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Xperia Z5 Premium im Test: Sonys Definition eines 4K-Smartphones

Mit dem Xperia Z5 Premium hat Sony ein Smartphone mit 4K -Display im Portfolio - an der Berechtigung dieses Titels zweifeln wir allerdings. Viel mehr als diese Marketing-Worthülse hat das Premium-Modell verglichen mit dem normalen Xperia Z5 nämlich nicht zu bieten.
/ Tobias Költzsch , Marc Sauter
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Das Xperia Z5 Premium von Sony (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Das Xperia Z5 Premium von Sony Bild: Martin Wolf/Golem.de

Sonys Xperia Z5 Premium ist das erste Smartphone mit einer Display-Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixeln - was gemeinhin als 4K, genauer Ultra-HD, bezeichnet wird. Bei einer Bildschirmgröße von 5,5 Zoll ergibt das eine enorme Pixeldichte von 806 ppi. Als Sony das Xperia Z5 Premium zusammen mit dem normalen Xperia Z5 und dem kleineren Xperia Z5 Compact auf der Ifa 2015 vorstellte, dürften nicht nur bei der Fachpresse einige Augenbrauen nach oben gegangen sein. Bei einer derartig hohen Auflösung stellt sich - wie bereits bei 2.560 x 1.440 Pixeln - die Frage: Brauche ich das?

Xperia Z5 Premium- Test
Xperia Z5 Premium- Test (02:05)

Ein genauer Blick auf die technischen Daten des Xperia Z5 Premium zeigte schnell, dass Sony den Begriff "4K-Smartphone" recht großzügig definiert: Im Kleingedruckten der Sony-Produktseite steht, dass sich die Bezeichnung "4K" auf die reine Auflösung des Displays und die 4K-Videofunktion bezieht - und mitnichten darauf, dass das Gerät tatsächlich Apps oder die Benutzeroberfläche in 4K darstellen kann, wie bei der Produktbezeichnung eigentlich angenommen wird.

Für Golem.de war beim Test des Xperia Z5 Premium daher wesentlich, was der hochauflösende Bildschirm tatsächlich bringt. Daran schließt sich die Frage an, ob Käufer nicht auch mit dem günstigeren normalen Xperia Z5 zufrieden werden können - obwohl dessen Bildschirm "nur" mit 1.920 x 1.080 Pixeln auflöst und mit 5,2 Zoll etwas kleiner ist. Technisch gesehen sind die Geräte nämlich ansonsten gleich: So haben beide einen Snapdragon-810-Prozessor, 3 GByte Arbeitsspeicher und eine neue 23-Megapixel-Kamera. Auch die stand bei unserem Test unter besonderer Beobachtung - hatte Sony in der Vergangenheit doch stets mit die schwächsten Kameras unter den Topherstellern.

Sehr helles 5,5-Zoll-Display

Beim 5,5-Zoll-Display des Xperia Z5 Premium handelt es sich um ein IPS-Panel mit RGB-Matrix. Es erreicht eine sehr hohe durchschnittliche maximale Helligkeit von 576 cd/m². Das Display selbst löst zwar mit 3.840 x 2.160 Bildpunkten auf, die Android-Oberfläche, Apps und Spiele aber werden in 1.920 x 1.080 Pixeln berechnet und hochskaliert. Schärfer ist das Bild im Alltagsbetrieb im Direktvergleich mit einem FHD-Smartphone nicht.

Inhalte, die das Xperia Z5 Premium theoretisch in Ultra-HD darstellen könnte, sind mit entsprechender Auflösung aufgenommene Videos. Sony selbst spricht auf der Produktseite des Xperia Z5 Premium einerseits von einer Hochskalierung auf 4K-Qualität - und nicht von einer tatsächlichen 4K-Darstellung -, im Kleingedruckten anderseits von der Wiedergabe selbst aufgenommenen 4K-Materials. An sich könnte der im Sony-Smartphone verbaute Snapdragon 810 - genauer dessen integrierte Grafikeinheit Adreno 430 - die Oberfläche in Ultra-HD rendern, dann wäre aber eine flüssige Darstellung selbst unter Android wohl nicht mehr gewährleistet.

4K oder nicht 4K?

4K-Videos wirken bei einer Vergrößerung auf dem Display des Xperia Z5 Premium tatsächlich schärfer als 1080p-Videos - was zwar durchaus für eine Wiedergabe in 4K spricht. Screenshots zeigen hingegen stets eine Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln an, was wiederum für eine Hochskalierung spricht. Die Schärfe der Videos dürfte auch dem Umstand geschuldet sein, dass bei der Aufnahme schlicht mehr Details aufgenommen wurden; die Daten-Bitrate von 4K-Videos ist merklich höher als die eines 1080p-Videos. Die 4K-Version von Sintel(öffnet im neuen Fenster) sieht beim Hineinzoomen ebenfalls geringfügig schärfer aus als die 1080p-Version. Angesichts von Sonys eigener Aussage über die Hochskalierung halten wir die bessere Schärfe beim Premium für ausschließlich im Ausgangsmaterial begründet.

Letztlich wissen wir schlicht nicht genau, wann das Xperia Z5 Premium welche Inhalte in 4K anzeigt oder nicht. Aber selbst wenn das Gerät manche Filme in hoher Auflösung abspielen würde: Objektiv und ohne Vergrößerung betrachtet bringt uns die höhere Auflösung bei Filmen auf dem Smartphone selbst kaum etwas. In der Praxis nehmen wir keine abendfüllenden Werke mit der 4K-Funktion der Smartphone-Kamera auf und schauen diese mit kritischem Blick auf dem Display des Gerätes an. Anders sieht es bei der Verarbeitung des 4K-Materials aus - wer seine Clips am Rechner später zusammenschneidet, wird die höhere Auflösung zu schätzen wissen. Dafür brauchen wir aber keinen derartig hoch auflösenden Bildschirm. Auf einem Smartphone-Display halten wir 4K für überflüssig.

Snapdragon 810 drosselt auch bei Sony

Wie in vielen anderen Geräten drosselt der Snapdragon 810 bei längerer Last seine Taktfrequenzen stark. Infolgedessen laufen vor allem Spiele nach einigen Minuten spürbar langsamer, obwohl Sony gleich zwei Heatpipes(öffnet im neuen Fenster) zur Kühlung des SoC verbaut hat.

Wir haben das anhand des T-Rex-Benchmarks illustriert: Die Demo lief hierzu ohne Unterbrechung 20 Minuten in Schleife. Die schnellen A57-Kerne helfen beim Laden noch mit und schalten sich dann ab. Stattdessen übernehmen die sparsameren A53-Kerne die Berechnung. Sie takten im Verlauf der Messung von 1,34 auf bis zu 0,77 GHz herunter. Die Adreno-Grafikeinheit startet bei 630 MHz und fällt auf 450 und schlussendlich auf 390 MHz. Schon mit bloßem Auge ist erkennbar, dass die Bildrate von 45 auf 25 fps drastisch sinkt.

Bei kurzen Lasten hingegen zeigen der Snapdragon 810 und die 3 GByte LPDDR4-Arbeitsspeicher im Xperia Z5 Premium die übliche hohe Leistung: Im Geekbench 3 erzielen wir 1.313 (Singlethread) und 4.327 (Multithread) Punkte. Im 3DMark Ice Storm Unlimited erreicht das Sony Xperia Z5 Premium einen Overall-Score von 23.408 Punkten. Neben dem Google Nexus 6P, in dem Heatsinks verbaut sind und sogar Wärmeleitpaste(öffnet im neuen Fenster) eingesetzt wird, zählt es somit zu den schnellsten Smartphones mit Snapdragon 810 - solange der Prozessor nur kurz auf Höchstlast läuft.

Sobald wir das SoC über einen Zeitraum von mehreren Minuten stark belasten - beispielsweise mit einem grafisch aufwendigen Spiel -, sinken die Leistungswerte auch beim Xperia Z5 Premium. Im Geekbench 3 erreicht das Smartphone dann nur noch einen Single-Wert von 857 Punkten. Das ist allerdings besser als manch andere Smartphones mit dem Snapdragon 810, die stellenweise über 50 Prozent an Leistung verlieren.

Gute Hardware und ein eingebauter Schminkspiegel

Von der übrigen Ausstattung ist das Xperia Z5 Premium ein Topgerät: Neben Quad-Band-GSM, UMTS und LTE unterstützt es WLAN nach 802.11ac, Bluetooth läuft in der Version 4.1. Ein GPS-Empfänger und ein NFC-Chip sind eingebaut. Der eingebaute Flash-Speicher ist 32 GByte groß - angesichts der Möglichkeit, Videos in 4K aufzeichnen zu können, ist das nicht viel. Ein Steckplatz für Micro-SD-Karten ist eingebaut.

Auch das Design des Smartphone gefällt uns gut: Der Rahmen ist aus Metall, die Ecken sind leicht abgesetzt, was dem Gerät ein robustes Aussehen gibt. Gewöhnungsbedürftig dürfte die in der silbernen und goldenen Farbvariante spiegelnde glasbeschichtete Rückseite sein. Diese lässt sich tatsächlich als vollwertiger Spiegel verwenden - allerdings nicht nur freiwillig, zum Schminken etwa, sondern auch unfreiwillig als Blendspiegel, wenn die Sonne scheint. Fingerabdrücke finden sich stets zahlreiche auf der glänzenden Rückseite. Wie bei Sony üblich ist das Smartphone nach IP65 und IP68 vor Wasser und eindringendem Staub geschützt.

Sony und sein Kameraproblem

Problem bei Sonys bisherigen Topsmartphones war immer die Kamera: Mit Auflösungen von bis zu 20 Megapixeln und einem speziellen Linsensystem ausgestattet, schafften es die Sony-Kameras von der Bildqualität her bisher nicht, Smartphones anderer Tophersteller auszustechen. Dabei hat uns die Kamera-Software durchweg gefallen, auch Extrafunktionen wie der merklich verlustfreiere Digital-Zoom.

Bei den neuen Xperia-Z5-Smartphones - also auch beim von uns getesteten Premium-Modell - verwendet Sony eine 23-Megapixel-Kamera, die ein Objektiv mit sechs Linsen hat. Leider finden wir auch hier die Bildqualität verglichen mit anderen guten Smartphone-Kameras wie der des LG G4 oder der der Galaxy-S6-Geräte nicht überzeugend: Die Kamera des Xperia Z5 Premium zeigt bereits bei Tageslichtaufnahmen wieder starke Kompressionsartefakte, bei näherer Vergrößerung werden Details stark zermatscht dargestellt. Sofort erkennen wir wieder den Aquarell-Effekt, den wir auch bei den Vorgängern sehen konnten.

Dass auch das Xperia Z5 Premium wieder eine solch bescheidene Bildqualität hat, ist schade; die Farben stimmen, auch die Belichtung ist gut, die Kamera-App gefällt uns. Auch der Autofokus ist, wie von Sony versprochen, sehr schnell. Im Dunkeln aufgenommene Bilder zeigen ebenfalls eine gute Belichtung, hier finden wir die sichtbaren Artefakte auch verschmerzbar - andere Topsmartphones zeigen in schwierigen Lichtsituationen vergleichbares Rauschen.

Hervorragender Bildstabilisator

Der Videomodus mit 4K-Funktion hat jetzt einen verbesserten Bildstabilisator, der tatsächlich auch sehr starke Horizontal- und Vertikalbewegungen ausgleicht. Selbst wenn wir das Smartphone stark hin und her bewegen, sehen wir davon im fertigen Videoclip nur ein leichtes Wackeln. Leichte Bewegungen werden komplett herausgefiltert. Der Stabilisator arbeitet allerdings nur auf zwei Achsen: Drehbewegungen kann er nicht ausgleichen.

Positiv finden wir zudem, dass das Xperia Z5 Premium bei 4K-Aufnahmen nicht heiß wird und dementsprechend die Aufnahme nicht wegen Überhitzung abbricht. Nach zehn Minuten und einer gleichbleibenden Temperatur von 35 Grad Celsius am Hotspot auf der Rückseite des Smartphones haben wir es aufgegeben, auf einen Abbruch zu warten.

Trotz der guten Videofunktionen empfinden wir aber auch die Kamera des Xperia Z5 Premium letztlich als etwas enttäuschend. Dass gerade Sony als erfahrener Kamerahersteller es wieder nicht geschafft hat, eine bessere Bildqualität zu realisieren, können wir mittlerweile nur noch schwer nachvollziehen.

Auslieferung noch mit Android 5.1.1

Ausgeliefert wird das Xperia Z5 Premium noch mit Android in der Version 5.1.1 - die neue Version Marshmallow wird als Update nachgeliefert. Wie gewohnt stattet Sony auch sein neues Smartphone mit der eigenen Benutzeroberfläche aus, die sich im Design nicht sonderlich von den vorigen Geräten unterscheidet. So gibt es auch beim Xperia Z5 Premium wieder eine Reihe von Mini-Anwendungen, die über der aktuell genutzten App verwendet werden können - etwa einen Taschenrechner oder einen kleinen Browser.

Der Akku des Xperia Z5 Premium hat eine Nennladung von 3.430 mAh, der nach Quick Charge 2.0 schnellladefähig ist und laut Sony zwei Tage lang bei durchschnittlicher Nutzung durchhalten soll. Einen 1080p-Film können wir knapp 5,5 Stunden lang anschauen - eher ein durchschnittlicher Wert. Über einen Tag kommen wir mit dem Xperia Z5 Premium ohne Probleme.

Verfügbarkeit und Fazit

Sony verkauft das Xperia Z5 Premium im eigenen Onlineshop(öffnet im neuen Fenster) für 800 Euro. Bei anderen Onlinehändlern ist das Smartphone für um die 730 Euro zu haben.

Fazit

Waren wir vor dem Test skeptisch, weil Sony das Xperia Z5 Premium als "4K-Smartphone" bezeichnet, so fragen wir uns nach dem Test erst recht, weshalb wir das Gerät kaufen sollten. Das 4K in der Beschreibung bringt uns im Alltag nichts - wir halten es für eine Marketing-Hülse.

Sony sagt in der Beschreibung des Smartphones einerseits, dass Inhalte nur hochskaliert würden; andererseits spricht der Hersteller im Kleingedruckten von der 4K-Aufnahme und -Wiedergabe von Videos - was zumindest dafür spricht, dass selbst aufgenommenes Videomaterial in 4K abgespielt wird.

Screenshots zeigen stets die native Auflösung der Benutzeroberfläche an: 1.920 x 1.080 Pixel. Letztlich sind uns all diese Faktoren schlicht zu undurchsichtig, als dass wir reinen Gewissens das Xperia Z5 Premium als 4K-Smartphone bezeichnen würden.

Von der Hardware ist das Xperia Z5 ansonsten ein gutes Gerät - bei der Kamera schafft es Sony aber wieder nicht, seine Expertise auf diesem Gebiet auch in ein Smartphone zu übertragen. Die Bildqualität ist für ein Gerät dieser Preisklasse nicht gut genug. Sehr gut gefällt uns aber der neue Bildstabilisator, der auch starkes Wackeln ausgleicht.

Bei einem Preis von 730 Euro bleibt für uns die Frage, weshalb ein Interessent an einem Sony-Topsmartphone nicht schlicht zum normalen Xperia Z5 greifen sollte, ohne überzeugende Antwort. Letzteres ist aktuell mit 530 Euro ganze 200 Euro günstiger und hat bis auf das Display die gleiche technische Ausstattung.

Das bedeutet aber gleichzeitig, dass Nutzer auch hier mit einem drosselnden Prozessor und einer Kamera leben müssen, die weniger gute Bilder liefert als andere Topmodelle. Das Samsung Galaxy S6 oder das LG G4 scheint uns hier die bessere Wahl zu sein.


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