Xilinx-CEO Victor Peng im Interview: "Wir sind überall"

Programmierbare Schaltungen, kurz FPGAs, sind mehr als nur Werkzeuge, um Chips zu entwickeln: Im Interview spricht Xilinx-CEO Victor Peng über überholte Vorurteile, den Erfolg des Interposers, die 7-nm-Fertigung und darüber, dass nach dem Tape-out der Spaß erst beginnt.

Ein Interview von veröffentlicht am
Xilinx-CEO Victor Peng bei seiner Keynote auf dem XDF
Xilinx-CEO Victor Peng bei seiner Keynote auf dem XDF (Bild: Marc Sauter/Golem.de)

Victor Peng ist CEO von Xilinx, dem weltweit größten Hersteller von programmierbaren Schaltungen, sogenannten Field Programmable Gate Arrays (FPGAs). Xilinx gehörte zu den ersten, die Interposer für mehrere Chips auf einem Package verwendeten, und hat mit den Versal-FPGAs kürzlich einen neuen Ansatz für eine programmierbare Plattform vorgestellt. Wir hatten auf dem Xilinx Developer Forum im kalifornischen San José die Gelegenheit, uns ausführlich mit Peng zu unterhalten.

Inhalt:
  1. Xilinx-CEO Victor Peng im Interview: "Wir sind überall"
  2. 7 nm wird ähnlich langlebig wie 28/16 nm

Golem.de: Sie sind seit Januar 2018 der Chef von Xilinx, wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt - gerade mit Blick auf Project Everest alias Versal-FPGAs?

Victor Peng: Es war bis dato eine tolle Zeit - sehr geschäftig, aber großartig! Ich denke, der Übergang lief ziemlich rund, ich danke Moshi [Moshi Gavrielov, Victor Pengs Vorgänger als CEO, Anm. d. Red.] und dem Vorstand dafür. Ich wurde ja erst im April 2017 zum COO und verantwortete somit Marketing und Sales, zudem unterstanden mir Produktentwicklung und R&D. Zuerst COO zu sein und dann CEO war definitiv hilfreich, außerdem hat mich das Team sehr gut unterstützt.

Golem.de: Wie lange war Project Everest in Arbeit - ein solches Design dauert ja üblicherweise mehrere Jahre?

Stellenmarkt
  1. Fachinformatiker für Systemintegration (m/w/d)
    Erlanger Stadtwerke AG, Erlangen
  2. Product Owner API (m/f/d)
    Haufe Group, Freiburg, St. Gallen (Schweiz)
Detailsuche

Peng: Die eigentliche Entwicklungsphase dauerte vier Jahre. Die Herangehensweise an die neue Architektur war eine komplett andere als zuvor, wir haben so gesehen die Teams in unterschiedlichen Gebäuden untergebracht [lacht].

Vor nicht allzu langer Zeit waren die Gruppen für Software und Silizium stärker getrennt, für Project Everest haben alle von Anfang an besonders eng zusammengearbeitet - egal ob Linux, Developer Tools, Debugger und so weiter. Klar ist Infrastruktur nicht sexy, aber sie muss stehen. Ich finde es wahnsinnig befriedigend zu sehen, dass wir nun den formalen Launch hinter uns haben und den Tape-outs [Anm. d. Red.: Übermittlung der Chip-Maske an den Auftragsfertiger] näherkommen, denn da beginnt der Spaß erst richtig [lacht erneut].

Golem.de: Project Everest deckt viele Segmente ab, daher multiple Tape-outs?

Peng: Richtig, wir haben mehrere Chips basierend auf dem gleichen Design. Wir beginnen mit dem größten Chip später in diesem Jahr, denn wir brauchen ein Mindestmaß an Tests, um möglichst keine Fehler doppelt zu machen. Wenn wir das Topmodell im Lab und die Funktionsblöcke geprüft haben, machen wir mit den Tape-outs der kleineren Dies weiter. Das Gleiche gilt auch für das 2.5D-Stacking einiger Ableger [Anm.d.Red.: die Versal-FPGAs unterstützen unter anderem HBM], aber das haben wir nicht explizit erwähnt, weil wir das schon so lange machen. Es ist immerhin bereits die vierte Generation mit bewährter Interposer-Technik.

  • Xilinx-CEO Victor Peng stellt die Versal-FPGAs vor. (Bild: Marc Sauter/Golem.de)
  • Xilinx-CEO Victor Peng stellt die Versal-FPGAs vor. (Bild: Marc Sauter/Golem.de)
  • Xilinx-CEO Victor Peng stellt die Versal-FPGAs vor. (Bild: Marc Sauter/Golem.de)
  • Xilinx-CEO Victor Peng stellt die Versal-FPGAs vor. (Bild: Marc Sauter/Golem.de)
  • Xilinx-CEO Victor Peng stellt die Versal-FPGAs vor. (Bild: Marc Sauter/Golem.de)
  • Xilinx-CEO Victor Peng stellt die Versal-FPGAs vor. (Bild: Marc Sauter/Golem.de)
Xilinx-CEO Victor Peng stellt die Versal-FPGAs vor. (Bild: Marc Sauter/Golem.de)

Golem.de: Gutes Stichwort, die Konkurrenz nutzt Silizium-Brücken, also Intels EMIB statt passive Interposer. Sieht Xilinx keinen Bedarf, sich in diese Richtung zu orientieren?

Peng: Um ehrlich zu sein, erachten wir diese Brücken als nicht wirklich gut skalierbar, zumindest unter der Annahme, dass es mehr als nur einige wenige Dies auf dem Package sind. Dann mag das klappen, aber darüber hinaus steigen die elektrische und mechanische Komplexität rapide an. Wir haben uns das hinsichtlich Kosten und möglicher Probleme sehr genau angeschaut, seit Jahren sind Silizium-Brücken ein wichtiges Thema.

Ein Proof of Concept ist eine Sache, die Serienfertigung eine völlig andere - und ich spreche aus Erfahrung, denn Xilinx hat eine derartige Umsetzung bereits mit 28 nm etabliert [Anm.d.Red.: die Virtex-7 von 2012 kombinieren drei oder vier Dies]. Und wenn ich mich umschaue, dann sind wir nicht die einzigen - auch AMD, Cisco, Nvidia ... alle nutzen Interposer für HBM.

Golem.de: Die Versal-FPGAs mit High Bandwidth Memory sind für 2021 geplant, das ist noch ein bisschen hin ...

Peng: Unsere Virtex UltraScale+ mit 16 nm und HBM v2 gehen erst nächstes Jahr in die Serienfertigung und dann zu unseren Kunden, zudem müssen wir die Roadmap im Blick behalten. Momentan ist die Nachfrage nach HBM v2 extrem hoch, wir wollen aber natürlich keine Technik integrieren, die kurz vor ihrer Ablösung steht.

Auf der zweiten Seite des Interviews spricht Victor Peng über das Fabless-Geschäft, über 7 nm, über Interposer und Xilinx' Neuausrichtung bei der Öffentlichkeitsarbeit.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
7 nm wird ähnlich langlebig wie 28/16 nm 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Klimaforscher
Das Konzept der Klimaneutralität ist eine gefährliche Falle

Mit der Entnahme von CO2 in den nächsten Jahrzehnten netto auf null Emissionen zu kommen, klingt nach einer guten Idee. Ist es aber nicht, sagen Klimaforscher.
Von James Dyke, Robert Watson und Wolfgang Knorr

Klimaforscher: Das Konzept der Klimaneutralität ist eine gefährliche Falle
Artikel
  1. Beats, E-Rezept, Vivobooks: Noch mehr neue Kopfhörer von Apple geplant
    Beats, E-Rezept, Vivobooks
    Noch mehr neue Kopfhörer von Apple geplant

    Sonst noch was? Was am 19. Oktober 2021 neben den großen Meldungen sonst noch passiert ist, in aller Kürze.

  2. Kalter Krieg 2.0?: Die Aufregung um Chinas angebliche Hyperschallwaffe
    Kalter Krieg 2.0?
    Die Aufregung um Chinas angebliche Hyperschallwaffe

    Die Volksrepublik China soll eine Hyperschallwaffe getestet haben. China dementiert die Vorwürfe aber und sagt, es wäre ein Raumschiff gewesen.
    Eine Analyse von Patrick Klapetz

  3. M1 Pro/Max: Dieses Apple Silicon ist gigantisch
    M1 Pro/Max
    Dieses Apple Silicon ist gigantisch

    Egal ob AMD-, Intel- oder Nvidia-Hardware: Mit dem M1 Pro und dem M1 Max schickt sich Apple an, die versammelte Konkurrenz zu düpieren.
    Eine Analyse von Marc Sauter

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Cyber Week: Bis zu 16% auf SSDs & RAM von Adata & bis zu 30% auf Alternate • 3 Spiele für 49€: PC, PS5 uvm. • Switch OLED 369,99€ • 6 Blu-rays für 40€ • MSI 27" Curved WQHD 165Hz HDR 479€ • Chromebooks zu Bestpreisen • Alternate (u. a. Team Group PCIe-4.0-SSD 1TB 152,90€) [Werbung]
    •  /