Laufzeit von gerade einmal dreieinhalb Stunden. Ein Blick ins Gerät zeigt: Dell verbaut einen 56-Wh-Akku, übrigens genauso wie im neuen XPS 13. Theoretisch wäre ein größerer 84-Wattstunden-Akku beim XPS 15 möglich, jedoch ohne Festplatte und mit PCIe-SSD. Das lässt sich Dell aber entsprechend bezahlen.

Immerhin: Das kompakte 130-Watt-Netzteil lädt unser Modell des XPS 15 im abgeschalteten Zustand in gut anderthalb Stunden vollständig auf. Der Netzteilstecker ist beleuchtet und so im Dunkeln leicht auffindbar. An der Vorderseite des Notebooks befindet sich zudem eine kleine LED. Sobald die verbleibende Akkuladung auf einen kritischen Stand fällt, leuchtet sie orange und weiß, wenn das Netzteil angeschlossen ist.

Die verbaute Festplatte, eine Toshiba MQ02ABF100, ist im Betrieb recht nervig: Sie rotiert mit 5.400 Umdrehungen pro Minute und hat daher eine sehr gemächliche Ansprechzeit. Um dem entgegenzuwirken, hat Dell in den M.2-Slot eine 32 GByte fassende Sata-SSD gesteckt, die als Cache agiert. Auf dem Lite-on-Kärtchen sitzen zwei Flash-Packages von SK Hynix, 256 MByte DDR3-1333 als DRAM-Cache von Samsung und Silicon Motions SM2246EN-Controller.

Wurden Anwendungen mehrmals gestartet, kopiert sie ein Algorithmus auf die SSD. Das verbessert die Ansprechzeit enorm. Wer aber beispielsweise regelmäßig Videopojekte rendert, der verwendet ständig neue Dateien und ärgert sich über die lahme Festplatte. Wir raten daher zu einer 2,5-Zoll-SSD.

Verfügbarkeit und Fazit

Dell verkauft das XPS 15 hierzulande derzeit in vier Konfigurationen(öffnet im neuen Fenster) , Build-to-Order wie beim XPS 13 gibt es nicht. Die von uns getestete CNX5501-Version kostet 1.600 Euro und nutzt einen i5-Skylake-Quadcore, 8 GByte RAM, ein mattes 1080p-Display, eine Festplatte sowie einen 56-Wh-Akku. Für 2.000 Euro bietet Dell eine schnellere i7-CPU mit 16 GByte RAM an, die HDD und der kleine Akku bleiben. Das ist besonders ärgerlich, da dieses Gerät mit einem Ultra-HD-Touch-Display ausgeliefert wird, was die Laufzeit aufgrund der vielen Pixel und der daraus resultierenden höheren Leistungsaufnahme wieder verringert.

Wer den großen 84-Wh-Akku möchte, muss zum 2.200 Euro teuren Modell greifen: Darin stecken der i7 mit 16 GByte und eine PCIe-NVMe-SSD mit 512 GByte, die höhere Akkukapazität wird aber durch den Ultra-HD-Bildschirm negiert. Für 2.550 Euro verdoppelt Dell den SSD-Speicherplatz auf 1 TByte. Was uns fehlt, ist ein Modell mit 1080p-Display, SSD und großem Akku; das bietet der Hersteller aber nicht an. Im US-Store(öffnet im neuen Fenster) verkauft Dell gar ein XPS mit SSD statt Platte, aber kleinem anstelle eines großen Akkus – absurd.

Fazit

Nach dem Test von Dells XPS 13 im März 2015 waren wir sehr auf das neue XPS 15 gespannt – und wurden enttäuscht. Während das kleinere Modell schlicht exzellent ist, weist zumindest unser Testmuster des XPS 15 zwei klare Schwachpunkte auf: die geringe Akkulaufzeit und die Leistungsdrosselung ohne Netzteil. Beides empfinden wir bei einem Arbeitsgerät als störend, denn die Produktivität wird eingeschränkt.

Grund für die geringe Laufzeit ist der kleine 56-Wh-Akku, selbst der Energiespeicher des neuen Dell XPS 13 ist größer. Das Dell XPS 15 hält daher im Alltag nur drei bis vier Stunden durch, sofern im Internet gesurft wird, ein paar Daten hoch- und heruntergeladen und Videos bearbeitet werden. Nervig ist zudem die Festplatte: Die sitzt da, wo sonst Platz für einen größeren Akku wäre, und weist eine sehr lange Ansprechzeit auf. Das gibt sich dank Flash-Cache bei alltäglichen Anwendungen zwar nach einiger Zeit. Neue Fotos oder Videos in Projekte zu laden, wird aber zur Geduldsprobe.

Obendrein drosselt das XPS 15 im Akkubetrieb die CPU- und GPU-Frequenz. Der Skylake-Prozessor taktet mit 1,6 GHz nur noch halb so hoch wie mit Netzteil und bei der Geforce-Grafikeinheit fehlt etwa ein Viertel Leistung. Wer ohne Netzteil Videos rendert, der muss im Rahmen der geringen Akkulaufzeit auch noch länger warten, bis das Exportieren abgeschlossen ist. Doch genug der Kritik, das XPS 15 hat auch gute Seiten: Das tolle 1080p-Infinity-Display ist hell sowie kontrastreich und macht das XPS 15 durch den dünnen Rahmen sehr kompakt. Die Eingabegeräte sind bis auf den etwas geringen Tastenhub gut gelungen und der praktische Thunderbolt-3-USB-C-Anschluss bietet vielseitige Optionen.

Wer das neue Dell XPS 15 vornehmlich auf dem Schreibtisch einsetzt und mindestens 2.200 Euro in eine Version mit SSD investiert, der erhält ein gutes 15,6-Zoll-Gerät. Für unterwegs ist das Notebook dann zu empfehlen, wenn es keinen vollen Arbeitstag, sondern nur einige wenige Stunden durchhalten muss oder eine Steckdose in Reichweite ist.


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